Dr. Bernhardt
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Nahversorgung: Die Probleme und Chancen im Landkreis Amberg-Sulzbach

Amberg-Sulzbach. Bei einem Info-Abend wurden Probleme und Chancen der Nahversorgung im Landkreis diskutiert, wobei verschiedene Konzepte zur Verbesserung vorgestellt wurden. Neue Modelle für eine bessere lokale Versorgung umfassen Marktladenkonzepte und einen Supermarkt ohne Personal.

Amberg-Sulzbach. Bei einem Info-Abend wurden Probleme und Chancen der Nahversorgung im Landkreis diskutiert, wobei verschiedene Konzepte zur Verbesserung vorgestellt wurden. Neue Modelle für eine bessere lokale Versorgung umfassen Marktladenkonzepte und einen Supermarkt ohne Personal.
Die Referenten des Nahversorgungs-Meetings mit Landrat Richard Reisinger (Mitte) und Regionalmanagerin Katharina Schenk (links daneben) informierten über verschiedene Modelle und Erfolge. Foto: Joachim Gebhardt

Nahversorgung: Die Probleme und Chancen im Landkreis Amberg-Sulzbach

Nahversorgung im Fokus

Wie steht es um die Nahversorgung im Landkreis Amberg-Sulzbach, und wie kann sie aufgewertet werden? Ein von Regionalmanagerin Katharina Schenk organisierter Info-Abend im Gasthaus Kopf in Altmannshof brachte neue Erkenntnisse, wie der Landkreis Amberg-Sulzbach in seiner Pressemitteilung schreibt. Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung, kurz GMA, stellte dabei die Ergebnisse ihrer Studie vor, fünf Beispiele für Versorgungsmodelle für den ländlichen Raum wurden präsentiert. Die Erstellung der Nahversorgungsstudie wurde in der vergangenen Projektphase über das Regionalmanagement des Landkreises Amberg-Sulzbach beauftragt und gefördert.

Landrat Richard Reisinger und Poppenrichts Bürgermeister Hermann Böhm sprachen die einführenden Worte, dann ging es in die Studie hinein: Eine gute Nahversorgung sichert die Standort- und Lebensqualität, stellten Gabriele Ostertag und Michael Schmitt von der GMA voran. Ihre Arbeit hatte die Identifizierung von Versorgungslücken und das Aufzeigen von Umsetzungsmöglichkeiten zur möglichst flächendeckenden Versorgung zum Ziel. Insgesamt gebe es im Landkreis ein breites Angebot durch die “klassischen” Systemanbieter: 20 Discounter, 13 Supermärkte, drei Drogeriemärkte.

Allerdings falle die weitgehende Konzentration des Angebots auf die am dichtesten besiedelten Gemeinden (Sulzbach-Rosenberg, Kümmersbruck, Hirschau, Auerbach) auf. In zwölf Gemeinden, so die Pressemitteilung weiter, gebe es gar keine leistungsfähige, großflächige Nahversorgung. Innerhalb von 15 Minuten erreichten aber alle Einwohner einen leistungsfähigen Nahversorger (Lebensmittelmarkt). Ein ergänzendes, kleinflächiges Lebensmittelangebot durch Bäckereien und Metzgereien gebe es in den meisten Gemeinden, eingeschränkte Versorgungsangebote in einigen Gemeinden jedoch am östlichen und westlichen Rand des Landkreises, Drogeriemärkte einzig in Sulzbach-Rosenberg und Auerbach.

Einkaufsgewohnheiten und Zufriedenheit

Die Befragungen ergaben, dass 51,4 Prozent der Einwohner im Wohnort und 33,2 Prozent in der Nachbargemeinde einkauften. Meistens (rund 88 Prozent) werde dabei das Auto benutzt. Mehrheitlich herrschte Zufriedenheit mit dem Nahversorgungsangebot, rund 42 Prozent der Befragten sahen allerdings Verbesserungsbedarf. Hohe Zufriedenheit gab es in Sulzbach-Rosenberg (86 Prozent), Hirschau, Königstein und Kümmersbruck (jeweils über 70 Prozent), geringe Zufriedenheit in den Gemeinden Ebermannsdorf (15 Prozent), Hirschbach, Illschwang und Poppenricht (jeweils nur rund 22 Prozent).

