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Kommunalwahl 2026 im Live-Ticker: CSU führt in den Nordoberpfälzer Rathäusern

Weiden/Tirschenreuth/Amberg/Schwandorf/Regensburg. Bayern wählt – und zwar nicht nur mit einem Kreuzchen. Rund 10,1 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren heute im Freistaat aufgerufen, über ihre kommunale Zukunft zu entscheiden: Bürgermeister, Landräte, Stadt- und Gemeinderäte sowie Kreistage standen zur Wahl.

Kommunalwahl 2026 im Live-Ticker: CSU führt in den Nordoberpfälzer Rathäusern

CSU-Kandidat Benjamin Zeitler geht mit deutlichem Vorsprung in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Jens Meyer (SPD). Foto: Martin Stangl

Und schon am Nachmittag deutete sich an: Das Interesse ist größer als vor sechs Jahren. Erste Rückmeldungen aus den Wahllokalen sprechen von einer spürbar höheren Beteiligung als bei der Kommunalwahl 2020.

Bei der Oberbürgermeisterwahl der Stadt Weiden geht Benjamin Zeitler mit klarem Vorsprung vor Amtsinhaber Jens Meyer (SPD, 24,4 Prozent) in die Stichwahl.

Aufgeben war noch nie mein Ding.

Oberbürgermeister Jens Meyer

Weidens amtierender Oberbürgermeister Jens Meyer ist naturgemäß not amused, hat aber noch nicht resigniert: „Aufgeben war noch nie mein Ding“, sagt er. „Ich muss das erst mal sacken lassen, ich hätte ich nicht vermutet, dass der Abstand so deutlich ist.“ Allerdings sei seine Stimmung noch deutlich besser als die der Weidener Genossen: „Die sind sehr frustriert, ich bin da vom Typus her eher resilient.“

Er müsse das Ergebnis jetzt erst mal so akzeptieren, um dann zu überlegen, wie er eine Aufholjagd starten könne: „Wenn ich an 2007 denke, da lag auch Lothar Höher deutlich vor Kurt Seggewiß, und dann hat sich das noch gedreht.“

Briefwahlunterlagen für OB-Stichwahl in Weiden ab dem 11. März

Briefwahlunterlagen für OB-Stichwahl in Weiden ab dem 11. März

Weiden. Am Sonntag, 22. März 2026, findet die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters statt. Briefwahlunterlagen gehen ab Mittwoch, 11. März 2026, in den Versand; neue Anträge sind ab Dienstag, 10. März 2026, möglich.

Ungleich besser ist die Stimmung logischerweise bei der CSU: „Wir richten gerade schon die Aufkleber für die Stichwahl her“, sagt ein strahlender Benjamin Zeitler. Man werde in den nächsten zwei Wochen alles geben, um diese neue Energie und Power in Weiden auch in die Tat umsetzen zu können.

Ich bin unglaublich überwältigt und begeistert über das Ergebnis – man merkt, dass die Menschen in Weiden eine Veränderung wollen.

Benjamin Zeitler

In Amberg schaffen es CSU-Kandidat Stefan Ott (40,8 Prozent) und Michael Fritz (Freie Wähler/ FW Amberg, 13,8 Prozent) in die Stichwahl.

Grammer Solar
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Auch in der Bezirkshauptstadt Regensburg führt CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein mit 37,2 Prozent klar vor Thomas Burger (SPD, 19,2 Prozent).

CSU-Kandidat Benjamin Zeitler geht mit deutlichem Vorsprung in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Jens Meyer (SPD). Foto: Martin Stangl

Die Landratswahlen

Unangefochten verteidigt Landrat Andreas Meier (CSU) das Landratsamt Neustadt/WN mit 64,8 Prozent vor der Zweitplatzierten Rebekka Fischer (Freie Wähler/FW, 18,8 Prozent). Im Landkreis Amberg-Sulzbach verteidigt Landrat Richard Reisinger (CSU) mit 63,6 Prozent sein Amt Stefan Kroher (Freie Wähler, 11,3 Prozent).

Bei der Landratswahl im Landkreis Tirschenreuth muss Landrat Roland Grillmeier (CSU) mit 42,2 Prozent in die Stichwahl. Der Kandidat der Freien Wähler/FW, Hubert Schicker, kommt auf 30,6 Prozent.

Der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling verbleibt ohne Stichwahl in Amt. Der CSU-Kandidat erringt 54,6 Prozent. SPD-Kandidatin Marianne Schieder kommt auf 20, 5 Prozent.

Ich bin sehr froh, dass wir unser Wahlziel „ohne Stichwahl“ erreichen konnten. Jetzt geht es mit voller Kraft in die neue Wahlperiode.

Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling

Trotz der Niederlage ist aber auch die unterlegene SPD-Kandidatin angesichts der Außenseiterrolle nicht gänzlich unzufrieden:

Ich bin zufrieden, dass wir Platz zwei gehalten und die AFD in die Schranken verwiesen haben – und das Ergebnis im Vergleich zum letzten Mal verdoppeln konnten.

SPD-Kandidatin Marianne Schieder
Landrat Thomas Ebeling im Wildpark Höllohe. Foto: Ann-Marie Zell

Weitere Ergebnisse in der Oberpfalz

🔹 Neustadt a.d. Waldnaab: Stichwahl zwischen Sebastian Giering (SPD, 43,6 %) und Tanja Kippes (CSU, 42,3 %). Ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen.

