Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
okticket – Kultur
okticket – Kultur

Schobers Rock-Kolumne: Dahoam is dahoam, von alten HeldenInnen und jungem Gemüse

Weiden/Amberg. Auch in Sachen Musik dürfen wir in dieser Ausgabe auf gleich zwei leuchtende und „bunte“ Meisterwerke blicken.

Weiden/Amberg. Auch in Sachen Musik dürfen wir in dieser Ausgabe auf gleich zwei leuchtende und „bunte“ Meisterwerke blicken.
Tedeschi Trucks Band, Robin Trower, Pina Palau, Ladytron, Philine Sonny, Suzi Quatro

Schobers Rock-Kolumne: Dahoam is dahoam, von alten HeldenInnen und jungem Gemüse

Schön war es in Spanien -und verdammt windig. Da ist ein stürmischer Ostwind am Parkstein ein Witz dagegen. In Els Poblets hatten wir mal Besuch aus Waldsassen, ein alter Musik-Nerd, der sich viel viel besser mit alter Musik auskennt als ich. Verbindendes Element war unser beider Faible für die Grateful Dead. Und wie wir da ins Schwärmen, Philosophieren und Austauschen von Live-Erlebnissen gekommen sind (Ich hatte die Dead zum ersten Mal 1981 in Rüsselsheim gesehen, wir beide waren beim Konzert viel später und unabhängig voneinander in der Frankfurter Oper. Das war dann schon Anfang der 90er mit Bruce Hornsby an den Tasten), parlierten und goutierten wir auch über den seltenen Einsatz von zwei Schlagzeugern. Außer den Dead vielen uns damals nur noch die Allman Brothers ein (King Crimson arbeiteten kurz sogar mit bis zu vier Schlagwerkern, Genesis live mit Chester Thompson und natürlich Phil Collins nach dem Weggang von Peter Gabriel).

Jam-Rock Helden aus den USA

Ganz vergessen hatte wir die Tedeschi Trucks Band, obgleich ich die erst vor wenigen Jahren in Berlin bestaunen durfte. Und genau diese vielköpfige Kapelle -12 Musiker sind es gesamt- um das Ehepaar Susan Tedeschi und Derek Trucks hat ein neues Album, „Future Soul“ (Universal) geheißen veröffentlicht. Wer sie nicht kennt (aber schon etwas älter und nicht ganz unbeleckt ist): Packt man zu erwähnten Grateful Dead und den Allman Brothers noch die Little Feat plus einer Bläser-Section, ergibt die Schnittmenge ziemlich treffsicher diese wunderbar groovende, bluesige Jam-Rock Melange. Jüngere Semester können als Referenzen die Rose City Band, Phish und Goose heranziehen. „Future Soul“ ziert zudem ein recht nettes Artwork wo unsere Helden siegessicher im Superman- und Superwoman-Outfit, verfolgt von allerlei Monstern, voranschreiten um das hohe Lied der Fusion aus Funk, Rock ‚n‘ Roll, Blues, Soul, Boogie Woogie, Gospel, Folk und Country zu singen, b.z.w. spielen. Zahnradartig greifen hier die Instrumente ineinander, es entsteht ein steter Fluss der Töne mit Melodien zum Zurücklegen und genießen. Aktuell sind leider nur Live-Termine in den USA angekündigt inklusive eines Auftritts im legendären Red Rocks Amphitheater. Sollte die Tedeschi Trucks Band doch noch nach Deutschland kommen, ist das ein Pflichttermin!

Vintage Blues-Rock vom Allerfeinsten

Kein Pflichttermin, aber eine Art Pflicht-Album zumindest für alle Rock- und Blues-Fans war vor 50 Jahren „Robin Trower Live!“ (Bertus). Viele erinnerte der Mann an die Exkursionen eines Jimi Hendrix, aber auch der wuchtige Blues-Rock von Cream, Rory Gallagher oder Jeff Beck, Bogert, Appice war nah.

