Mercedes-Werk in Cheb: 1000 Jobs – auch für Arbeitnehmer aus Bayern
Mercedes-Werk in Cheb: 1000 Jobs – auch für Arbeitnehmer aus Bayern
Arbeitnehmer aus dem Raum Marktredwitz, Waldsassen, Selb oder weiteren grenznahen Orten könnte sich damit eine neue berufliche Perspektive eröffnen. Denn das geplante Werk im tschechischen Cheb (Eger) soll nicht nur Arbeitsplätze in der Produktion bieten. Auch Fachkräfte für IT, Qualitätskontrolle, Instandhaltung und weitere technische Bereiche werden gebraucht. Der Baubeginn ist vorbehaltlich der noch erforderlichen Genehmigungen für Anfang 2027 geplant. Die Rede ist von einem Investitionsbetrag im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die Produktion soll zum Ende des Jahrzehnts anlaufen.
Welche Jobs sollen in Cheb entstehen?
Daimler Truck plant für den neuen Standort eine Kapazität von rund 25.000 Fahrzeugen im Jahr. Gearbeitet werden soll nach bisherigen Planungen im Zweischichtbetrieb. Die etwa 1100 Beschäftigten werden überwiegend für qualifizierte Tätigkeiten gesucht. Neben Mitarbeitern für die Montage sind Fachkräfte für technische Abläufe, IT, Qualitätsprüfung und Wartung erforderlich. Interessant ist das Vorhaben hauptsächlich für Menschen mit einer technischen oder gewerblichen Ausbildung. Doch auch außerhalb der unmittelbaren Fahrzeugmontage werden Mitarbeiter benötigt, damit eine Produktion dieser Größenordnung zuverlässig funktioniert.
Das Unternehmen plant, Lastwagen mit konventionellen und alternativen Antrieben zu montieren. Lackierte Rohbau-Fahrerhäuser sollen weiterhin aus dem Mercedes-Benz-Werk in Wörth am Rhein kommen. Der neue Standort ist Teil einer Neuaufstellung des europäischen Produktionsverbunds: Wörth soll dabei das Leit- und Volumenwerk bleiben, Cheb zusätzliche Kapazitäten schaffen.
Auch deutsche Arbeitnehmer sind gefragt
Für die Grenzregion besonders wichtig: Daimler Truck will bei der Personalsuche nicht an der tschechischen Grenze Halt machen. Nach den jüngsten Berichten sollen ausdrücklich auch Beschäftigte aus dem deutschen Grenzgebiet angesprochen werden. Damit richtet sich das Angebot grundsätzlich auch an Arbeitnehmer aus Oberfranken und der nördlichen Oberpfalz. Die Nähe zu Bayern macht den Standort für Berufspendler interessant. Ob sich eine Beschäftigung lohnt, hängt allerdings von den konkreten Stellen, den Arbeitsbedingungen, der Vergütung und dem jeweiligen Arbeitsweg ab. Auch Fragen wie die erforderlichen Sprachkenntnisse und die steuerliche Behandlung einer grenzüberschreitenden Beschäftigung sollten Interessenten vor einer Bewerbung klären.
Wer sich für einen Arbeitsplatz interessiert, sollte die offiziellen Karriereportale von Daimler Truck und der zuständigen tschechischen Gesellschaft im Blick behalten. Das Unternehmen weist ausdrücklich darauf hin, dass ausgeschriebene Stellen über diese Portale veröffentlicht werden.
Offizielle Anlaufstelle: Daimler Truck – Informationen zum Standort Cheb
Überdurchschnittliche Bezahlung angekündigt
Auch die Bezahlung dürfte für potenzielle Bewerber ein wichtiges Thema sein. Im Zuge der Ansiedlung wurde angekündigt, dass die angebotenen Löhne im Durchschnitt etwa 20 Prozent über dem regionalen Durchschnitt der Region Karlsbad liegen sollen. Das ist eine Vorgabe für das Gesamtbild der Vergütung – keine Garantie, dass jeder einzelne Arbeitsplatz entsprechend bezahlt wird. Konkrete Gehaltsangaben für einzelne Tätigkeiten sind bislang nicht bekannt beziehungsweise veröffentlicht.
Der Konzern hat zudem angekündigt, die Belegschaft schrittweise aufzubauen. Mitarbeiter für die Produktion sollen rechtzeitig vor dem Start eingestellt und geschult werden. Für einen Teil der Beschäftigten ist deshalb eine Einarbeitung beziehungsweise Qualifizierung in Deutschland vorgesehen. Das eröffnet möglicherweise schon vor dem eigentlichen Produktionsbeginn Chancen für Bewerber.
Was bedeutet das für die Region?
Die Ansiedlung könnte über die direkten Arbeitsplätze hinaus Auswirkungen auf den bayerisch-tschechischen Wirtschaftsraum haben. Der Landkreis Wunsiedel beschäftigt sich bereits mit den Folgen und Chancen. Ein eigens eingerichteter Arbeitskreis prüft unter anderem Möglichkeiten für Zulieferer, Logistikunternehmen und Dienstleister. Auch zusätzlicher Wohnraumbedarf und die Verkehrsanbindung spielen eine Rolle.
Wie eng die Arbeitsmärkte schon heute verflochten sind, zeigt eine Zahl aus dem Fichtelgebirgs-Landkreis: 2025 pendelten bereits 2629 tschechische Beschäftigte zur Arbeit in den Landkreis Wunsiedel. Die Entwicklung könnte künftig also auch in die andere Richtung neue Wege eröffnen.
„Warum nicht bei uns?“
Auch Tirschenreuths Landrat Hubert Schicker hat sich mit dem Thema beschäftigt. Im Gespräch mit OberpfalzECHO betonte er kürzlich, dass er die Firma Daimler Truck wegen des Werks in Cheb kontaktiert habe. „Ich wollte wissen, warum sie nach Tschechien gehen, warum nicht zu uns und was wir besser machen müssen. Wie könnten wir von dem großen Kuchen Wirtschaftsraum Eger-Landkreis Tirschenreuth etwas abbekommen? Die Autobahn liegt nahe. Kann man eventuell einen Teil der Wertschöpfung in Form eines Zulieferers hierherbekommen?“ Für die Menschen im bayerischen Grenzgebiet ist das Mercedes-Werk damit mehr als eine große Industrieansiedlung auf tschechischer Seite. Es könnte zusätzliche berufliche Möglichkeiten schaffen – vorausgesetzt, die geplanten Stellen passen zu den Qualifikationen und Lebensumständen der Bewerber.
Noch sind nicht alle Fragen geklärt
Das Projekt befindet sich weiterhin in der Vorbereitungsphase. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Produktion soll zum Ende des Jahrzehnts starten. Bis dahin dürfte sich genauer abzeichnen, welche Berufe zuerst gesucht werden, welche Anforderungen Bewerber erfüllen müssen und wie die konkreten Arbeitsbedingungen aussehen.
Für Interessenten aus Bayern gilt deshalb: Die Jobchance ist realistisch, aber bisher nicht mit einer konkreten offenen Stelle gleichzusetzen. Wer sich frühzeitig informieren möchte, sollte die offiziellen Karriereseiten verfolgen und bei der Planung einer grenzüberschreitenden Beschäftigung auch Arbeitsweg, Sprache und steuerliche Fragen berücksichtigen.







