Kritik aus Erbendorf am KNO-Umbau in Kemnath

Kritik aus Erbendorf am KNO-Umbau in Kemnath
Gastbeitrag von: Georg Malzer
Mit Erstaunen und zunehmendem Befremden beobachte ich den bevorstehenden, schnellen Umzug der Orthopädie nach Tirschenreuth und der Chirurgie nach Weiden. Dass dieser massive Einschnitt bei der Kommunalpolitik und der Bevölkerung des Altlandkreises Kemnath kaum nennenswerte Emotionen geweckt hat, verwundert mich. Die Verbundenheit und Wertschätzung für diese funktionierenden Abteilungen scheint vor Ort leider nicht sehr ausgeprägt zu sein.
Die vom KNO-Vorstand aufgeführten Argumente bezüglich der Umstrukturierung wirken auf den ersten Blick zwar schlüssig, und sie haben bisher erfolgreich eine kritische Hinterfragung unterbunden. Doch die pauschale Aussage, dass die neuen politischen Rahmenbedingungen der Krankenhausreform von allen Bereichen des Krankenhauses Kemnath nicht mehr erfüllt werden können, darf so nicht hingenommen werden. Speziell für das renommierte Endoprothesenzentrum (EPZ) Kemnath ist dies schlichtweg unzutreffend. Das Team hat bei den jährlichen Kontrollen sein Qualitätszertifikat immer problemlos und mängelfrei erhalten. Die bittere Ironie: Ausgerechnet die Standorte Tirschenreuth und Weiden, die künftig diese Leistungen in Tirschenreuth zentralisieren sollen, haben ihr EPZ-Zertifikat in der Vergangenheit verloren.
Fallzahlen, Infrastruktur und Zertifizierung
Der wahre Grund für diese radikale Umstrukturierung liegt auf der Hand: Es geht um die Menge der Fallzahlen. Die in Kemnath erzielten Operationszahlen sind der Vorstandschaft zu gering. Hier rächt sich nun bitterlich, dass seit der Gründung der KNO keine größeren Investitionen mehr in die dortige OP-Infrastruktur geflossen sind. Der eigentlich problemlose Umbau eines weiteren, vorhandenen OP-Saals speziell für die Orthopädie wurde versäumt. Die nun angestrebte, massive Erhöhung der Prothesenoperationen soll offenbar als zentraler Eckpfeiler zur Defizitreduzierung dienen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Verlagerung nach Tirschenreuth zwar betriebswirtschaftlich folgerichtig, birgt aber enorme Risiken für einen dauerhaft erfolgreichen Betrieb. Eine Neuzertifizierung ist bis April 2027 überhaupt nicht zu realisieren.
Zudem wird völlig ausgeblendet, dass kein Patient allein wegen der hochmodernen OP-Säle nach Tirschenreuth fahren wird. Patienten wollen von Ärzten operiert werden, die sie kennen und denen sie vertrauen. Das bindet sie auf Jahre an die bekannten, lokal tätigen Belegorthopäden. Die ungünstige geografische Randlage von Tirschenreuth droht hier zum Bumerang zu werden und etablierte Belegoperateure abzuschrecken, zumal es in den nordwestlichen Nachbarlandkreisen hochattraktive Alternativen gibt. Zu dieser entscheidenden Frage der Belegarzteinbindung hält sich die Vorstandschaft bisher auffällig bedeckt. Wie ein erfolgreiches Modell aussehen kann, bewies Kemnath durch die exzellente Zusammenarbeit mit Beleganästhesisten aus Bayreuth. Sollten diesen Fachärzten der Weg nach Tirschenreuth nicht zu weit sein, wären sie eine dringend zu empfehlende Ergänzung.
Personal und Teamstruktur als Erfolgsfaktor
Neben den Ärzten steht und fällt der Erfolg mit dem Funktionspersonal im Hintergrund. Unverzichtbar ist ein topmotiviertes Helferteam aus OP-Schwestern, -Pflegern, Anästhesie-Schwestern, -Pflegern, OTAs und ATAs, das sich als echte Einheit versteht und als Team flexibel und bei Bedarf fachübergreifend agieren kann. Um diese Qualität zu sichern, sollte die KNO-Führung alles daran setzen, die wichtigen Schlüsselstellen mit dem erfahrenen, bewährten Zentrumsleiter samt Stellvertreter aus Kemnath für den neuen EPZ-Standort zu gewinnen.
Zuletzt wünsche ich dem zukünftigen EPZ Tirschenreuth trotz aller Kritik einen guten, erfolgreichen Start und ein langes Bestehen mit einer Vielzahl zufriedener Patienten. Die Region braucht diese Versorgung – aber nur, wenn Qualität und Menschlichkeit vor reiner Fallzahlenökonomie stehen. Am Ende entscheidet immer noch der Patient, in welche Klinik er geht.
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