Michael Sternkopf erzählt in Floß von Triumph, Druck und Depression
Michael Sternkopf erzählt in Floß von Triumph, Druck und Depression
Nach monatelangen Vorbereitungen und Organisation war es am 15. Oktober endlich so weit. Die herbstlich gestaltete Halle des Ländlichen Burschenvereins sowie die professionelle Tontechnik und stilvolle Beleuchtung bildeten optimale Voraussetzungen für eine außergewöhnliche Veranstaltung in Floß. „Im Schatten des Triumphs“ wurde dieser Themenabend betitelt. Aufstieg, Erfolgsdruck, Depressionen sowie der christliche Glaube wurden in einem autobiografischen Vortrag aufgegriffen. Als Referent konnte hierzu der frühere Fußballprofi des FC Bayern Michael Sternkopf in die Marktgemeinde gelotst werden, der bereits vor Veranstaltungsbeginn äußerst herzlich und aufgeschlossen mit Besuchern ins Gespräch kam. Jonathan Bär aus der kleinen Projektgruppe um Pfarrer Wilfried Römischer stellte diese kurz vor und bat den Hauptredner auf die Bühne.
Michael Sternkopf begann mit seiner unbeschwerten Kindheit in Karlsruhe und seinem kometenhaften Aufstieg beim KSC. Seine Schnelligkeit und Unbekümmertheit brachten ihn in die Jugendnationalmannschaft sowie in den Fokus zahlreicher Bundesligisten. So reisten Uli Hoeneß samt Trainer Jupp Heynckes mit dem Zug nach Karlsruhe, um mit Blumen für die Mutter bei den Sternköpfen zu klingeln. Die Münchner konnten überzeugen, und der Mittelfeldspieler wechselte für die damalige Rekordablösesumme von 4,3 Millionen DM zum Branchenprimus.
Leistungsdruck, Verletzungen und Abschied vom FC Bayern
In der bayerischen Landeshauptstadt angekommen, musste Michael Sternkopf spätestens nach dem Trainingseinstieg mit den Weltmeistern von 1990 und einer ersten Begegnung mit Jürgen Kohler feststellen, dass dies eine andere Welt sein würde. Absolute Professionalität, permanenter Leistungsdruck und die Ansagen des Managers, laut denen der FC Bayern auch einmal ein Spiel verlieren könne, aber niemals zwei nacheinander, prägten den Alltag. Neben fußballerischem Können war nun auch psychische Stärke notwendig. Von Verletzungen mehrmals zurückgeworfen und von panischen Versagensängsten geplagt, waren bereits im Alter von 21 Jahren die Einnahme von Medikamenten erforderlich. Der Mannschaftsarzt mahnte jedoch zur Geheimhaltung, da die Gesellschaft und vor allem das Fußballgeschäft mentale Schwächen nicht tolerieren würden. Auch wenn Sternkopf 1994 unter Trainer Franz Beckenbauer Deutscher Meister wurde, kündigte er ein Jahr später, für die Vereinsführung völlig unverständlich, nach fünf Jahren seinen Vertrag beim Rekordmeister. Der Fußballer schleppte sich durch die weiteren Profistationen in Mönchengladbach, Freiburg und Bielefeld – mit vielen Auf- und Abstiegen.
Nach dem Karriereende fand er eine Tätigkeit in der Marketingabteilung bei Kickers Offenbach. Nach mehreren Jahren wurde nach dem Rücktritt von Andreas Möller die Stelle des sportlichen Leiters frei. Michael Sternkopf wagte diesen Schritt. Dennoch musste er sich nach kurzer Zeit eingestehen, dass ihn der Erwartungsdruck wieder übermannt hatte.
Burn-out und Neubeginn
Monatelang kein Telefon, kein Radio, bis ihm ein befreundeter Arzt einen Burn-out diagnostizierte. In diesem Moment brach Michael Sternkopf in Tränen aus – nicht aus Enttäuschung, sondern aus Erleichterung, dass es nun ausgesprochen sei und er nichts mehr geheim halten müsse. Aus den ursprünglich geplanten sechs Wochen Erholung wurden sieben Jahre mit Therapien, verschiedensten Medikamenten und stationären Aufenthalten. Nebenbei erwähnt sei, dass Uli Hoeneß in dieser Zeit der Einzige aus dem Fußballgeschäft war, der in dieser schwierigen Zeit Kontakt aufnahm und seinem ehemaligen Spieler jegliche Unterstützung zusagte.
Glaube als Wendepunkt
Der Kampfsportler und Mentaltrainer Michael Stahl verfolgte die Leidenszeit von Sternkopf und ging auf ihn zu. Nach ersten Gesprächen schickte Stahl regelmäßig Bibelverse sowie zuletzt ein Übergabegebet. Sternkopf befasste sich mit dem christlichen Glauben, gab sich diesem hin und beschrieb, wie sich sein Leben danach änderte. Aus Zukunftsängsten wurde Hoffnung, aus Frust Gelassenheit, aus Neid und Missgunst Hilfsbereitschaft und Fürbitte. Seit seiner Hingabe gehe es ihm „richtig gut“, und er könne dies allen nur empfehlen.
Jonathan Bär leitete eine anschließende Fragerunde ein, wobei der prominente Gast unter anderem schilderte, wie er die Ereignisse um Robert Enke und Sebastian Deisler wahrgenommen hatte. Grundsätzlich mahnte er dazu, den Menschen hinter der öffentlichen Person zu sehen. Generell sprach er den Wunsch aus, dass viele seiner ehemaligen Kollegen, die heute als TV-Experten agieren, sich schützend insbesondere vor jüngere Spieler stellen und diese nicht als „mediale Ware“ behandeln.
Dank an Unterstützer und Organisatoren
Zum Ende rief der Moderator Pfarrer Wilfried Römischer auf die Bühne. Er beschrieb nochmals den Ursprung und die Organisation in den vergangenen Monaten. Dies könne als Pilotprojekt bezeichnet werden, das auch Ungewissheit bezüglich des gesellschaftlichen Interesses mit sich brachte und Mut erforderte, das „Tabu-Thema“ Depression aufzugreifen. Doch eine beeindruckende Teamleistung der Projektgruppe und der Rückhalt durch den Kirchenvorstand ermöglichten dieses Vorhaben.
Herzlicher Dank gilt auch allen Sponsoren, Kuchenspendern und Unterstützern, die die Finanzierung möglich machten. „Vergelt’s Gott“ auch dem Veranstaltungstechniker Andreas Fritsch von Amplify, Harald Meierhöfer für Fotografien und dem Ländlichen Burschenverein für die Überlassung der Vereinshalle. Besonderer Dank gilt vor allem den rund 110 Besuchern, deren Interesse allen Aufwand und Mühen einen Sinn gibt. Dank galt auch der Hauptperson, was die Veranstalter mit einem Geschenkkorb mit regionalen Spezialitäten von der Gailertsreuther Mühle und dem Buch „Glaube, Liebe, Klopp“ zum Ausdruck brachten.
Schlussgebet und persönliche Begegnungen
Einen würdigen Abschluss fand die Veranstaltung, indem Michael Sternkopf ein Schlussgebet vortrug. Bevor er mit seinem Camper abreiste, stand er noch bis spät in die Nacht allen für persönliche Gespräche und Autogrammwünsche zur Verfügung. Ein tiefgründiger und wertvoller Abend, der zur Besinnung anregte und sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.
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