Robin Hood ist mehr als ein Held: Blick hinter die OVIGO-Kulissen und Interview mit John von Düffel
Robin Hood ist mehr als ein Held: Blick hinter die OVIGO-Kulissen und Interview mit John von Düffel
Manuel Knoll: Woran hast du dich bei deinem Theaterstück „Robin Hood“ orientiert?
John von Düffel: Es gibt verschiedenste Legenden und Erzählungen, nicht die eine Überlieferung, das eine Original. Das gibt einem beim Nacherzählen viel Freiheit. Meine Version habe ich 2005 für das Theater Bremen geschrieben. Ausschlaggebend war für mich, dass Robin Hood zwar der Name ist, hinter dem sich der Mythos schart, dass es aber immer um die Gruppe und die Gemeinschaft geht, die er zusammenhält.
Bei der Recherche ist mir vor allem eines in Erinnerung geblieben: Dass das Leben im Wald ganz schön hart war. Das wird bei Heldengeschichten oft vergessen. Entrechtete Menschen, die mit sehr wenig Essen auskommen müssen und aus dieser Not heraus für Gerechtigkeit kämpfen.
Über den Autor John von Düffel
John von Düffel, Jahrgang 1966, ist Autor, Dramaturg und Regisseur, aktuell auch Intendant am Bamberger E.T.A.-Hofmann-Theater.
Bekannt wurde er unter anderem durch seinen Roman „Vom Wasser“. Er arbeitete an zahlreichen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen und veröffentlichte neben Romanen auch Theaterstücke, Bearbeitungen und Essays.
Seine Robin-Hood-Fassung entstand 2005 für das Theater Bremen und wird bis heute regelmäßig gespielt.
Manuel Knoll: Was können Kinder heute von Robin Hood lernen?
John von Düffel: Zusammenhalt. Aber nicht im Sinn von: Kuschelkurs, wir verstehen uns alle und irgendwie wird schon alles gut. Sondern dass man auch zweifelt, dass man manchmal nicht mehr kann, sich wieder zusammenrauft und gemeinsam etwas bewirkt. Wenn man echte Freundschaften pflegt und loyal zueinander ist, entwickelt man zusammen eine echte Stärke. Das ist für mich die wichtigste Botschaft des Stoffes.
Manuel Knoll: Gemeinschaft bringt auch Schwierigkeiten mit sich. Teilen ist leicht, wenn man viel hat, aber wenn ein Mangel da ist, wird’s schwierig.
John von Düffel: Genau. Dass die Bande von Robin Hood zusammen bleibt, ist eben auch Arbeit. Da muss Robin Hood etwas dafür tun, die anderen müssen bereit sein, Opfer zu bringen. Da formiert sich eine Gesellschaft im Kleinen. Diese sozialen Prozesse mitzuerzählen, ist der ernstere Teil des Stücks.
Für die eigene Tochter geschrieben
Manuel Knoll: War „Robin Hood“ eine Auftragsarbeit oder kam die Idee von dir?
John von Düffel: Wer damals die Idee hatte, weiß ich gar nicht mehr. Das ist zu lange her. Aber ich weiß noch, dass meine Tochter damals vier oder fünf Jahre alt war. Und ich habe das Stück natürlich auch ein bisschen für sie geschrieben. Ich wollte sie in ein Abenteuer einladen, in dem nicht nur Jungs mutig sind, sondern auch Mädchen und Frauen starke Figuren verkörpern.
Manuel Knoll: Bei uns werden viele große Rollen von Mädchen gespielt. Elisa spielt Robin Hood, der Sheriff ist ein Mädchen. Die Textstellen, in denen Mädchen nicht in die Bande dürfen, haben wir übrigens gestrichen.
John von Düffel: Das finde ich total richtig. Auch wenn man beim Blick auf die heutige Politik manchmal das Gefühl hat, dass die Zeit zurück gedreht wird, im Theater ist die Zeit vorangeschritten. Heute geht es weniger um Geschlechterzuordnungen als um Persönlichkeiten. Welche Fähigkeiten bringt jemand für eine Rolle mit? Das ist viel wichtiger.
„Marian entspricht keinem Prinzessinnen-Klischee“
Annabelle Höreth: Ich habe eine Frage zu Marian. Sollte sie eher verliebt und schüchtern sein oder abenteuerlich, neugierig und mutig?
John von Düffel: Ich glaube schon, dass sie eine sehr mutige Person ist. Sie entspricht der klassischen Frauenrolle ihrer Zeit nicht und auch keinem Prinzessinnen-Klischee. Ihr Drang nach Freiheit verbindet sie mit Robin Hood – die beiden haben da ein gemeinsames Thema.
Kathleen Höreth: Und warum braucht man die Gouvernante?
John von Düffel: Die Gouvernante steht für die Erwartungen der Gesellschaft. Sie soll Marian zu der Person machen, die einer Prinzessinnen-Rolle entspricht. Dadurch wird sichtbar, welchen Kampf Marian mit den Zwängen ihrer Zeit austrägt.
Kathleen Höreth: Ist das auch eine Art Hauptrolle?
John von Düffel: Ich finde sie schon zentral. Als Gouvernante vertrittst du nicht nur deine eigene Position, sondern die Haltung einer ganzen Epoche. Und ich hoffe natürlich, dass die Streitigkeiten zwischen Gouvernante und Marian auch Spaß machen?
