Minne Weiß, Wohltäterin und Sozialdemokratin mit großem Herz, ist tot
Minne Weiß, Wohltäterin und Sozialdemokratin mit großem Herz, ist tot
„Solange ich klar denken kann, ist alles in Ordnung“, sagte Minne Weiß am 9. März, als sie mit vielen Gästen im Senioren-Servicehaus in Fuchsmühl ihren 95. Geburtstag feierte. „Klar denken“ konnte die Gründerin der Fuchsmühler Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) bis zuletzt. Auch wenn sie, die früher so aktive Frau, mittlerweile an den Rollstuhl gefesselt war, verlor sie nie ihren Lebensmut, und interessierte sich immer für das politische Geschehen, hauptsächlich in ihrer Heimatgemeinde. Dabei scheute sie keine Diskussion und bewies immer wieder ihren messerscharfen Verstand.
Unterstützerin vieler Hilfsprojekte
Philomena Weiß, von allen kurz Minne genannt, wurde in Wondreb geboren. Später kam sie „der Liebe wegen“ nach Fuchsmühl, wo sie mit ihrem Mann Albert die Töchter Silvia und Jutta großzog. Bald entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen, hauptsächlich in der Ukraine und lange vor Beginn des Kriegs. Seit der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl sammelte sie mehr als 30 Jahre lang Geld und Hilfsgüter für die vom Pfreimder Arzt Josef Ziegler organisierte „Hilfe für Tschernobyl“. Jahrelang arbeitete Weiß auch bei der Kreis-Arbeiterwohlfahrt an vorderster Front, und unterstützte viele soziale Projekte.
Ihre politische Heimat fand die engagierte Frau bei den Sozialdemokraten. 1990 zog sie als erste Frau überhaupt für die SPD in den Marktgemeinderat ein. Dort erwarb sie sich den Ruf als „in der Sache streitbar, aber auch immer um Kompromisse bemüht“. Minne Weiß konnte sehr hartnäckig sein, wenn es um soziale Belange und um die Gerechtigkeit ging. Das setzte sie auch in der AsF um, die sie 1984 mit der ehemaligen Kreisrätin Hannelore Bienlein-Holl gründete, und der Fuchsmühler SPD einen wahren Mitgliederboom bescherte. 30 Jahre lang führte Weiß die AsF und organisierte in dieser Zeit zahllose, meist soziale Aktivitäten. Dazu gehörte auch der legendäre „AsF-Faschingsball“, aus dessen Erlösen sie der Haunerschen Kinderklinik in München in all den Jahren mehr als 25.000 € zukommen ließ.
Bundesverdienstkreuz am Bande
Das beispielhafte Engagement der Powerfrau blieb natürlich nicht verborgen. Minne Weiß bekam zahlreiche Auszeichnungen, unter denen das Bundesverdienstkreuz am Bande wohl die wichtigste war. Ferner wurde dem zuletzt ältesten Fuchsmühler SPD-Mitglied die Willy-Brandt-Medaille der SPD verliehen, wurde 2014 Ehrenvorsitzende der AsF (2014) und war Ehrenmitglied des SPD-Ortsvereins. Vor 25 Jahren bekam sie die Bürgermedaille in Silber. Schon sehr bewegungseingeschränkt, ließ es sich Minne nicht nehmen, alle größeren Veranstaltungen des SPD-Ortsvereins mit dem Rollstuhl zu besuchen. Ein Höhepunkt in ihrem politischen Leben war die Begegnung mit dem damaligen SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert beim 100. Jubiläum des SPD-Ortsvereins.
Als Sozialdemokratin in der katholischen Pfarrei aktiv
Minne Weiß war auch in der katholischen Pfarrei der Marktgemeinde sehr aktiv. Lange war die gläubige Frau im Pfarrgemeinderat, wirkte als Lektorin und war insgesamt fest in die Kirchengemeinde integriert. Einmal gefragt, wie SPD und Kirche zusammenpassten, antwortete sie: „Lesen Sie die Bibel. Darin steht, dass sich Jesus immer für die Schwächeren eingesetzt hat. Genau das ist auch die Kernbotschaft der Sozialdemokratie.“




