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Schobers Rock-Kolumne: Der politische Wahnsinn geht weiter, Parkstein stemmt sich dagegen

Nordoberpfalz. Ich habe Angst. Sachsen-Anhalt hat mit über 44% eine rechtsextreme Partei gewählt. Die Bürger Sachsen-Anhalts haben ihren zukünftigen Henkern selbst an die Macht verholfen, Geschichte wiederholt sich, die Parallelen zur Weimarer Republik sind augenscheinlich.

Nordoberpfalz. Ich habe Angst. Sachsen-Anhalt hat mit über 44% eine rechtsextreme Partei gewählt. Die Bürger Sachsen-Anhalts haben ihren zukünftigen Henkern selbst an die Macht verholfen, Geschichte wiederholt sich, die Parallelen zur Weimarer Republik sind augenscheinlich.
Personal Trainer, Black Bananas, I.P., LA Priest, Paris Paloma, Mary And The Sharks

Schobers Rock-Kolumne: Der politische Wahnsinn geht weiter, Parkstein stemmt sich dagegen

Na prima, da ist man mal ein paar Tage im Urlaub auf den wirklich empfehlenswerten Azoren und zu Hause schafft sich die Demokratie mit demokratischen Mitteln (Wahl) weiterhin selbst ab. Es geht uns allen ja so schlecht und unseren Brüdern und Schwestern aus der ehemaligen DDR geht es noch viel schlechter.

Darum müssen einfache Lösungen her, die zwar nichts bringen (weil einfach), sich aber gut anhören. Da hilft es auch nichts, dass man als gesichert rechtsradikal eingestuft ist oder sämtliche Wirtschaftsverbände warnen. Mein Freund Trump lässt sich auch weiterhin eine Nettigkeit nach den anderen einfallen nur in Parkstein selbst hat sich eine Mehrheit für die Zukunft und erneuerbare Energie entschieden. Der Basaltkegel, eine Oase der Hoffnung in dunklen Zeiten.

Ein Personal Trainer fürs Gemüt

„Marvin`s Curtain Up“ begrüßt uns mit einem kurzen, schrägen Bläserintermezzo. Ein wenig windschief und polternd oder gerne auch „durchgerührt“ geht es dann mit dem „Scrambled Egg“ so richtig los auf dem neuen Album mit dem schönen Titel „Human Assholes“ (Bella Union) der niederländischen Formation Personal Trainer. Ein Ei will auch ein Mann mit verbundenen Augen auf dem netten Cover Artwork jonglieren.

Es gibt da diesen lustigen niederländischen Ausdruck „mijn ei kwijt kunnen“, was sich ziemlich holprig mit „mein Ei loswerden“ übersetzen lässt; es bedeutet so viel wie, ein Umfeld oder eine Beschäftigung zu haben, in der man all seine Gefühle, seine Kreativität und seine Energie nach Belieben entfalten kann. Und das tun die Mannen um Songschreiber Willem Smit nun schon seit gut 10 Jahren mit wachsender, nie nachlassender Begeisterung und Kreativität. Das klingt ein wenig nach dEUS, will man in der geografischen Umgebung bleiben, ansonsten ist auch die schlampige Lässigkeit von Pavement präsent, die hymnischen Momente von Car Seat Headrest oder die Fiebrigkeit der Talking Heads.

Dieser Personal Trainer packt Melodien in scheinbar ungebändigte Songgerüste, die zwischen Garagenlärm, Indie-, Power- & Art-Pop und Post-Punk taumeln. Und plötzlich, etwa in der Mitte dieser spannenden Platte, erklingt mit „The Burrows“ eine waschechte Ballade mit Schrammelgitarre, Klavier, Geige und einer gepfiffenen Melodie irgendwo zwischen den Waterboys und Kevin Ayers. Ich bin schon ziemlich begeistert von diesen Freigeistern.

Schwarze Bananen können durchaus lecker sein

Als Maverick kann man auch Jennifer Herrema und ihre Kapelle Black Bananas begreifen. Über ein Jahrzehnt haben sie an „Bad Bunch“ (Cargo) herumgebastelt. Und diese seltsame Musik hört sich auch genau nach einem Versuchslabor, einer Bastelstube, einem Experimentierfeld an.

Witron – Koch und Servicekraft gesucht
Witron – Koch und Servicekraft gesucht

Die Black Bananas schrauben Funk-Grooves an verzerrte Gitarren, lassen Dub-Echos durch kaputte Synthesizer wabern, klopfen stoische Kraut-Rock-Rhythmen, flirten mit Jazz und Hip Hop und tauchen alles in eine Patina aus Nikotin, Neonlicht und schlaflosen Nächten. Das Album wirkt wie eine illegale Kellerparty, auf der Punk, Disco und Industrial plötzlich dieselbe Sprache sprechen. Dazu der eher gehauchte Gesang von Frau Hermana und fertig ist ein Album, dass sich jeder Kategorisierung entzieht. Musik wie ein einziger, fiebriger, gleißender Mahlstrom.

Große Songschreiberin mit eigener Platte

Da hat man es bei einer Künstlerin, die sich nach dem alten Vinylformat schlicht LP nennt, schon leichter. Dabei ist LP einfach die Abkürzung für Laura Pergolizzi, einer Singer/Songwriterin mit irisch-italienischen Wurzeln aus New York. Ich kannte den Namen überhaupt nicht, Ihr Hit, „Lost on You“ schlummert aber noch ein wenig verdeckt in meinen Ohren. 1,5 Milliarden (!) Streams kann der bereits verzeichnen, was doch eine ganze Menge ist. Und dann durfte ich noch lesen, dass LP für Künstler wie Rihanna, Christina Aguilera, Cher, Céline Dion, Leona Lewis oder die Backstreet Boys Songs geschrieben hat.

