Jahn in Liga 3: Dreier gegen Waldhof als Weihnachtsgeschenk
Jahn in Liga 3: Dreier gegen Waldhof als Weihnachtsgeschenk
Der Waldhof spielt die Regensburger in Durchgang eins phasenweise schwindelig, kombiniert flüssig, presst hoch, trifft zweimal hauchzart im Abseits – und scheitert mehrmals an Regensburgs Nummer 1, Felix Gebhardt. Der Jahn findet offensiv kaum statt, hat aber das, was man im Abstiegskampf manchmal braucht: Glück, Leidensfähigkeit – und den einen Moment.
Kurz vor der Pause trifft es die Mannheimer doppelt. Erst muss sich Tim Sechelmann von einer Flanke des agilen Sebastian Stolze ins Gesicht an der Seitenlinie erholen, dann nutzt der Jahn die kurze Unordnung eiskalt: Nach Schiedsrichterball flankt Lucas Hermes, Waldhof klärt unzureichend – und Benedikt Saller grätscht die Kugel aus kurzer Distanz zum 1:0 (44.) in die rechte Ecke. Ein Treffer wie ein Überfall.
Dabei hätte der Spielverlauf bis dahin eine andere Sprache gesprochen. Mannheim hatte durch Terrence Boyd, Emmanuel Iwe, Adama Diakhaby und Kennedy Okpala mehrfach gute Gelegenheiten, zweimal zappelte der Ball sogar im Netz – jeweils entschied das Gespann knapp auf Abseits. Der Jahn? Kam kaum in gefährliche Zonen, suchte vergeblich nach Rhythmus.
Monsterchance, Abwehrschnitzer und der Kapitän
Nach dem Seitenwechsel zeigt sich Regensburg deutlich präsenter. Mannheim verliert etwas die Linie, wird fahriger – und lädt den Jahn ein. Gleich nach Wiederbeginn vergibt Eric Hottmann eine Monsterchancen: Nach zu kurzem Rückpass umkurvt er Keeper Jan-Christoph Nijhuis, zögert aber zu lange – der Keeper grätscht wie ein totgeglaubter Bösewicht im Horrorfilm von hinten zur Ecke (51.).
Doch der Jahn bleibt dran. Nach einer Ecke und erneut unzureichender Klärung stochert Felix Strauß die Kugel über die Linie zum 2:0 (55.) – Zentimeterarbeit, Wille, Timing. Spätestens jetzt kippt die Partie endgültig. Mannheim rennt an, kommt aber nicht mehr zwingend durch, während Regensburg mit jedem Ballgewinn an Selbstvertrauen gewinnt.
Und weil an diesem neblig-kalten Sonntag alles für den Jahn läuft, setzt auch der Kapitän seinen Haken unter das Spiel: Nach einem langen Schlag von Benedikt Saller hat Christian Kühlwetter viel Platz im Strafraum, zieht einen kurzen Haken und vollstreckt eiskalt mit links zum 3:0 (69.) in die rechte Ecke. Erste Bude der Saison, Deckel drauf.
Waldhof bemüht, Jahn abgeklärt
Die Gäste bäumen sich noch einmal auf. Felix Lohkemper bedient Francisco Masca (90.+4), zuvor hadert Terrence Boyd sichtbar mit Mitspielern und Entscheidungen. Doch es fehlt die letzte Überzeugung. Der Jahn verteidigt konzentriert, Felix Gebhardt ist da, wenn er gebraucht wird, und lässt nichts mehr anbrennen.
Am Ende steht ein Heimsieg, der in seiner Deutlichkeit nicht dem Spielverlauf der ersten Halbzeit entspricht – aber dem Moment. Für knapp 8000 Fans wird das 3:0 zum Weihnachtsgeschenk, zum verdienten Lohn für ein Jahr voller Geduld, Frust und Treue.