Während seiner Zeit bei Procol Harum stand Robin Trower stets im Schatten von Gary Brooker und den wechselnden Organisten der Kapelle, die Gitarre spielte einfach nicht die dominierende Rolle im Sound der Procol Harum. Was oft unterschätzt wird, ist der kantige und muskulöse Gesang auf diesem Album. Er stammt vom Bassisten und Sänger James Dewar, einem der wohl am meisten übersehenen Sänger der 70er Jahre.

Geprägt von Kollegen wie Ray Charles und Otis Redding klingt er wie ein Zwitter aus Paul Rodgers und Franky Miller. Das Power-Trio vervollständige Schlagzeuger Bill Jordan, der auch für Sly & The Family Stone oder Tina Turner die Stöcke tanzen ließ. Unter dem Kürzel, B.L.T. erschien auch ein sehr feines Album zusammen mit Jack Bruce und Robin Trower. Aber zurück zum Jubiläumswerk: Das gibt es jetzt natürlich nicht nur remastert, sondernd auch als Doppel-CD und -Freude, Freude- auch als Doppel-LP mit zwölf als der bisherigen sieben Stücke, sprich das komplette Stockholmer Konzert wird nun kredenzt. Pflicht-Album, aber das hatten wir ja schon.

Spedition Wagner
Spedition Wagner

Aus dem Schweizer Schlafgemach

Ganz andere Töne erklingen aus der Schweiz. Die poltern manchmal, manchmal kommen sie aber auch auf ganz leisen Pfoten daher. Die Rede ist von der Singer/Songwriterin Pina Palau. Zwischen Schlafzimmer-Folk und kantigem Indie-Rock tastet sich „You Better Get Used To It“ (Mouthwatering Records) durch Beziehungen, Selbstzweifel und kleine gesellschaftliche Reibungsflächen — und tut das mit einer Direktheit, die eher Tagebuch als Pose ist.

Musikalisch bewegt sich die Platte zwischen intimen Akustikmomenten und rauerer Americana-Färbung; sie pendelt damit bewusst zwischen Nähe und Unruhe. Im Ton erinnert das an artverwandte Stimmen wie Adrienne Lenker oder Waxahatchee, während die spröde Lakonie gelegentlich an Courtney Barnett denken lässt. Gleichzeitig blitzt in den ruhigeren, verletzlichen Passagen jene melancholische Intimität auf, die man aus dem Kosmos von Elliott Smith kennt.

Im Stil eines gut abgehangenen Kulturstücks würde man sagen: Diese Musik drängt sich nicht auf — sie sitzt neben einem, bestellt ein Bier und erzählt Geschichten, die man zunächst beiläufig hört und später nicht mehr loswird. „You Better Get Used To It“ überzeugt weniger durch große Gesten als durch das Beharren auf Zwischentönen. Und genau darin liegt seine Stärke: ein stilles, aber nachhaltiges Album für alle, denen Indie-Folk-Rock mit Americana-Schattierung näher ist als die nächste lautstarke Gitarrenparole.

Searching for the Ladytron

Rock, Rock und ein wenig Indie-Geplänkel. Da wird es doch auch mal Zeit ein bisschen das Tanzbein zu schwingen und sich die Nächte um die Ohren zu hauen. Ist man männlichen Geschlechts, könnte die Suche nach einer Ladytron beginnen, einer Art weiblichem Casanova. Den Begriff prägte einst Bryan Ferry in seinem gleichnamigen Song und Helen Marnie, Daniel Hunt und Mira Aroyo haben sich danach benannt. „Paradises“ (Nettwerk) ist schon ihr achtes Album.

Das britische Trio mischt darin Electro-Pop, Dark-Wave, Tech-Primitivismus, High-Priestess-Disco und Balearic Noir zu einer sehr eleganten und natürlich schwer tanzbaren Melange ohne dabei in Klischees oder gar den reinen Mainstream abzugleiten. Ehrlich, auch als Rock-Hörer kann man durchaus Gefallen an diesen coolen Songs finden die die abgebrühte und sterile Ästhetik der späten 90er recht organisch übersetzen.