Alle: JA!
Wie ein Theaterstück entsteht
Elisa: Wie lange hat es gedauert, das Skript zu schreiben?
John von Düffel: Die Vorbereitung hat wahrscheinlich zwei bis drei Monate gedauert. Das Schreiben selbst noch einmal drei oder vier Monate. Die erste Fassung ist dabei immer viel zu lang. Bis alles gekürzt und verdichtet ist, vergeht noch einmal viel Zeit. Insgesamt ungefähr ein halbes Jahr. Im Theater muss jeder Satz sitzen.
Manuel Knoll: Danke dafür, ich hatte bei der Auswahl des Stücks die Qual der Wahl – und habe bei Robin Hood gemerkt, dass da alles wirklich auf den Punkt ist und wir minimal ändern müssen.
Elisa: Hast du die Lieder auch selbst geschrieben?
John von Düffel: Ja. Mir war wichtig, dass es diese musikalische Ebene gibt. Musik schafft Gemeinschaft. Im Idealfall gehen die Leute mit den Liedern im Kopf nach Hause und wachen am nächsten Morgen wieder damit auf.
Manuel Knoll: Wir freuen uns über die Lieder, die Susi Hutzler für uns komponiert hat. Da gibt es in der Tat Refrains, die man so schnell nicht mehr vergisst.
Drei Freilichtbühnen, drei verschiedene Welten
Maria von Stern: Wir spielen auf drei sehr unterschiedlichen Freilichtbühnen: auf Schloss Burgtreswitz, in Grafenwöhr auf der Naturbühne und in Winklarn auf dem Dorfplatz. Hast du viele Inszenierungen von Robin Hood gesehen?
John von Düffel: Ein paar, die Bremer Inszenierung war sehr sparsam und stellte die Armut in den Mittelpunkt. Göttingen war dagegen sehr bunt. Und aus der Schweiz habe ich von tollen Aufführungen gehört.
Maria von Stern: Manuel, wie wird unsere Inszenierung aussehen?
Manuel Knoll: Sparsam in den Mitteln, kreativ und spielfreudig.
Maria von Stern: Gibt es eine Szene, die dir besonders gefällt?
John von Düffel: Ich mochte immer die Szene am Anfang, wenn Robin und Mitch in den Wald gehen. Die Bäume sind ihnen noch fremd und bedrohlich, und sie tapsen so richtig in dieses Abenteuer hinein.
„Theater ist eine Art zweite Familie“
Maria von Stern: Du bist oft und welteweit umgezogen, schon als Kind, und hast auch in vielen Städten gearbeitet. Ist Theater so etwas wie Heimat geworden?
John von Düffel: Gute Frage. Das Besondere am Theater ist, dass man die Menschen, mit denen man arbeitet, sehr intensiv erlebt. Von der ersten Probe an. Im normalen Leben dauert es oft Jahre, bis man sich wirklich kennt. Im Theater ist man sehr schnell sehr weit miteinander. Das schafft etwas Familiäres.
Für mich haben aber auch die Orte eine große Bedeutung. Die Städte sind nicht bloß Kulisse. Ein Theater lebt von den Menschen, die dort ins Theater gehen, von der Begeisterung, dem Wohlwollen, der Neugier.
Maria von Stern: Das ist bei uns gegeben – das OVIGO Theater bringt Menschen aus der ganzen Oberpfalz zusammen für besondere Erlebnisse. Aktuell haben wir 22 Produktionen, im 10ten Jahr des Bestehens, und sind weiter tatendurstig. Und Du, bist Du als Intendant am E.T.A.-Hofmann-Theater in Bamberg jetzt da angekommen, wo du hinwolltest?
John von Düffel: Ich fühle mich dort am wohlsten, wo die Menschen ähnliche Dinge am Theater aufregend finden wie ich. Bamberg ist gerade ein sehr schöner Ort dafür. Die Stadt nimmt Theater ernst und feiert es. Und ich kann hier auch sehr gut Schwimmen – die Langstrecke ist ja neben dem Theater meine zweite große Leidenschaft.
Zuhause im Wasser
Maria von Stern: Chlorwasser oder See?
John von Düffel: Am liebsten freie Gewässer. Seen oder Flüsse. Wenn es sehr kalt wird, dann auch mal ein Hallenbad.
Maria von Stern: Dann müssen wir dir für die Premiere und deinen Besuch bei uns wohl ein paar Oberpfälzer Seen empfehlen.
John von Düffel: Darauf freue ich mich! Und alles Gute für die Probenzeit!
OVIGO spielt „Robin Hood“ in Moosbach, Grafenwöhr und Winklarn
Das OVIGO Theater bringt im Sommer seine neue Freilichtproduktion „Robin Hood“ auf die Bühne. 20 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 7 und 16 Jahren spielen auf Schloss Burgtreswitz in Moosbach, auf der Naturbühne Grafenwöhr sowie auf dem Marktplatz in Winklarn für Kinder und Familien.
Wer noch keine Tickets hat, kann sie hier schnell erwerben:
www.ovigo-theater.de/robin-hood
Für eine Hand voll Veranstaltungen gibt es nur noch Restplätze.










































