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Eigenheim-Flaute kostet Weiden 10,7 Mio. Euro Umsatz

Weiden. Die Eigenheim-Flaute legt den Neubau lahm: Im vergangenen Jahr entstanden nur zwölf Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern, zuvor waren es im Schnitt 32. Laut Pestel-Institut fehlen so 10,7 Millionen Euro Umsatz.

Weiden. Die Eigenheim-Flaute legt den Neubau lahm: Im vergangenen Jahr entstanden nur zwölf Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern, zuvor waren es im Schnitt 32. Laut Pestel-Institut fehlen so 10,7 Millionen Euro Umsatz.
Mehr als nur das Zuhause: Die eigenen vier Wände sind ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorge. Der Staat sollte Wohneigentum auch deshalb wieder intensiv fördern, so eine aktuelle Wohnungsmarkt-Studie. Foto: Nils Hillebrand

Eigenheim-Flaute kostet Weiden 10,7 Mio. Euro Umsatz

Eine neue Untersuchung des Pestel-Instituts im Auftrag der Schwäbisch Hall-Stiftung zeigt deutliche Bremsspuren beim Eigenheimbau in der Nordoberpfalz. In Weiden kamen im vergangenen Jahr nur zwölf Wohnungen in neuen Ein- und Zweifamilienhäusern hinzu, im Landkreis Neustadt/WN waren es 132 und im Landkreis Tirschenreuth 92. Gegenüber den Jahren 2020 bis 2022 fällt der Rückgang spürbar aus und belastet die regionale Wirtschaft mit geschätzten Umsatzeinbußen in Höhe von 10,7 Millionen Euro (Weiden), 69 Millionen Euro (Neustadt/WN) und 11,4 Millionen Euro (Tirschenreuth).

Rückgang beim Neubau in Weiden

In Weiden lag der jährliche Schnitt in den Jahren 2020 bis 2022 bei 32 neuen Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern, zuletzt waren es nur noch zwölf. Das trifft Bauunternehmen, Handwerk, Planung und Zulieferer gleichermaßen. Dazu sagt Matthias Günther: „Es geht um einen Umsatzverlust von 10,7 Millionen Euro. Das ist – vorsichtig gerechnet – die Summe, die Unternehmen im vergangenen Jahr in Weiden in der Oberpfalz verlorengegangen ist, weil der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern so abgesackt ist“.
„Insgesamt hängt daran aber noch mehr: Das fängt beim Grundstückskauf an und geht bis zum letzten Pinselstrich im Haus, bis zum Anpflanzen von Bäumen und Büschen im Garten“, erläutert Günther.

Neustadt/WN und Tirschenreuth im Vergleich

Im Landkreis Neustadt/WN entstanden im vergangenen Jahr 132 Wohnungen in neuen Eigenheimen, der Schnitt der Jahre 2020 bis 2022 lag bei 250. Auch hier betont das Pestel-Institut die ökonomischen Folgen. „Es geht um einen Umsatzverlust von 69 Millionen Euro. Das ist – vorsichtig gerechnet – die Summe, die Unternehmen im vergangenen Jahr im Landkreis Neustadt an der Waldnaab verlorengegangen ist, weil der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern so abgesackt ist“, sagt Günther.
Im Landkreis Tirschenreuth kamen 92 Wohnungen hinzu, gegenüber im Schnitt 104 in den Jahren 2020 bis 2022. Die Studie verortet dort einen Umsatzverlust von 11,4 Millionen Euro, der entlang der gesamten Wertschöpfungskette rund um den Eigenheimbau ansetzt.

Forderungen an Bund und Land

Aus Sicht der Schwäbisch Hall-Stiftung erschwert die aktuelle Lage den Weg in die eigenen vier Wände spürbar, vor allem für 25- bis 45-Jährige. „Wohneigentum darf nicht zum Luxus werden. Genau da muss jetzt etwas passieren: Die Eigentumswohnung, das Reihenhaus, das Einfamilienhaus – die Menschen, die bereit sind, dafür zu arbeiten und zu sparen, müssen sich die eigenen vier Wände auch wieder leisten können“, fordert der Schwäbisch Hall-Chef Mike Kammann. „Wer Wohneigentum will, muss dafür auch ein Stück weit auf Konsum verzichten. Das bedeutet zum Beispiel: eine Zeitlang keine teuren Fernreisen“, sagt Kammann.
Gleichzeitig kritisiert das Pestel-Institut die derzeitige Förderpraxis des Bundes deutlich. „Da läuft im Moment so gut wie nichts. Der Bund lässt – anders als früher – die Menschen, die sich ihre eigenen vier Wände anschaffen wollen, im Stich“, so die Kritik vom Chef-Ökonomen des Pestel-Instituts, Matthias Günther.

Vorschlag: Wohneigentumsplan

Das Institut schlägt einen bundesweiten Wohneigentumsplan vor, der länderspezifische Zielmarken und passende Förderprogramme kombiniert. „Gekoppelt mit Förderprogrammen sollten dann auch Haushalte mit mittleren Einkommen in Weiden in der Oberpfalz davon profitieren und die Chance auf die eigenen vier Wände bekommen“, so Matthias Günther.
Als Beleg für die Wirksamkeit zielgenauer Förderung verweist die Studie auf das frühere Baukindergeld. „Da hat jeder Förder-Euro 3,70 Euro an staatlichen Einnahmen nach sich gezogen – von der Umsatz- und Lohnsteuer auf dem Bau bis zur Grunderwerbsteuer. Dass der Bund ein Programm, das erfolgreich gelaufen ist, eingestellt hat, sorgt in der Branche für Kopfschütteln“, so Günther.

Soziale Dimension und Arbeitsmarkt

Die Untersuchung betont neben der Konjunkturwirkung auch die soziale Bedeutung von Wohneigentum. „Wenn die Rente kommt, haben die Menschen weniger Geld im Portemonnaie. Aber die Miete bleibt. Sie steigt sogar und drängt mehr und mehr ältere Menschen in die Altersarmut: Altersarmut ist Mieterarmut – auch in Weiden in der Oberpfalz.“ Zudem sieht Kammann mit Blick auf die Region Handlungsbedarf für mittlere Einkommen. „Wer mit einem mittleren Einkommen in Weiden in der Oberpfalz bereit ist, zu sparen, muss auch wieder die Chance auf Wohneigentum und damit auf soziale Sicherheit – gerade im Alter – bekommen“, sagt Mike Kammann. Mehr Wohneigentum könne den angespannten Mietmarkt entlasten, während Wohnungsknappheit zunehmend die Gewinnung spezialisierter Fachkräfte bremse.
Die Forscher des Pestel-Instituts formulieren eine klare Zielrichtung für die Wohnungsbaupolitik: „Der Bund muss langfristig das Ziel verfolgen, Bayern und ganz Deutschland mehrheitlich vom Mieter- zum Eigentümerland zu machen.“ Eine höhere Eigentumsquote wie in Österreich, den Niederlanden oder Schweden soll nach Einschätzung der Studie zusätzlichen Wohnraum schaffen und die soziale Stabilität stärken.

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