Stimmen zum Spiel
Michael Wimmer (Trainer SSV Jahn Regensburg): „Die erste Halbzeit war nicht wirklich gut von uns, wir sind gar nicht ins Spiel reingekommen. Das, was wir uns vorgenommen hatten, hat gar nicht funktioniert. Waldhof hat es gut gemacht, wir hatten auch Glück und Felix Gebhardt, der zwei, drei Dinger rausgeholt hat. Natürlich auch mit den Entscheidungen, diesmal zu Gunsten von uns. Wir schießen dann so ein bisschen aus dem Nichts das 1:0. Andererseits muss ich aber auch sagen, die zweite Halbzeit fand ich von meiner Mannschaft richtig ordentlich. Wir können schon früher das 2:0 machen mit der Riesenchance von Hotte, machen dann das 2:0 und 3:0 – von daher aufgrund der ersten Halbzeit vielleicht ein bisschen glücklich, aber das ist mir dann auch egal, ob es glücklich ist oder nicht.
Das war ganz wichtig, die Fans haben schon leiden müssen, wenn man das Kalenderjahr sieht, dass wir ihnen jetzt zum Schluss einen klaren Heimsieg gibt mit 3:0, das haben sie sich verdient, weil sie immer da waren, weil sie uns unterstützt haben, und das war uns auch wichtig, dass wir ihnen ein Weihnachtsgeschenk mitgeben mit dem Heimsieg. Aber die Vorrunde ist noch nicht vorbei, wir haben noch ein wichtiges Spiel in Cottbus am Freitagabend und auf das bereiten wir uns vor. Emotional, hochintensiv, Flutlichtspiel, aber das sind ja die Spiele, warum man Fußballer ist. Es ist ein bisschen schöner dort zu spielen mit 23 Punkten als mit 20 Punkten.“
„Gibt es ein Problem mit dem Waldhof?“
Luc Holtz (Trainer SV Waldhof Mannheim): „Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, haben uns selber nicht belohnt oder wurden halt bestraft, weil das erste Tor regulär war und das zweite Tor von Regensburg nicht hinter der Linie war – war er drin? Ich habe die Szene gesehen, für mich war er nicht hinter der Linie. Es ärgert mich, weil wir schon ein Spiel so verloren haben, wo uns ein reguläres Tor aberkannt wurde. Da muss man sich die Frage stellen, gibt es ein Problem mit dem Waldhof oder warum ist das halt immer so? Es macht halt einen Unterschied, ob du in einem Spiel 1:0 führst oder mit 0:1 in die Pause gehst.
Wir wollten da in der zweiten Halbzeit anknüpfen, haben dann leider zu viel mit langen Bällen operiert, was zum Ende wieder etwas besser war, wo wir noch zwei, drei Möglichkeiten hatten. Im Prinzip kann ich den Jungs keinen großen Vorwurf machen. Nur die Chancenverwertung erste Halbzeit und dann auch zweite Halbzeit. Aber ansonsten, wir haben ein gutes Auswärtsspiel gemacht, und leider steht das Resultat 3:0. Ich denke, dass wir die bessere Mannschaft waren. Wir müssen auf dem Weg weitermachen, und nächste Woche den Dreier machen.“
Lukas Klünter (Kapitän SV Waldhof Mannheim): „Deshalb tut es weh, weil wir den Sack nicht zugemacht haben, als wir es gekonnt hätten. Nach dem Gegentor haben wir nicht mehr so ins Spiel gefunden, deshalb gehen wir heute mit einer Niederlage nach Hause. Das 0:2 sinnbildlich für das Spiel heute, erst Slapstick, dann steht von denen einer richtiger als wir – ich weiß gar nicht, ob der reingeht, den ich von der Linie hole, wahrscheinlich nicht.“
Saisonfinale mit und bei Energie Cottbus unter Flutlicht
Der Blick geht nach vorne – und der hat es in sich: Am Freitagabend beschließt der SSV Jahn die Vorrunde mit einem Flutlichtspiel bei Energie Cottbus. Emotional, intensiv, laut – genau die Sorte Partie, von der Michael Wimmer spricht, wenn er sagt: „Das sind ja die Spiele, warum man Fußballer ist.“
Mit nun 23 Punkten im Gepäck reist der Jahn selbstbewusster in die Lausitz. Ein Punktgewinn dort – und dieses 3:0 gegen Mannheim wäre mehr als nur ein Weihnachtsgeschenk. Es wäre ein echtes Signal vor der Winterpause.














