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Uran, Radium und die Faszination des Strahlenden: Ausstellung im Gelebten Museum Mähring

Mähring. Die Sonderausstellung Strahlende Kuriositäten im Alltag ist im Gelebten Museum eröffnet worden. Ein Vortrag von Ing. František Malý spannte den Bogen von Uranforschung bis zu leuchtenden Alltagsobjekten.

Mähring. Die Sonderausstellung Strahlende Kuriositäten im Alltag ist im Gelebten Museum eröffnet worden. Ein Vortrag von Ing. František Malý spannte den Bogen von Uranforschung bis zu leuchtenden Alltagsobjekten.
Eindrücke aus der Ausstellung Strahlende Kuriositäten. Foto: Stefanie Schreiner

Uran, Radium und die Faszination des Strahlenden: Ausstellung im Gelebten Museum Mähring

Uhren mit leuchtenden Ziffern, farbiges Glas, Radiumseife und vermeintliche Gesundheitselixiere: Was heute überrascht, galt vor rund hundert Jahren teilweise als Zeichen von Modernität und wissenschaftlichem Fortschritt. Die Geschichte hinter solchen Gegenständen ist eng mit der Entdeckung radioaktiver Stoffe und den großen Erwartungen verbunden, die man einst mit ihnen verknüpfte.

Diesem spannenden Kapitel der Wissenschafts- und Alltagsgeschichte widmet sich die Sonderausstellung „Strahlende Kuriositäten im Alltag“ im Gelebten Museum Mähring. Die offizielle Eröffnung am Samstag, 10. Oktober, stieß auf großes Interesse. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus nah und fern kamen zunächst ins Mähringer Schützenheim, wo Ing. František Malý aus dem tschechischen Aš mit einem umfangreichen Vortrag in das Thema einführte.

Vom Uranerz zur Entdeckung der Radioaktivität

Unter dem Titel „Uran von seiner schöneren Seite“ nahm Malý sein Publikum mit zu den Anfängen der Uranforschung. Er erläuterte, wann und wo Uran erstmals als eigenständiges Element erkannt wurde, wie es seinen Namen erhielt und in welchen Formen es in der Natur vorkommt. Auch die wissenschaftlichen Grundlagen der Radioaktivität kamen zur Sprache – darunter die Zerfallsreihe und die Halbwertszeit.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1789. Der deutsche Chemiker Martin Heinrich Klaproth untersuchte das Mineral Pechblende und erkannte darin ein bis dahin völlig unbekanntes Element. Er benannte es nach dem kurz zuvor entdeckten Planeten Uranus. Das metallische Uran selbst wurde allerdings erst Jahrzehnte später isoliert. Dass Uran von sich aus Strahlung abgibt, wurde wiederum erst 1896 erkannt: Der französische Physiker Henri Becquerel entdeckte, dass Uransalze auch ohne vorherige Belichtung eine fotografische Platte schwärzen konnten. Damit war ein entscheidender Schritt zur Erforschung der Radioaktivität getan.

Von Becquerel zu den Curies: Meilensteine der Radioaktivitätsforschung

Marie und Pierre Curie griffen diese Beobachtungen auf und untersuchten die Strahlung systematisch. Sie stellten fest, dass das Mineral stärker strahlte, als es allein durch seinen Urangehalt zu erklären war. Daraus schlossen sie, dass es weitere, bis dahin völlig unbekannte radioaktive Stoffe enthalten musste. 1898 berichteten sie dann von der Entdeckung zweier neuer Elemente: Polonium, benannt nach Marie Curies Heimat Polen, und Radium. Die Forschungen der Curies und Becquerels eröffneten ein neues wissenschaftliches Feld und wurden 1903 mit dem Nobelpreis für Physik gewürdigt. Die Entdeckung des Radiums und seine besonderen Eigenschaften sollten bald weit über die Forschungslabore hinaus Aufmerksamkeit erregen.

Im Vortrag ging es nicht allein um wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch darum, wie Uran und seine Verbindungen im Alltag genutzt wurden. Vor allem in Glas und Keramik fanden uranhaltige Verbindungen Verwendung. Sie konnten intensive gelbe bis grünliche Farbtöne erzeugen und bestimmten Erzeugnissen eine besondere optische Wirkung verleihen. So wurde aus einem chemischen Stoff auch ein Gestaltungsmittel für Gebrauchs- und Dekorationsgegenstände.

