Weidener Hochzeitswochen
Weidener Hochzeitswochen

Expertenvortrag in Weiden: KI ersetzt den Arzt nicht

Weiden. Ein Expertenvortrag der vhs Weiden und Neustadt/WN beleuchtete Chancen und Risiken von KI in der Medizin. Prof. Björn Eskofier stellte klar: KI ersetzt den Arzt nicht; für Nutzen braucht es große, sichere Daten.

Weiden. Ein Expertenvortrag der vhs Weiden und Neustadt/WN beleuchtete Chancen und Risiken von KI in der Medizin. Prof. Björn Eskofier stellte klar: KI ersetzt den Arzt nicht; für Nutzen braucht es große, sichere Daten.
Foto: Siegfried Bühner

Expertenvortrag in Weiden: KI ersetzt den Arzt nicht

Künstliche Intelligenz (KI) erfasst immer mehr Lebensbereiche, auch die Medizin und das Gesundheitswesen. Viele versprechen sich gerade dort mehr Lebensqualität und Erfolge im Kampf gegen bisher unheilbare Krankheiten. Ein Expertenvortrag informierte über Risiken und Chancen.

KI in der Medizin: Chancen und Risiken

Wer sich über den rasant zunehmenden Einsatz von KI-Systemen in der Medizin Sorgen macht, wurde am Ende des Expertenvortrags beruhigt. Prof. Dr. Björn Eskofier fasste seine Ausführungen mit dem Satz zusammen: „Niemand will den Arzt durch künstliche Intelligenz ersetzen.“ Im Vortrag hatte der Wissenschaftler vom Münchner LMU-Lehrstuhl für KI-unterstützte Therapieentscheidungen aufgezeigt, dass von einem flächendeckenden Einsatz von KI in der Medizin noch längst nicht gesprochen werden kann. Die vhs Weiden-Neustadt hatte zusammen mit dem Freundeskreis Weiden der Evangelischen Akademie Tutzing zu dem Vortragsabend eingeladen. Beteiligt war auch die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften (acatech).

Voraussetzungen für den breiten KI-Einsatz

Professor Eskofier erläuterte zunächst die erforderlichen Voraussetzungen und die noch zu überwindenden Hindernisse für einen großflächigen KI-Einsatz in der Medizin. „Noch haben wir großen Nachholbedarf“, stellte er dabei fest. Vor allem gebe es viel zu wenig systematische Rückmeldungen über die Wirksamkeit der von den Medizinern eingesetzten Therapien. „Es ist noch immer schwierig, die erfahrungsbasierte Medizin in Beziehung zur tatsächlichen Datenlage zu bringen.“ Längst gebe es bislang nicht von allen Betroffenen die Daten über die tatsächlichen Krankheitsverläufe. „Wir bräuchten Informationen in ähnlichem Umfang, wie sie zum Beispiel bei Amazon über das Kundenverhalten vorliegen“, forderte Eskofier. Eine datenbasierte und durch KI unterstützte Medizin benötige deshalb erst einmal eine große Datensammlung. „Daten sind der Schlüssel für KI“, sagte der Experte. Anonymisierte Daten müssten – mit Zustimmung der Betroffenen – auch der Forschung zur Verfügung gestellt werden. Ein erster richtiger Schritt auf europäischer Ebene sei die Verabschiedung der „European Health Data Space-Verordnung“.

Grenzen aktueller Systeme und Ausblick

Nachdem Eskofier die Entwicklungsschritte der allgemeinen KI insgesamt in den vergangenen fünfzig Jahren aufgezeigt hatte, stellte er fest: „Selbst die neueste Version von ChatGPT kann nicht verhindern, dass Falsches ausgesagt wird.“ Schließlich seien die Systeme „gefangen in bestimmten Kontexten“. Die Zahl der Neuronen des menschlichen Gehirns – laut Eskofier zehn hoch elf – könne die KI vielleicht erst in Jahrzehnten imitieren. Nur in Einzelbeispielen, wie Schrift-, Sprach- oder Bilderkennung, sei KI überlegen. Für die Medizin heiße dies: „Wir müssen derzeit mit zwölf bis 13 Prozent falschen Antworten rechnen.“ Außerdem habe die Maschine nie ein Gefühl wie der Mensch, dass eine Antwort falsch sein könne. Für Eskofier gilt aber dennoch: „Das Zusammenspiel zwischen KI und dem menschlichen Experten ist das Wichtigste.“ Helfen könne die KI zum Beispiel dabei, die Parkinson-Krankheit besser systematisch zu beobachten oder Vorhersagemodelle für individuelle Patienten zu entwickeln. Als weitere Anwendungsbeispiele wurden Krebs, Schlafforschung, Schwangerschaftsmonitoring und Arzneimittelentwicklung genannt. „KI muss zukünftig als normaler Bestandteil des Lebens angesehen werden“, fordert Eskofier. Aber der Mediziner müsse auch wissen, „wie KI funktioniert“.

Weidener Hochzeitswochen
Weidener Hochzeitswochen