Liedertafel Eschenbach ehrt Hans Kohl für sagenhafte 80 Jahre Gesang

Liedertafel Eschenbach ehrt Hans Kohl für sagenhafte 80 Jahre Gesang
Rekordverdächtig: Seit 80 Jahren gibt Hans Kohl dem Chorsingen eine starke Stimme. Wer singt, lebt entspannter und länger. Eine These, die Hans Kohl tagtäglich beweist. Das Singen im Chor begleitet ihn, das 95-jährige Naturtalent, fast sein ganzes Leben. Ein Phänomen, das bayernweit fasziniert. Auch die Ehrungen wollen kein Ende nehmen.
All die schönen Jahre: Es ist ein stimmungsvolles Chorlied, das die Eschenbacher Liedertafel zu Beginn ihrer Generalversammlung anstimmte. Der Text thematisiert Freundschaft, Geselligkeit, Hoffnung, Dankbarkeit und Wärme. Das Lied ermuntert zum „Danken für so vieles, wo das Wort uns fehlt“ und regt dazu an, auf die Freude des Lebens zurückzublicken. Ein Chorlied, das Dirigentin Rita Michelson zur Einstimmung auf die Jahresversammlung und für einen außergewöhnlichen Ehrungsabend auswählte. Ein Text, wie geschaffen für die Legende Hans Kohl.
Schon mit 15 Lenzen im Tirschenreuther Knabenchor
Noch mit 95 Lenzen kommt der geborene Tirschenreuther regelmäßig zur Chorprobe, obgleich die Präsenz in den vergangenen Monaten wegen einiger Unpässlichkeiten stockte. Für die 28 meist nicht mehr ganz so jungen „Mannsbilder“ des Gesangvereins ist ihr Hans längst ein Denkmal. Fast sein ganzes Leben widmete er seine Freizeit dem Gesang. Der half ihm auch über einige persönliche Schicksalsschläge hinweg.
Die Lebenslinien von Hans Kohl haben ihren Ursprung im Stiftland. 1930 im Tirschenreuther Druckhaus Kohl geboren, suchte der Bub schon mit 15 Jahren die Gemeinschaft. Er wurde Gründungsmitglied des Tirschenreuther Knabenchors. Über den jugendlichen Hans freute sich damals auch die Liedertafel Tirschenreuth.
Ein Glücksfall für die Eschenbacher Liedertafel
Die Schulausbildung führte ihn zu den Augustinern nach Weiden. Beruflich landete er nach dem Studium als Vermessungsingenieur in Eschenbach. Ein Glücksfall auch für die Eschenbacher Liedertafel. Der Stiftländer erwies sich rasch als „tragende Stimme“. Mannschaftsdienlich zeigte sich Hans Kohl zudem als Vereinsmensch.
Das „Ich“ schrieb er recht klein. „Das ‚Ohne mich‘ zerstört die Gemeinschaft.“ Daraus folgernd übernahm er Verantwortung in der Vorstandschaft. Schriftführer, Chronist, zwanzig Jahre zweiter Vorstand mit vielen Sonderaufträgen und ausgestattet mit einem erstaunlichen dichterischen Talent: Hans Kohl erwies sich als Ideengeber und Initiator im Dienste des Gesangs. Dankbar erinnert sich daran auch Liedertafel-Chef Karl Ott.
Viele chorische Krönungen
Viele Ehrungen für die bemerkenswerten Leidenschaften folgten. Ehrenmitglied der Liedertafel und goldene Ehrennadeln des Vereins, des Deutschen Chorverbandes und des Fränkischen Sängerbundes liegen in der Schatzkiste des 95-Jährigen. Auch der Chor der katholischen Pfarrgemeinde würdigte das langjährige Wirken auf der Empore mit Lobeshymnen. Beim jüngsten Ehrungsabend zeigte sich die Sänger-Legende bescheiden.
Doch ein Rückblick auf besondere Höhepunkte des Singens musste sein. Chorische Höhepunkte gab es viele. Konzerte mit den Eschenbacher Stodtbergsaitn, der Stadtkapelle, dem gemeinsamen Singen mit dem Chor der Partnergemeinde Eschenbach/Luzern und das Mitwirken der Liedertafel beim Heimatrauschen bei der Oberpfälzer Sitzweil im Saal des Münchner Hofbräuhauses: Ja, das Singen war für das sängerische Naturtalent stets eine Herzenssache.
Lieder als Seelenmassage
Nun erleben die Sängerkollegen „ihren“ Hans bei den Proben als glücklichen und zufriedenen Menschen. Mit ganzem Herzen hängt der 95-Jährige an „seiner“ Liedertafel. Gefragt nach den Lieblingsliedern legte sich der Jubilar auf einige Favoriten fest. Einer davon ist das Volkslied „Schau mir in die Augen, mein Blick gehört dir“.
Ein Gesangsstück, das der Jubilar besonders schätzt und das er mit seinem Sängerleben verbindet. Feinsinnig beleuchtet der Liedtext den „Augenblick“, der die Tür zum Herzen öffnet. Für das sängerische „Wunderkind“ eine Seelenmassage. Ein fröhliches Lied bringt Sonne in die Seele, wie er sagt.
Eine feine Stimme
Diesen Eindruck bestätigt auch Dirigentin Riita Michelson. „Hans Kohl verfügt über das wunderbare Talent des guten Tons, des Zuhörens und der Sehnsucht nach einem kameradschaftlichen Miteinander.“ Eine feine Stimme mit viel sozialer Kompetenz findet auch Sängerkollege Eugen Neuerer, der seit einem halben Jahrhundert zum harten Kern der Chorgemeinschaft gehört.
Viele Jahrzehnte schätzte Hans Kohl auch das gesellige Zusammenrücken nach den Probenabenden. Dazu gehörten ein „scharfer“ Schafkopf mit sechs Blatt und eine gewisse dichterische Ader. Lange Zeit blieben in den Jahresversammlungen der Liedertafel seine Appelle ungehört: „Ich hab’s geahnt, ich glaub, es war vorauszusehn, dass es mir wie all die Jahre wird ergehn: Dass sich keiner von Euch erbarmt, mir nachzufolgen in diesem Amt. Hoffen tu ich seit Jahren schon, auf meine Ablösung durch die nächste Generation.“
Diese Ablösung sollte sich noch einige Zeit hinziehen. Befreit von allen Ämtern und Würden gönnt sich die Legende des Chorgesangs einen entspannten Lebensabend im Eschenbacher BRK-Seniorenzentrum. Als Daueroptimist baut er nach einigen gesundheitlichen Problemen in den vergangenen Monaten auf die lebensverlängernden Wirkungen fröhlicher Lieder im Kreise der Chorgemeinschaft.