Witron – Koch und Servicekraft gesucht
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Radium-Mode: Wenn Strahlung als Heilmittel galt

Der zweite Teil des Vortrags widmete sich unter dem Titel „Radium als Elixier der Ewigen Jugend und Gesundheit“ der sogenannten Radium-Mode. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Radium als wissenschaftliche Sensation wahrgenommen. Die Forschung hatte tatsächlich neue Erkenntnisse über die Eigenschaften der Materie hervorgebracht; zugleich waren die biologischen Wirkungen der Strahlung noch nicht umfassend verstanden. Diese Mischung aus Faszination, unvollständigem Wissen und kommerziellen Interessen begünstigte die Vermarktung von Produkten, denen gesundheitsfördernde oder verjüngende Wirkungen zugeschrieben wurden. Radium fand sich zeitweise in unterschiedlichsten Erzeugnissen – von Kosmetik- und Körperpflegeprodukten bis hin zu Gegenständen, deren Leuchtwirkung besonders begehrt war. Die damaligen Versprechen hielten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand.

Heute ist bekannt, dass ionisierende Strahlung Zellen und Gewebe schädigen kann und eine unkontrollierte Anwendung gesundheitliche Risiken birgt. Die Radium-Mode steht beispielhaft für eine Zeit, in der die Faszination für neue wissenschaftliche Erkenntnisse mögliche Gefahren in den Hintergrund drängte.

Eindrücke aus der Ausstellung Strahlende Kuriositäten. Foto: Stefanie Schreiner
Eindrücke aus der Ausstellung Strahlende Kuriositäten. Foto: Stefanie Schreiner
Eindrücke aus der Ausstellung Strahlende Kuriositäten. Foto: Stefanie Schreiner
Eindrücke aus der Ausstellung Strahlende Kuriositäten. Foto: Stefanie Schreiner
Eindrücke aus der Ausstellung Strahlende Kuriositäten. Foto: Stefanie Schreiner
Eindrücke aus der Ausstellung Strahlende Kuriositäten. Foto: Stefanie Schreiner

Sonderausstellung in Mähring zeigt strahlende Alltagsobjekte

Im Anschluss an den Vortrag wurde die Sonderausstellung im Gelebten Museum offiziell eröffnet. Die Exponate stammen überwiegend aus der Sammlung von Ferdinand Wagner, weitere Stücke steuerte Josef Penzkofer aus dem Bayerischen Wald bei. Die Objekte machen die beschriebenen Entwicklungen anschaulich und zeigen, wie weit radioaktive Materialien einst in den Alltag hineinreichten. Zu sehen sind Modeschmuck, Porzellanfiguren und Uhren mit Leuchtziffern ebenso wie Aschenbecher, Gläser, Schalen, Vasen sowie Tee- und Bowle-Sets. Auch Porzellangeschirr mit Schwarzumdruck, ein Rosenkranz, Zähne und historische Produkte wie Radiumseife und Zahncreme gehören zur Sammlung. Lichtschalter, Fliesen und weitere ungewöhnliche Objekte ergänzen die Präsentation.

Die Gegenstände sind weit mehr als Kuriositäten aus vergangenen Zeiten. Sie erzählen von den Möglichkeiten, die man in neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen sah, von Moden und Werbeversprechen und vom Wandel des gesellschaftlichen Umgangs mit radioaktiven Stoffen. Die Ausstellung verbindet so Naturwissenschaft mit Technik-, Kultur- und Alltagsgeschichte und eröffnet eine völlig neue Sicht auf Dinge, die auf den ersten Blick ganz gewöhnlich erscheinen.

Strahlenschutz und behördliche Anmeldung

Für die Präsentation wurde ein Strahlenschutzkonzept erarbeitet. Die Ausstellung ist beim Landratsamt Tirschenreuth, Sachgebiet Immissionsschutz, angemeldet. Dabei wird sichergestellt, dass die für die Bevölkerung geltenden Dosisgrenzwerte eingehalten werden.

Die Sonderausstellung „Strahlende Kuriositäten im Alltag“ soll mindestens ein halbes Jahr im Gelebten Museum Mähring zu sehen sein. Der nächste Öffnungstermin im Oktober ist Sonntag, 25. Oktober, von 14 bis 17 Uhr. Für Gruppen sind Besuche auch nach telefonischer Vereinbarung möglich! Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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