Alle Achtung! „Room 12“ (Stem) heißt ihr schon achtes Album und man lauscht mit offenem Mund dieser außergewöhnlichen, vier Oktaven umfassende Stimme mit dem markanten Falsett und der rauen Rockfärbung. Zwischen Alternative Pop, Folk-Rock und Americana verbindet LP darauf große Emotionen mit radiotauglichen Melodien, ohne in Beliebigkeit abzurutschen. “Love Is All I Have“, die erste Single, ist ein emotionaler Streicher-Bombast-Hammer zwischen Herzschmerz, Freiheit, Reue und Hoffnung, der gottlob nicht für das gesamte Album spricht, sondernd eher der Ausrutscher in seichte Gefilde ist.

Das folgende, etwas tiefer gehängte „Mi Corazón“ klingt da viel ehrlicher, ist dennoch nicht weniger berührend. Mir gefallen die straighten, schnörkellosen Rock-Nummern wie „Don’t Stop“ oder der poppige Schrammel-Folk von „Chasing & Waiting“ doch am besten.

Seltsame Töne aus dem Versuchslabor

Kommen wir noch einmal kurz auf die schwarzen Bananen zurück. Sam Dust, ehemals Frontmann von Late Of The Pier und jetzt als LA Priest unterwegs, benutzt anscheinend ähnliche Synthesizer-Kisten und Drum Computer um den Sound von „Into the Sky“ (Domino) zusammenzubasteln. Wo die Bananen aber in ferne Galaxien abdriften, herrscht hier etwas mehr Bodenständigkeit.

Sam Dust schichtet Funk-Grooves, psychedelische Gitarren und schimmernde Synthesizer übereinander, ohne jemals den roten Faden zu verlieren. Die Songs schweben, tänzeln und stolpern mit eleganter Leichtigkeit durch ein Universum, in dem Eingängigkeit und Experiment keine Gegensätze sind. Wer intelligente, schräge Popmusik zwischen Funk, Psychedelia und Electronica schätzt, wer Prince, Metronomy, Toro Y Moi und Hot Chip ziemlich gut finden, hat hier einen neuen Freund gefunden.

Der Baum als Symbol

Keine fernen Galaxien, die Wälder und vor allem die Bäume sind es, in die sich Paris Paloma gerne mal als Schutz vor männlichen Übergriffen verwandeln würde. Der Baum steht für die emotionale Erfahrung, in einem weiblichen Körper zu leben und für das ständige Navigieren, das Bewertet werden, die Erschöpfung, permanent beobachtet und eingeordnet zu werden. Gleichzeitig verweist er auf die griechische Mythologie, in der Frauen sich zum Schutz vor Männern in Bäume verwandeln.

Da bei sieht die britische Singer/Songwriterin auf dem Pressefoto recht wehrhaft aus, wo sie sich in einer Ritterrüstung ablichten lässt. Jean d`Arc lässt grüßen und verwaist darauf, dass sich Paloma die Krallen geschärft hat, wenn diese auch noch von Spitzenhandschuhen nur mühsam versteckt werden. Zwischen Folk, Art-Pop und orchestraler Dramatik entstehen Songs, die gleichzeitig archaisch und modern klingen. Die Britin erzählt keine Geschichten – sie beschwört sie. Wer sich darauf einlässt, findet auf „The Fatal Flaw“ (Nettwerk) eine der faszinierendsten Stimmen der aktuellen Alternative-Szene zwischen Kate Bush, Florence + the Machine, Aurora, Chelsea Wolfe und Marika Hackman.

Nette Haie von der Waterkant

Die Hamburgerin Mary Jensen steht der Kapelle, Mary And The Sharks vor. Diese Haie sind aber nicht sonderlich gefährlich -so wie im Tierreich auch. Und auch Mary Jensen, die an der berühmten Mannheimer Pop-Akademie ausgebildet wurde, ist sicherlich kein Maneater. Mit zarter, fast gehauchter Stimme singt sie Songs über Verlangen, Zweifel und die Suche nach einem Ort, an dem man nicht ständig gegen sich selbst ankämpfen muss. Die acht Tracks des Albums bewegen sich durch die dunkleren Ecken des eigenen Innenlebens und die seltenen Momente, in denen plötzlich alles leichter wird.

Es geht um alte Muster, die langsam zerbrechen, um die Geschichten, die wir uns erzählen, um uns zu schützen, und um die Menschen, die uns daran erinnern, wer wir sein könnten. Außerdem schreibt Mary And The Sharks über die widersprüchlichen Seiten von Nähe: die Angst, etwas Schönes zu verlieren, den Wunsch gesehen zu werden und den Mut, sich trotzdem zu öffnen. Die Songs tragen diese Spannung in sich. Sie sind verletzlich und kraftvoll zugleich, manchmal rau und richtig rockig, manchmal fast schwebend, ätherisch und luzide.

Die Spannung die daraus entsteht macht „I Don’t Wanna Question How I Feel“ (pop-up Records) vielfältig und daher sehr hörenswert. Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Dream- modernem Indie-Pop, erinnert sacht an Künstler wie Mitski, Lorde, Wolf Alice, London Grammar, Suki Waterhouse oder Philine Sonny.