Lieder wie „I See Red“ hätte es nicht gebraucht, denn dabei sieht man ob seiner simplen, kindischen Anmutung wirklich eher rot, aber bei über 70 Minuten Spielzeit, sind ein paar Füller wohl verzeihlich. Nachdem man schon lange nichts mehr von Goldfrapp gehört hat, sind Ladytron eine gute Alternative.

Vertonte Bellestristik

Hat jemand Benedict Wells’ Coming-of-Age-Roman „Hard Land“ gelesen? Der spielt in Missouri, 1985, und handelt vom fünfzehnjährigen Sam, der seinem tristen Zuhause entflieht und am Ende zu sich selbst findet. Philine Sonny aus Unna hat ihn wohl mehrmals gelesen, sich darin widergefunden und den Roman als Inspiration für ihr Debüt-Album, „Virgin Lake“ (Nettwerk) genommen.

Darin erzählt sie in vierzehn Liedern vom Aufbegehren gegen die Eltern, vom Selbsthass und später der Heilung und Selbstfindung -von der Adoleszenz mit all seinen Irrungen und Wirrungen, vom Erwachsenwerden halt. Dafür wählt sie manchmal recht schmerzende aber eben auch ehrliche Worte und packt das in eine Art, kantigen Low-Fi-Indie-Pop-Rock. In „Eye For An Eye“ rappt die Singer/Songwriterin schon fast, so überwältigend ist der Redefluss, dabei klingt diese Melodie fast ein wenig orientalisch. Andernorts können die Gitarren ganz schön Krach machen, wieder anderswo erklingen Streicher, oder es geht ganz gefühlig und fragil verspielt wie auf „Weak Spot“ zu. Stimmlich ist sie flexibel.

Meist eher zart, weich, leicht angeraut, empathisch und fließend, im richtigen Moment aber auch zupackend und kraftvoll, ähnlich einer Phoebe Bridgers oder auch Clairo. Dafür, dass sie dieses Album ganz alleine produziert und entworfen hat, gebührt ehrlicher Respekt. Chapeau!

Ein Idol meiner Jugend ist frisch geblieben

Zum Abschluss noch ein wenig Nostalgie. Die einzigen beiden kompletten Bravo-Starschnitte (für jünger Geborene: Bravo war DIE Musik- und Jugend-Postille der 70er Jahre. Dr. Sommer klärte die Youngsters auf, es gab viel über Musik zu lesen und man konnte in DIN-4-Größe in jedem Heft ein Stück seines Lieblingskünstlers ausschneiden und zu lebensgroßen Wandbildern zusammensetzen  -dem Starschnitt eben), die ich je zusammenbekommen habe, waren die von Suzi Quatro („Can The Can“) und Alice Cooper („School`s Out“).

Besagte Suzi, war damals so ziemlich der einzige weibliche Rockstar, der auch wirklich harten Rock und Rock`n`Roll servierte. Sie wurde damit zur Blaupause für Künstler wie Debbie Harry, Chrissie Hynde, Joan Jett oder KT Tunstall. Inzwischen ist die sympathische Wahl-Hamburgerin 75, aber keinen Deut leiser geworden. Ja „Freedom“ (Bertus) birst schier vor Spielfreude und hat regelrechte Hits im Repertoire. „Choose Yourself“ ist z.B. so ein unwiderstehlicher, ehrlicher Rocker ganz ohne Patina.

Und um auch auf den Herrn Vincent Damon Furnier aka Alice Cooper zurückzukommen: Mit dem singt Suzi ein Duett in der Cover-Version des MC5-Klassikers „Kick Out The Jams“. Ich habe Suzi Quatro vor ein paar Jahren auf dem immer wieder empfehlenswerten „Lieder am See“ Festival gesehen. Anfang Oktober kommt sie jetzt sogar nach Marktredwitz in die Glasschleife. Das wundert ein wenig, ich freu mich aber schon jetzt auf den Gig. Achtung, die Halle ist nicht beheizbar, also entweder warm anziehen oder besser einfach tüchtig abrocken. Hasta Luego!