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Vom Raubritter und Felsenkellern

Grafenwöhr. "Netzwerke, Denkmäler und Infrastruktur", so lautete das Motto am "Tag des offenen Denkmals". Wie war es früher, wie sieht es heute aus. Davon erzählten Marianne Gottschalk und Elisabeth Schreml vom Heimatverein.

Vom Raubritter und Felsenkellern

Am „Tag des offenen Denkmals“ berichteten Elisabeth Schreml (links) und Marianne Gottschalk (rechts) über „Netzwerke, Denkmäler und Infrastruktur“. Gestartet wurde am Fuße des Annabergs. Foto: Renate Gradl

65 Interessierte kamen am „Tag des offenen Denkmals“ zum Fuße des Annabergs, wo sie sehr viele interessante Begebenheiten erfuhren. Zunächst berichtete Elisabeth Schreml anhand von Bildern über die Infrastruktur und über die einstige Hauptverbindungsstraße nach Kemnath und Amberg.

Zuerst „Hafnerkirwa“

Der Annamarkt fand entlang der Straße statt und wurde bis zum 2. Weltkrieg „Hafnerkirwa“ genannt, da der Hafner Gradl hier seine Ware verkaufte. Der Frühschoppen war lange Jahre im Biergarten des „Goldenen Löwen“. Mit dabei war die Stadtkapelle, die am Nachmittag zum Tanz aufspielte. 1910 gab es eine Straßenverlegung und in den 1960er Jahren die Umgehung der Altstadt.

Pestsäule, eines der ältesten Kulturgüter

Eines der ältesten Kulturgüter von Grafenwöhr war die Passions- beziehungsweise Pestsäule aus heimischen Sandstein, die hier 1496 errichtet wurde. Mit dem Neubau der Zufahrtsstraße wurde sie auf den Marktplatz versetzt. „Der heutige Brunnen wurde aus einer Sudpfanne der Löwenbrauerei hergestellt um vom Schülerjahrgang 1932/33 gestiftet. Seit 2002 steht dieser am Ortseingang“, weiß Schreml. Er ist in der Osterzeit ein besonderer Blickfang, wenn er vom Heimatverein als Osterbrunnen geschmückt ist.

Die Löwenbrauerei

Die Geschichte der Löwenbrauerei brachte Marianne Gottschalk den Zuhörern nahe. Diese wurde von Gastwirt Florian Göppl 1889 errichtet. Bis zum Verkauf im Jahr 1912 an das Bankhaus Abenstein & Dobmann kamen viele Gebäude dazu. Seit 1921 trug die Brauerei den Namen „Löwenbrauerei“, die 1936 von der Familie Grafenstein übernommen wurde. 1993 wurde die Löwenbrauerei abgerissen.

Happy End nach 27 Jahren

Von einem persönlichen Netzwerk von Leonhard Abenstein erzählte Elisabeth Schreml. Es könnte eigentlich aus einem Liebesroman stammen. – Leonhard Abenstein, der damals Braumeister war, fand seine „stille Liebe“ in Martha Renner. Doch deren Vater meinte: „Ich brauche keinen Braumeister, sondern einen Baumeister.“ Der Kontakt brach dann mit der Auswanderung von Leonhard nach Amerika ab. Doch mit dem Heimatbesuch nach 27 Jahren gab es ein Wiedersehen und ein „Happy End“ mit der Hochzeit im Jahr 1951, wo er an einem Tag nicht nur Ehemann wurde, sondern auch Schwiegervater, Vater und Opa. An diesem Tag wurde auch die Enkelin getauft.

In Grafenwöhrs „Unterwelt“

„Jetzt geht es in die Unterwelt von Grafenwöhr“, meinte Gottschalk. Gemeint waren die Felsenkeller, von denen es insgesamt 19 gibt. Zwei davon wurden besichtigt. Vom ersten Keller, der 1736 von Michael Koller errichtet wurde, berichtete Altbürgermeister Helmuth Wächter. In den Felsenkellern suchte die Bevölkerung Schutz während der Bombardierung im April 1945. Am „Tag des offenen Denkmals“ wurden die Besucher vor Regen geschützt. Die Felsenkeller dienten jahrhundertelang auch als „Kühlschränke“ für das Bier und die Lagerung für Kartoffeln. Jetzt sind hier Fledermäuse und Schnecken zu entdecken.

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Der eigene Haustrunk

Zum Thema Kommunbrauwesen weiß Schreml: „Bier war fast in jedem Haus zu finden mit dem eigenen Haustrunk.“ Das Kommunbrauhaus wurde in der Wolf-Dietrich-Mayr-Straße errichtet. Es gab auch einen Bierprüfer, der Beauftragter der Stadt war. Zuletzt gebraut wurde 1941. Das Kommunbraushaus kann am Weihnachtsmarkt wieder besichtigt werden.

Kirche und Burg

Über die Maria-Hilf-Kirche am Annaberg berichtete Gottschalk. Danach gab es Wissenswertes über die Burg am Annaberg zu hören, die nie fertig gebaut wurde, weil die Leuchtenbergr insolvent waren. Es wurden eine Mauer mit drei Metern Stärke und Wege gefunden. Aber der unterirdische Gang neben der Grotte wurde zugeschüttet. Auch gibt es eine Sage vom Ritter mit dem goldenen Sarg, der dort oben sein Unwesen getrieben haben soll. Er soll gefordert haben, wenn er einmal beerdigt wird, dann in einem goldenen Sarg!

Besuch im Felsenkeller am Annaberg. Foto: Renate Gradl