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Großes Wärmenetz fraglich, kostenlose Glasfaseranschlüsse in Schlammersdorf

Schlammersdorf. Eine Bürgerversammlung zeigt Zweifel an einem großen Wärmenetz: geringe Dichte, wenig Anschlussinteresse. Zugleich startet der Glasfaserausbau mit kostenlosen Hausanschlüssen und Baubeginn im zweiten Halbjahr 2026.

Schlammersdorf. Eine Bürgerversammlung zeigt Zweifel an einem großen Wärmenetz: geringe Dichte, wenig Anschlussinteresse. Zugleich startet der Glasfaserausbau mit kostenlosen Hausanschlüssen und Baubeginn im zweiten Halbjahr 2026.
Foto: Robert Dotzauer

Großes Wärmenetz fraglich, kostenlose Glasfaseranschlüsse in Schlammersdorf

Die Wärmewende ist eine wichtige Baustelle im Bereich des Klimaschutzes. In kleinen Kommunen wie zum Beispiel in Schlammersdorf stößt eine zentrale Wärmeversorgung allerdings aus vielschichtigen Gründen an Grenzen.

Die Planung und der Ausbau kommunaler Wärmenetze sollen den Umstieg auf klimafreundliche Technologien erleichtern. Doch schon im Anfangsstadium der Wärmenetzplanungen halten sich Hauseigentümer und Mieter auffällig zurück, an den Strategien zur künftigen Wärmeversorgung mitzuwirken. Für die Kommunen gibt es eine gesetzliche Pflicht, eine verbindliche Rahmenplanung zu erstellen. Das ist speziell für kleine Gemeinden eine neue Aufgabe.

Bislang verfügen sie meist noch über kein eigenes Wärmenetz. Stattdessen ist für viele Verbraucher die dezentrale Energieversorgung die einzige realistische Option. Oder gibt es trotzdem Alternativen? Dieser Frage ging in Schlammersdorf im Auftrag der Gemeinde das Institut für Energietechnik (ife) nach.

Wirtschaftlich nicht darstellbar

Die Ergebnisse einer Umfrage mit einer einhergehenden Bestands- und Potenzialanalyse mit Anschreiben an 288 Grundstückseigentümer stellte Bürgermeister Johannes Schmid im Rahmen der Bürgerversammlung vor. Es war mit einer Rücklaufquote von 41 Prozent ein durchwachsenes Echo, wie der Versammlungsleiter anmerkte. Im Mittelpunkt der weiteren Ausführungen standen Informationen zu den Interessenbekundungen der insgesamt 117 Umfrageteilnehmer mit einem ergänzenden Zielszenario des ife-Instituts, das zu eher ernüchternden Ergebnissen führte, wie sich herausstellen sollte.

Vor dem Hintergrund, dass Wärme nur begrenzt transportfähig ist, ermittelten die Energieexperten zum Beispiel für den Kernort Schlammersdorf und den Ortsteil Ernstfeld einen Wärmebelegungsfaktor von 400 bis 500 kWh. Das ist deutlich zu wenig für ein wirtschaftlich tragbares Versorgungsnetz, so die Anmerkungen der Energieexperten. Nur ein mäßiges Anschlussinteresse ermittelte das ife-Büro für die Ortsteile Menzlas, Moos und Naslitz, was den Bürgermeister zur Gesamtbetrachtung veranlasste: „Ein großes Wärmenetz scheint in der Gemeinde nicht realisierbar“. Allenfalls seien Quartiersmodelle im Rahmen privater Netzgemeinschaften vorstellbar. In den Neubaugebieten schloss der Bürgermeister Wärmenetzanschlüsse wegen der dort entstehenden Niedrigenergiehäuser aus.

Kostenlose Breitbandanschlüsse

Glasfaser für alle hieß in der Bürgerversammlung ein weiteres Thema. Über den Glasfaser-Netzausbau informierte Richard Liedel, Telekom-Beauftragter für die Kommunen. Ein Langzeitprojekt, das die Kommune schon seit über zehn Jahren beschäftigt, kommentierte Bürgermeister Johannes Schmid die langfristigen Zielsetzungen. Die nun beginnende Schlussoffensive zur Erschließung der Gemeinde mit schnellem Internet bezifferte der Bürgermeister auf ein Investitionsvolumen von circa 1,2 Millionen Euro. Den Eigenanteil der Kommune bezifferte er auf zehn Prozent.

Zoigltermine
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Die Wege zur technischen Realisierung der Leitungswege bis in die Hausübergabepunkte erläuterte der Telekom-Vertreter. Bei einem vorbereiteten Leitungsweg sei auch die Verlegung im Haus bis zu 20 Meter kostenlos, versicherte Richard Liedel. Ergänzende Anmerkungen gab es zu den vielen Vorteilen für Eigentümer und Mieter, etwa bei der TV-Nutzung, bei den Streaming- und Shopping-Diensten, beim Homeoffice, beim digitalen Unterricht und bei Webkonferenzen. Diese Angebote empfahl auch Bürgermeister Johannes Schmid den Besuchern wärmstens. „Nutzt die einmalige Chance zum kostenlosen Anschluss bis ins Haus.“ Keineswegs verbunden sei mit der Einverständniserklärung die Verpflichtung zu einem Tarifabschluss.

Mit dem Baubeginn rechnen Bürgermeister und Telekom-Vertreter im zweiten Halbjahr 2026. Weitere Aufklärung bietet die Telekom in Beratungsgesprächen an, die vom 26. bis 29. Januar 2026 im Bürgerhaus jeweils von 10 bis 18 Uhr und am Freitag, 30. Januar 2026, von 10 bis 17 Uhr stattfinden. Zur Themenabrundung informierte Mario Landsmann, Vertreter des von der Gemeinde konsultierten Beratungsunternehmens Innovative Kommunikations-Technologien (IK-T), über das Genehmigungs- und Förderverfahren. Zudem erläuterte Landsmann die Ausbaugebiete mit einer Tiefbaulänge von 9,6 Kilometern und einer Glasfaserlänge von circa 70 Kilometern. Auch die Hinweise zum Verlegeverfahren des Tiefbauunternehmens von der offenen Grabenverlegung bis hin zu Spülbohrungen stießen in der Versammlung auf großes Interesse. Um beim Bau „Störgeräusche“ zu vermeiden, empfahl der IK-T-Beauftragte eine vertrauensvolle Kommunikation zwischen Anliegern, Baufirma und Gemeinde.

Die Umfrageergebnisse zur Wärmeplanung und die Schlussfolgerungen sowie Informationen zur beginnenden Breitbandverlegung stießen in der Bürgerversammlung auf ein riesiges Interesse.