Wenn der Eurofighter über Krummennaab donnert, könnte es Marco Brunhofer sein
Wenn der Eurofighter über Krummennaab donnert, könnte es Marco Brunhofer sein
Montag, kurz nach Mittag in Krummennaab. Erst ist nur ein fernes Dröhnen zu hören. Dann wird der Lärm immer lauter. Plötzlich schießen zwei Eurofighter über das Dorf hinweg – tief, schnell und scheinbar zum Greifen nah. Die Maschinen drehen eine Schleife, kommen wieder, drehen noch eine. Mehrere Ehrenrunden über der alten Heimat, ehe die beiden Kampfjets schließlich höher steigen und innerhalb weniger Sekunden am Horizont verschwinden.
Einer der erfahrensten Piloten der Luftwaffe
Wer in Krummennaab aufgewachsen ist, kennt solche Momente. Und wenn die Bundeswehrmaschinen aus Richtung Norden kommen und ausgerechnet über Krummennaab, Erbendorf oder Reuth ihre Kreise ziehen, liegt eine Vermutung nahe: Vielleicht ist Marco Brunhofer wieder da. Gesichert ist es an diesem Montag nicht. Aber der gebürtige Krummennaaber ist Eurofighter-Pilot beim Taktischen Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ in Laage bei Rostock – und er besucht seine Oberpfälzer Heimat regelmäßig. Der 46-Jährige gehört zu den erfahrensten Piloten der deutschen Luftwaffe.
Der Bub aus Krummennaab wollte schon immer fliegen
Dass ausgerechnet er einmal Kampfjetpilot werden würde, war für Brunhofer offenbar früh absehbar. Schon als Zehnjähriger habe er von der Bundeswehr geträumt. Sein Vater Wolfgang war Flugzeugmechaniker bei der Bundeswehr, sein Großvater Bordschütze im Zweiten Weltkrieg. Die Fliegerei war also gewissermaßen Teil der Familiengeschichte. Doch zwischen dem Traum eines Jungen und dem Cockpit eines Eurofighters liegen viele Hürden. Abitur, Bundeswehr, Grundausbildung, Offiziersschule und schließlich ein Auswahlverfahren, bei dem Brunhofer sich gegen Tausende Bewerber durchsetzen musste. Bereits die erste Auswahlphase führte ihn nach Köln. Weitere Prüfungen folgten. Er schaffte es.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten sitzt der Krummennaaber nun im Cockpit. Im November 2022 wurde er als erst dritter Pilot überhaupt in den Kreis jener Bundeswehr-Flugzeugführer aufgenommen, die mindestens 2000 Flugstunden auf dem Eurofighter absolviert haben. Inzwischen dürften noch etliche weitere Stunden hinzugekommen sein. Heute ist Brunhofer nicht nur Pilot, sondern auch Fluglehrer. Seine Aufgabe: die nächste Generation von Eurofighter-Piloten auszubilden.
8600 Kilometer ohne Zwischenlandung
Wie außergewöhnlich seine fliegerische Erfahrung ist, zeigte sich auch bei der Großübung „Pacific Skies 24“. Gemeinsam mit zwei Kameraden stellte Brunhofer dabei einen Weltrekord auf. Die drei Piloten blieben zehn Stunden und 31 Minuten in ihren Eurofightern und legten dabei rund 8600 Kilometer zurück. Die Übung führte über den Indopazifik, nach Alaska, Australien, Japan und Hawaii. Luftkämpfe, taktische Manöver und das Zusammenspiel mit internationalen Partnern standen auf dem Programm. Auch Flugzeugträger der Marine waren beteiligt.
Für Brunhofer sind solche Übungen allerdings mehr als spektakuläre Flugmanöver. Sie haben auch eine strategische Bedeutung. Die Luftwaffe will zeigen, dass sie innerhalb kurzer Zeit große Entfernungen überwinden und mit ihren Maschinen an entlegene Orte verlegen kann. „Es gab schon friedlichere Zeiten“, sagte Brunhofer damals. Gerade deshalb müsse man trainieren.
Bereit für den Ernstfall
Über einen möglichen Kriegseinsatz spricht der Pilot erstaunlich nüchtern. Angst davor habe er nicht. Wer sich für die Bundeswehr entscheide, müsse damit rechnen, eines Tages tatsächlich eingesetzt zu werden. Die Ausbildung bereite die Soldaten deshalb auch auf die unangenehmsten Szenarien vor. Im Ernstfall kann der Eurofighter eine Waffe sein, mit der Menschen getötet werden – und deren Pilot selbst zum Ziel werden kann. Auch mentale Vorbereitung gehört deshalb zur Ausbildung. Selbst Fragen wie Testament und Patientenverfügung werden thematisiert. Brunhofer spricht darüber ohne Pathos. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Professionalität und Bodenständigkeit, die ihn auszeichnet.
Denn trotz Weltrekord, internationaler Übungen und Tausender Flugstunden ist Marco Brunhofer seiner Heimatgemeinde erstaunlich eng verbunden geblieben. In Krummennaab kennt man ihn nicht nur als Oberstleutnant der Luftwaffe. Er ist weiterhin Mitglied der Feuerwehr, der Siedlergemeinschaft und der Kleintierzüchter. Wer ihn trifft, begegnet keinem abgehobenen Jetpiloten, sondern einem Mann, der seine Wurzeln nicht vergessen hat. Auch handwerklich sei er schon als Kind gerne aktiv gewesen. „Das kommt mir auch bei der Fliegerei zugute“, sagt Brunhofer.
Rückhalt durch die Partnerin
Seine Familie und seine langjährige Partnerin, mit der er ein gemeinsames Kind hat, geben ihm dabei Rückhalt. Der Beruf fordert seinen Tribut. Oft ist Brunhofer weit weg von zu Hause. „Das gehört halt dazu, auch wenn’s manchmal wehtut“, sagt er. Seine Oberpfälzer Heimat besucht Brunhofer mehrmals im Jahr. Auch wenn die Fahrt mit dem Auto rund fünf Stunden dauert. Ein wenig mehr als die gute halbe Stunde, die er mit dem Eurofighter benötigt.
Und vielleicht sind es genau solche Gedanken, die erklären, warum die beiden Kampfjets an einem Montagmittag plötzlich über Krummennaab auftauchen, mehrere Schleifen drehen und wieder Richtung Norden verschwinden. Für die meisten sind es nur ein paar Minuten ohrenbetäubenden Fluglärms. Für den gebürtigen Krummennaaber im Cockpit ist es auch ein Gruß an die alte Heimat.