🔹 Tirschenreuth: Nach 24 Jahren Franz Stahl entscheidet sich die Nachfolge in der Stichwahl zwischen Harald Siegert (CSU, 43,3 %) und Hans-Peter Schärl (Freie Wähler, 41,4 %).

🔹 Cham: Klarer Sieg für Amtsinhaber Martin Stoiber (CSU). Er bleibt mit 80,6 % Erster Bürgermeister.

🔹 Schwandorf (OB-Wahl): Stichwahl zwischen Andreas Feller (BLS, 35,3 %) und Andreas Wopperer (CSU, 17,6 %). Feller tritt als parteiloser Kandidat der Bürgerliste gegen seinen früheren CSU-Parteifreund an.

🔹 Sulzbach-Rosenberg: Stefan Frank (CSU) bleibt mit 72,6 % im Amt.

🔹 Maxhütte-Haidhof: Rudolf Seidl (UWM) wird mit 63,5 % als Erster Bürgermeister bestätigt.

🔹 Burglengenfeld: Stichwahl zwischen Michael Schaller (CSU, 42,6 %) und Martin Antretter (SPD, 41,7 %). Amtsinhaber Thomas Gesche (CSU) war nicht mehr angetreten.

🔹 Landkreis Neumarkt i.d.OPf.: Stichwahl um das Landratsamt zwischen Katharina Ziegler (CSU, 43,9 %) und Martin Meier (Freie Wähler, 29,9 %).

🔹 Lappersdorf: Franz Rumstadt (CSU) gewinnt mit 50,4 % gegen Amtsinhaber Christian Hauner (FW, 34,1 %). Wahlbeteiligung: 76,7 %.

🔹 Neutraubling: Harald Stadler (Freie Wähler) bleibt mit 77,9 % Erster Bürgermeister.

🔹 Roding: Alexandra Riedl (Freie Wähler) wird mit 71,3 % im Amt bestätigt. Wahlbeteiligung: 62,3 %.

🔹 Landkreis Regensburg: Tanja Schweiger (Freie Wähler) bleibt Landrätin. Sie wurde mit 60,3 % der Stimmen in ihre dritte Amtszeit gewählt. Herausforderer Patrick Grossmann (CSU) kam auf 26,1 %.

🔹 Landkreis Cham: Nach 16 Jahren Franz Löffler (CSU) wird ein neuer Landrat gewählt. In die Stichwahl ziehen Michael Multerer (CSU, 44,6 %) und Christian Schindler (Freie Wähler, 31,5 %) ein.

Jürgen Meyer (Bürgerliste) lässt sich vom Wahlergebnis die Laune nicht verderben. Foto: Martin Stangl

Stimmenmarathon statt Kreuzchenpflicht

Wer heute wählen ging, brauchte Zeit – und manchmal einen guten Überblick. Denn bei Kommunalwahlen funktioniert Demokratie in Bayern wie ein Stimmenpuzzle: Nicht eine Stimme, nicht zwei – sondern oft ein ganzes Dutzend.

Je nach Größe des Gremiums dürfen Wählerinnen und Wähler so viele Stimmen vergeben, wie Sitze zu besetzen sind. Kumulieren und Panaschieren – also Stimmen häufen oder auf verschiedene Listen verteilen – gehören zum kommunalen Handwerkszeug der bayerischen Demokratie. Das Ergebnis: Wahlzettel, die eher an eine kommunalpolitische Speisekarte erinnern als an die schlichte Bundestagswahl.

Die CSU im Landkreis Neustadt/WN kann feiern. Im Bild der Speinsharter Bürgermeister Albert Nickl, der Landrat Andreas Meier gratuliert. Foto: Christine Ascherl

Erste Signale aus den Städten

Am Nachmittag meldeten mehrere Großstädte eine höhere Beteiligung als 2020, als bayernweit 58,7 Prozent der Wahlberechtigten abstimmten.

Vor allem aus Augsburg, Nürnberg, Würzburg und München kamen erste Hinweise, dass mehr Menschen ihre Stimme abgegeben haben als bei der letzten Kommunalwahl. Ob sich dieser Trend landesweit bestätigt, wird sich allerdings erst zeigen, wenn am Abend die endgültigen Zahlen vorliegen.

Amberg-Sulzbachs Landrat Richard Reisinger vor seinem Amtssitz, der Kurfürstlichen Schloss mit Rosengarten. Foto: David Trott

Der Abend der lokalen Machtfragen

Denn in den Rathäusern und Landratsämtern entscheidet sich heute mehr als nur Personalpolitik. Es geht um Baugebiete und Windräder, Kliniken und Kindergärten, Buslinien, Gewerbeflächen – kurz: um den Alltag der Menschen vor Ort.

Und genau deshalb beginnt mit dieser Wahl auch die große Frage, die viele Rathäuser in Bayern heute Nacht beschäftigen wird: Wer bekommt den Schlüssel zum Bürgermeisterzimmer – und wer muss sich auf Opposition im Gemeinderat einstellen?

CSU-OB-Kandidat Benjamin Zeitler (rechts) knobelt wohl schon mit dem Landtagsabgeordneten Stephan Oetzinger, wer die Stichwahl-Aufkleber anbringen muss. Foto: Martin Stangl
Gründen-Kandidatin Laura Weber kann sich auf alle Fälle über den überraschenden Wahlsieg von Cem Özdemir in Baden-Württemberg freuen. Foto: Martin Stangl
Weidens Oberbürgermeister Jens Meyer trägt das Ergebnis mit Fassung und bläst zur Aufholjagd. Foto: Martin Stangl