Speinsharter Gemeinderat legt Verschnaufpause ein
Speinsharter Gemeinderat legt Verschnaufpause ein
Bei den Pflichtausgaben der Gemeinde Speinshart explodieren die Kosten. Kindergarten, Grundschule, Abwasserentsorgung, Straßenunterhalt und Personalkosten, alles wird teurer, ohne dass im gleichen Umfang die Einnahmen steigen, bilanzierte Gemeindechef Albert Nickl in einer der wichtigsten Ratssitzungen des Jahres. Auch Kämmerer Uli Hesl sprach in seiner Gesamtbetrachtung von deutlichen Bremsspuren, die sich negativ auf die Einnahmen- und die Ausgabenseite des Verwaltungshaushaltes auswirken.
Bildungseinrichtungen mit Zahlen im tiefen Rot
Als Beispiel nannte Hesl den Einzelplan Kindergarten und Krippe. Er verwies auf stark gestiegene Personalkosten, die den Kita-Etat bei durchschnittlich 50 bis 60 zu betreuenden Kindern auf jährlich knapp 600.000 Euro steigen lassen. Den Ausgaben stehen nur 360.000 Euro Einnahmen gegenüber. Im Vorjahr waren es noch 198.000 Euro Differenz. Der Gebührenanteil der Eltern beträgt dabei 40.000 Euro oder 6,7 Prozent der Gesamtausgaben.
Auch die Kreisumlage (526.000 Euro), die Umlage für die anteiligen Kosten der Verwaltungsgemeinschaft Eschenbach (215.000 Euro) und die Verbandsumlage an den Schulverband am Rauhen Kulm (142.000 Euro) reißen Finanzlöcher.
Verschnaufpause bei Investitionen
Mit Blick auf den Vermögenshaushalt 2023 sprach Albert Nickl von einer “kleinen Verschnaufpause”. Umso dynamischer und optimistischer sind die Zahlen für die Finanzplanungsjahre ab 2024. Im Haushaltsjahr 2023 punkte das Klosterdorf mit einem soliden Haushaltsgebaren, das der neue Kämmerer nach Vorberatungen dem Gremium erläuterte. Er hatte auch gute Nachrichten: Auf Kreditaufnahmen kann trotz des fast 1,5 Millionen Euro umfassenden Vermögenshaushaltes verzichtet werden.
Eingeplant sind teilweise schon im Vorgriff auf die Investitionen in den Folgejahren ein erster Ansatz zur Mitfinanzierung des auf 12,5 Millionen Euro veranschlagten KI-Wissenschaftszentrums (500.000 Euro) mit einer Co-Finanzierung aus Städtebau-Fördermitteln, ein Teilbetrag für die Kosten der Generalsanierung der Kindertagesstätte (300.000 Euro), die ab 2024 zu erwarten ist und viele weitere Merkposten, wie zum Beispiel erste Ansätze für ein Mehrzweckfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Speinshart, für die Baugebietserschließung Krummacker III, für den Ausbau der Kellerhausstraße und für die Rekultivierungen ehemaliger Bauschuttdeponien. Fast abgeschlossen ist bereits der Einbau von Raumlüftern in die Gruppenräume der Kita.
Rücklage für magere Jahre
Diese Zukunftsprojekte wirken sich bereits auf den Gemeindeetat 2023 aus. Viele weitere Projekte, wie zum Beispiel die Kosten für einen neuen Gemeindebauhof, für den Hochwasserschutz inTremmersdorf und für die Ertüchtigung der Kläranlage und der Abwasserkanäle sind erst ab 2024 veranschlagt. Eine Haushaltsplanung, die eine Rücklagenbildung in Höhe von 277.500 Euro zulässt und die Gesamtrücklage zum Jahresende 2023 auf 813.500 Euro erhöht.
Die Entwicklung kehrt sich in den Folgejahren um. Schon 2024 ist eine Rücklagenentnahme von 765.000 Euro geplant, die insbesondere den Investitionsplänen geschuldet ist. Das Investitionsprogramm sieht für das Jahr 2024 Ausgaben von 4,9 Millionen Euro vor. Zukunftsinvestitionen, die auch 2025 und 2026 mit insgesamt fünf Millionen Euro für Rekorde gut sind. Als Beispiele nannte Bürgermeister Albert Nickl die 1,5 Millionen Euro teure Ergänzung der Breitbandversorgung, die auf 1,4 Millionen Euro geschätzte Generalsanierung des Kindergartens und die Kosten für Tiefbauprojekte.
Schuldenstand sinkt vorübergehend
Gradmesser dieser Entwicklung sind auch die Schulden des Klosterdorfes. Zum Ende des Jahres 2023 rechnen Kämmerer, Bürgermeister und Rat mit einem Schuldenstand von 602.000 Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung sinkt von 666 Euro (2021) und 594 Euro (2022) auf 530 Euro (2023), deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 692 Euro. Prognostiziert wird allerdings für die Folgejahre, bedingt durch hohe Investitionen und Kreditaufnahmen, eine Zunahme der Pro-Kopf-Verschuldung auf 873 Euro (2024) und auf 1.037 Euro im Jahr 2025.
Das 241 Seiten umfassende Haushaltswerk mit Satzung, Finanz- und Stellenplan und das Investitionsprogramm billigte das Gremium einstimmig.
Eckdaten des Gemeindehaushalts 2023
- Verwaltungshaushalt 2,8 Millionen Euro, Vermögenshaushalt 1,46 Millionen Euro jeweils in Einnahmen und Ausgaben.
- Finanzierung des Vermögenshaushalts durch Zuschüsse in Höhe von 1,25 Millionen Euro (86 Prozent)
- Zuführung zum Vermögenshaushalt 82.000 Euro
- Zuführung in die Allgemeine Rücklage 277.480 Euro
- Rücklagenstand zum Jahresende 813.000 Euro
- Pro-Kopf-Verschuldung bei 1136 Einwohnern 530 Euro.




