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Accell Group vor der Insolvenz: Wie geht es bei Ghost Bike weiter?

Waldsassen. Die Krise in der Fahrradbranche fordert ein prominentes Opfer: Der europäische Branchenriese Accell Group steht vor der Insolvenz. Die Hoffnung auf eine Rettung durch den asiatischen Investor Tri Star scheint sich zerschlagen zu haben, obwohl die erforderlichen Freigaben durch die Kartellbehörden erfolgt sind.

Waldsassen. Die Krise in der Fahrradbranche fordert ein prominentes Opfer: Der europäische Branchenriese Accell Group steht vor der Insolvenz. Die Hoffnung auf eine Rettung durch den asiatischen Investor Tri Star scheint sich zerschlagen zu haben, obwohl die erforderlichen Freigaben durch die Kartellbehörden erfolgt sind.
Ghost-Mountainbikes. Foto: David Schultheiss

Accell Group vor der Insolvenz: Wie geht es bei Ghost Bike weiter?

Wie OberpfalzECHO aus Insider- und Mitarbeiterkreisen erfuhr, soll der deutsche Ableger des Konzerns ein Insolvenzverfahren in Eigenregie durchlaufen. Zu dieser Sparte gehören Traditions- und Erfolgsmarken wie Haibike (Schweinfurt), Winora, die Teile- und Zubehörsparte XLC sowie der oberpfälzische Mountainbike-Spezialist Ghost aus Waldsassen.

Das Ziel des Verfahrens in Eigenverwaltung ist eindeutig: Der operative Betrieb soll uneingeschränkt fortgeführt, die deutschen Standorte saniert und das Geschäft unter veränderter Führung zukunftsfähig aufgestellt werden.

Von der Garagenschmiede zum Spekulationsobjekt: Der Blick aus Waldsassen

Besonders tief sitzt der Schock in Waldsassen. Die Geschichte der Marke Ghost ist eine klassische Erfolgsstory der Region: 1993 von den Bike-Enthusiasten Uwe Kalliwoda und Klaus Möhwald in einer Waldsassener Garage gegründet, entwickelte sich die Firma rasch zu einem globalen Player im Mountainbike-Segment. 2008 übernahm der niederländische Fahrradkonzern Accell Group die Oberpfälzer Kultmarke. Zwar blieb der Stammsitz im Stiftland bestehen, doch die Eigenständigkeit wich Schritt für Schritt den Strukturen eines Großkonzerns.

Der eigentliche Wendepunkt folgte im Juni 2022: Der US-amerikanische Private-Equity-Riese KKR & Co. übernahm die Accell Group im Rahmen einer Milliarden-Übernahme vollständig. Unter der Regie des Finanzinvestors geriet der Konzern jedoch rasch in stürmisches Fahrwasser. Kritiker bemängeln schon länger, dass die renditeorientierte Ausrichtung von Private-Equity-Investoren wie KKR oft zu wenig Flexibilität für die zyklischen Eigenheiten des Fahrradmarktes bietet.

Fehleinschätzungen, Lagerdruck und das Babboe-Debakel

Die Ursachen für den Kollaps der Gruppe sind vielschichtig. Nach dem pandemiebedingten Fahrradboom baute die Accell Group unter KKR riesige Lagerbestände auf, um die damalige Lieferknappheit zu bewältigen. Als ab 2023 die Inflation stieg und die Nachfrage der Verbraucher einbrach, saßen Händler und Hersteller auf vollen Lagern. Der erzwungene Preisverfall drückte auf die Margen.

Zusätzlich belastete ein hausgemachter Skandal das Kapital des Konzerns: Bei der holländischen Lastenrad-Tochter Babboe führten gravierende Rahmenbrüche zu behördlichen Verkaufsverboten und millionenschweren Rückrufaktionen, was die Liquidität der Holding massiv zerrüttete.

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Eigenverwaltung als Chance für den Neustart

Das Insolvenzverfahren in Eigenregie (Eigenverwaltung) gilt für den deutschen Ableger als begründeter Hoffnungsschimmer. Anders als bei einer Regelinsolvenz behält die bisherige Geschäftsführung unter Aufsicht eines Sachwalters das Heft des Handelns in der Hand. Dies sichert die Handlungsfähigkeit gegenüber Händlern und Zulieferern und schützt die Zubehörsparte XLC sowie die Marken Ghost, Haibike und Winora.

Für die Mitarbeiter am Standort Waldsassen wie auch in Schweinfurt bedeutet die Eigenverwaltung die Chance, dass die Markenwerte nicht in einer Abwicklung zerschlagen werden. Für die Oberpfalz bleibt die Hoffnung, dass der Spirit der einstigen Waldsassener Garagenschmiede auch unter veränderten Vorzeichen eine Zukunft im globalen Fahrradmarkt hat.

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