Aktienmärkte im Bann der Politik – Oberpfälzer Finanzexperten bewerten die Lage

Aktienmärkte im Bann der Politik – Oberpfälzer Finanzexperten bewerten die Lage
Die Wahl in Deutschland ist vorbei. Es scheint auf eine CDU/CSU-SPD-Regierung hinauszulaufen. Von großer Koalition spricht in diesem Zusammenhang niemand mehr. Zu groß sind die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Sorgen in Deutschland. Zumal Donald Trump in den ersten Wochen seiner Amtszeit teils abstruse Ansichten verbreitet. Die politische Unsicherheit hat deswegen bereits enorm zugenommen. Wir haben nachgefragt, wie oberpfälzer Finanzexperten die Situation einordnen und wie die Aussichten an den Aktienmärkten gesehen werden.
Wahlausgang Deutschland – positiver Ausblick für deutsche Aktien
Für die anbieter- und bankenunabhängigen Vermögensberater Wolfgang Meier aus Amberg und Stefan Meiler aus Flossenbürg ist das Wahlergebnis positiv zu sehen. Meier stimmt hierbei die Hoffnung auf in Aussicht gestellte Reformen bei Bürokratieabbau, Unternehmenssteuern sowie Energiepreisen zuversichtlich. Dies sollte dem hiesigen Mittelstand helfen. Unter der CDU/CSU-geführten Regierung erwartet er eine unternehmensfreundlichere Wirtschaftspolitik in Kombination mit einer Aufweichung der Schuldenbremse.
Sofern diese wirtschaftlichen Impulse durch eine neue Koalition umgesetzt werden, sieht auch Dr. Matthias Bernhardt aus Grafenwöhr großes Aufholpotenzial für deutsche Aktien. Die Hoffnung und das Zutrauen scheint der Markt zu haben, da die Börsen positiv auf die Wahlentscheidung reagiert haben. Dennoch bleibt für Dr. Bernhardt die entscheidende Frage, ob die benötigten Reformen wirklich umgesetzt werden.
US-Außenpolitik und Zölle – kurzfristiges Korrekturpotential?
Etwas schwieriger gestaltet sich jedoch die Einordnung der US-Außenpolitik. In Trumps erster Amtszeit hat die Unsicherheit, die mit den willkürlichen Ankündigungen einhergegangen ist, in den Monaten nach seiner Vereidigung zu einer zweistelligen Korrektur am US-Aktienmarkt geführt. Den Gewinner eines Zollkonflikts zu ermitteln, fällt historisch schwer. Für Dr. Bernhardt führen sie in der Regel zu einem Wohlfahrtsverlust für die betroffene Volkswirtschaft. Wobei der Nettoeffekt, also das Zusammenspiel von Zöllen und Gegenmaßnahmen, maßgeblich die Unternehmensgewinne und Börsen beeinflusst.
Inneramerikanische Situation
Etwas mehr Rationalität erhoffen sich auch Amerikaner. So haben die Ankündigungen und Entlassungswellen in amerikanischen Bundesbehörden für Außenstehende teils schockierende Ausmaße erreicht. Dass „Hire-and-Fire“ und die Kultur in den USA anders ist als in Europa, ist man gewohnt. Die jüngsten Töne von Trump, Musk und seinem DOGE Team sind jedoch verstörend. Was die einen als Befreiung vom Joch der Bürokratie feiern, sehen andere als Gefahr für Demokratie und Rechtstaatlichkeit.
Aktuell größte Chancen und Risiken
Als sehr positiv würden die befragten oberpfälzer Finanzexperten ein Ende des Ukraine-Konflikts sehen. Durch Investitionen und Wiederaufbau sowie der Normalisierung geopolitischer Beziehungen würde sowohl ein wirtschaftlicher Impuls gesetzt als auch Unsicherheiten beseitigt. Zudem würde sich die entspannende Situation am Energiemarkt positiv auswirken.
Informationen zu den Finanzexperten
Trends bei Zinsen, Aktien und Co
Sowohl der Amberger Meier als auch der Flossenbürger Meiler erwarten wie bisher auch in Europa weiter fallende Zinsen. Die Zielmarke von 2 Prozent bei den Leitzinsen scheint realistisch, auch wenn das Tempo der Zinssenkungen nachlässt. In den USA sollten Anleger hingegen von einem stabilen Zinsniveau ausgehen. Die wirtschaftliche Dynamik als auch die Inflation sind für weitere Zinsreduktionen im Dollarraum zu hoch.
Kurzfristig vorsichtig – Sparpläne langfristig sinnvoll
Während in Deutschland die politische Unsicherheit nach der Wahl für Erleichterung und Zuversicht sorgt, bleibt in den USA und im globalen Kontext die Verunsicherung spürbar. An den Aktienmärkten kann es in einem solchen Umfeld durchaus zu deutlichen Korrekturen kommen. Auch beim Bitcoin hat zuletzt die Trump-Euphorie nachgelassen. Langfristig bleiben Aktien für Anleger unter Ertragsaspekten ein sehr attraktives Anlagespektrum. Anlegern ohne großes Vermögen sowie Groß-/Eltern raten unsere Experten weiter zu Aktienfondsparplänen. So kann mit wenigen Euro im Monat bereits jetzt für das Alter vorgesorgt werden. Wer vor 65 Jahren deutsche Aktien bespart hätte, wäre jetzt Millionär und das mit nur etwa 40 Euro monatlichem Sparplan. Der Zinseszinseffekt macht’s möglich.
Trotz der mitunter schwierigen Nachrichten besteht durchaus Optimismus für ein weiterhin ertragreiches Jahr 2025. „Mitm Reden kommen d‘Leut zam“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Bei unseren Experten haben Finanz-Interessierte die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen und optimistisch in die Zukunft zu blicken.




