Rund 800 Trauergäste nahmen in Kaltenbrunn Abschied von Andreas Malzer

Rund 800 Trauergäste nahmen in Kaltenbrunn Abschied von Andreas Malzer
Der Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft und des FC Kaltenbrunn, Teamleiter und Betriebsratsvorsitzender bei WITRON in Parkstein erlag im Alter von 47 Jahren einer unheilbaren Krankheit. Sein unerwartet schneller Tod hatte über den Markt und darüber hinaus große Betroffenheit ausgelöst. Niemand in Kaltenbrunn kann sich an eine so große Beteiligung zu einem Begräbnis erinnern. Die evangelische Martins-Kirche konnte die rund 800 Trauergäste, die am Samstag ihr Mitgefühl mit den Angehörigen und ihre Wertschätzung für den Verstorbenen bekundeten, längst nicht fassen. Stehend, weil auch Stühle und Bänke im Umfeld der Kirche nicht ausreichten, verfolgte der Großteil über Lautsprecher den Ablauf.
„Wir empfinden Schmerz und Ohnmacht angesichts dieses Todes, der kurz und dennoch schlimm war“, sagte Pfarrer Matthias Weih beim Gottesdienst, dem auch sein Vorgänger Dominic Naujoks sowie die katholischen Amtsbrüder Varghese Puthenchira und Prince Kalarimuryil beiwohnten. Weih skizzierte das Dasein des am 31. Dezember 1978 geborenen ältesten von drei Söhnen der Eheleute Christa und Klaus Malzer. Nach dem Studium für das Hauptschullehramt entdeckte er bei Krapf und Lex in Weiden seine Begabung für das Metallhandwerk, machte seinen Meister und die Weiterbildung zum Betriebswirt, ehe er 2015 bei WITRON in Parkstein einstieg. Aus der Ehe mit Lehrerin Johanna Jäger aus Thansüß im gleichen Jahr gingen Magdalena und Klara hervor, die ihrem Vater alles bedeuteten.
Pfarrer würdigt Leben und Haltung
Weih: „Es war seine vermittelnde, ruhige Art, die die Menschen an Andreas so geschätzt hatten; er brachte sie in der Firma und vor allem im Markt ein. Und dann vor wenigen Wochen die Diagnose ALS, eine böse Krankheit, die unheilbar Leib und Seele angreift.“ Der Geistliche dankte allen, die das mitgetragen hatten: Eltern, Schulfamilie, Freunden. Angesichts dessen, was er noch zu leiden gehabt hätte, sei der Tod eine Erlösung gewesen. Andreas wollte keine lebensverlängernden Maßnahmen, und ganz bewusst hatte er sich für die Organspende entschieden und half damit anderen Menschen.
„Fühlen wir uns heute nicht auch wie die Jünger Jesu auf dem untergehenden Boot? Die Wellen der Traurigkeit und Tränen überschütten uns, wir drohen im Leid zu ertrinken. Und Jesus sagt heute zu euch: Vertraut mir! Ich lasse euch jetzt nicht allein! Für Jesus ist dieses Leben von Andreas sinnvoll gewesen, er bewahrt es über den Tod hinaus“, tröstete Weih. Er glaube, Andreas habe das gespürt, wie er sich selbst vor ein paar Tagen beschrieben habe und so mit Gottes Hilfe zu sich selbst gefunden habe.
Würdigung durch Unternehmen
„Andreas war für uns alle nicht nur ein immer anpackender, lösungsorientierter Arbeitskollege, für die meisten ein echter Freund, auf den man sich verlassen konnte und durch seine vor allem kollegiale Art seit 2015 ein Teil der WITRON-Familie“, unterstrich Geschäftsführer Martin Stich. Gerade dadurch war er Vorsitzender des Betriebsrats der WITRON-Fördertechnik und damit Ansprechpartner für mehr als 800 Mitarbeiter in Fertigung und Verwaltung. „Er wollte immer nur das Beste für die Kollegen, aufrichtig und fair Brücken bauen zwischen Geschäftsführung und Belegschaft“, bekräftigte Stich. Der Teamleiter des Baustellenmanagements unterstützte als echter Allrounder und Ansprechpartner für die weltweiten Baustellen mit viel Herzblut mehr als 100 Bauleiter und trug wesentlich zum Erfolg bei. „Du hast dich nicht nur in unseren Köpfen verewigt, sondern auch in unseren Projekten und bei unseren Kunden.“ Dafür dankte Stich im Namen der Familie Winkler, Geschäftsführung und Belegschaft.
Engagement für Kaltenbrunn und die Vereine
Als Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft ab 2012 sei der große Organisator Malzer, für den es kein Nein gab, wenn seine Hilfe gefragt war, immer bestrebt gewesen, dass in „seinem“ Kaltenbrunn der Bevölkerung etwas geboten werde, hob Daniel Schweiger mit einem „Vergelt’s Gott!“ im Namen aller Vereine hervor.
Dem Freund und Macher „Ändi“, den man gern um sich hatte, der auch mal für jeden Blödsinn zu haben war, dankte auch der Thansüßer Andreas Luber für seine ZELA-, Kirwa- und Bauwagen-Clique. Ähnlich äußerte sich Fabian Liedl: „Seine Mentalität und sein Engagement waren prägend für Kaltenbrunn und gingen weit über den Weizenstammtisch hinaus. Wir werden seine eigene Art von Humor schmerzlich vermissen.“ Als Zeichen der Dankbarkeit für den gern gesehenen Gast bei Veranstaltungen der Siedlergemeinschaft versprach Vorsitzender Erwin Schönl auch eine Geldspende für die Erforschung von ALS. Malzer war als sein einsatzfreudiger Stellvertreter über 20 Jahre ein Mann mit klarer Haltung; sein Rat und Scharfsinn werden schmerzlich fehlen, befand Thomas Schönberger für den CSU-Ortsverband.
FC Kaltenbrunn trauert um seinen Vorsitzenden
Schließlich beklagte Dominik Pritzl im Namen des FC den Verlust des ersten Vorsitzenden, der eine nicht zu schließende Lücke hinterlasse. Noch als aktiver Spieler hatte er 2003 den Posten des Schriftführers übernommen, bevor er 2019 an die Spitze gewählt wurde. Unter seiner Regie wurde die Sport- und Begegnungsstätte verwirklicht, an deren Einweihungsfeier er nicht mehr teilnehmen konnte. „Seine Verlässlichkeit und Leidenschaft für unseren Verein waren beispielhaft. Er hat nicht nur organisiert und geführt, sondern vor allem Menschen zusammengebracht“, bemerkte Pritzl.
Musikalischer Abschied
Der Kirchenchor mit Organistin Julia Schmidt bot unter anderem „Mach aus Sorgen ein Gebet“, und der Posaunenchor spielte nach der Einsegnung „Herr, bleib bei uns“. Zum Gemeindegesang gehörte auch das Bonhoeffer-Lied.
Wenn Du OberpfalzECHO als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Dich auf.
Füge jetzt OberpfalzECHO Deinen Quellen hinzu!