Ergebnisse und Entwicklungen

In der Breite, so die Zusammenfassung, gebe es eine gute Abdeckung in der Nahversorgung, im Detail jedoch erkennbare Handlungsbedarfe: grundsätzlich ein leistungsfähiges Nahversorgungsangebot in einer zumutbaren Auto-Fahrzeit für die meisten Einwohner im Landkreis, eine starke Angewiesenheit auf das Auto und damit eine potenziell schwierigere Versorgungssituation für in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen. In einzelnen Gemeinden mit einer weitgehend oder vollständig fehlenden wohnortnahen Grundversorgung für Güter des täglichen Bedarfs erfolge die Versorgung über das Angebot in den Nachbargemeinden; Entwicklungspotenziale seien abhängig von den konkreten Bedingungen vor Ort vorhanden. Negativ wirkten sich die Betriebsschließungen in vielen Gemeinden bei Bäckereien, Metzgereien, Apotheken und Wirtshäusern (Gesundheits- und Altersgründe bei fehlender Betriebsnachfolge) aus, damit einhergehend kämen auch Verlust sozialer Treffpunkte.

Medizinische Grundversorgung und weitere Herausforderungen

Rein statistisch sehe man eine gute Aufstellung in der medizinischen Grundversorgung (Hausärzte), jedoch Defizite in einzelnen Gemeinden. Aus Perspektive der Kommunalbefragung stelle vor allem die Versorgung mit Pflegeeinrichtungen die Kommunen im Landkreis vor hohe Herausforderungen.

OTH Amberg-Weiden
OTH Amberg-Weiden

Vorgestellte Nahversorgungskonzepte

Im weiteren Verlauf des Abends stellten fünf Referenten ihre Nahversorgungskonzepte vor: “Von Bürgern für Bürger – das Marktladen-Konzept in Hohenburg” erläuterte Helmut Schindler. Kunden kämen überwiegend aus Hohenburg und Nachbarorten. Oberstes Ziel sei die Sicherstellung und Versorgung des Marktes Hohenburg mit Lebensmitteln und regionalen Produkten sowie die soziale Funktion als Treffpunkt. Bürgerengagement, persönliche Kontakte sowie gute Erreichbarkeit tragen zum Erhalt des Marktladens bei, wenngleich die Finanzierung und die Steigerung des Kundenanteils die Verantwortlichen vor Herausforderungen stellen.

Brückenbau zwischen Erzeuger und Verbraucher

Ein Familienbetrieb in zweiter Generation ist der Hutzelhof in Weißenberg, gegründet mit dem Ziel, Brückenbauer zu sein zwischen Lebensmittelerzeugung und Verbrauchern, erklärte Geschäftsführer David Kugler. 70 Mitarbeiter in Lieferdienst, Anbau und Bäckerei, ein funktionierender Gemüse- und Ackerbau, circa 20 Hektar in Bewirtschaftung, etwa 25 Kulturen aus eigenem Anbau, zum Beispiel Salate, Kohlrabi und Kürbis bis zu Roter Bete und Honigmelonen sowie Getreideanbau, Dinkel und Roggen im Wechsel. Bäckerei und Küche gibt es auch im 1995 gegründeten Hutzelhof, mit aktuell sechs Mitarbeitern und insgesamt 20 Brotsorten (weizenfrei) und (nach Saison) circa 30 Sorten Kleingebäck. Der Vertrieb laufe über den Lieferdienst, Kollegen und Hotels an wöchentlich 2000-3000 Haushalte sowie rund 1.000 Schulen, Kindergärten und Firmen im Liefergebiet von 50 Kilometern Umkreis, einschließlich Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bayreuth.

Innovation in der Nahversorgung

Das Konzept der Dorfladenbox erläuterte Julius Stintzing, Gründer und Geschäftsführer von “Boxenstopp”. Bei der Dorfladenbox handelt es sich um eine begehbare Box, die eine regionale Vermarktungsmöglichkeit zur Nahversorgung rund um die Uhr darstellt, und derzeit an 36 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu finden ist. Dabei umfasst das Angebot einer Dorfladenbox durchschnittlich 670 verschiedene Produkte von rund 50 regionalen Erzeugern.

Mobile Nahversorgung

Über den mobilen Dorfladen der ILE Steinwald-Allianz berichtete Martin Schmid. Einkaufen auf vier Rädern sei sehr beliebt, “der Supermarkt mit einem umfangreichen Sortiment an Lebensmitteln kommt zu Ihnen ins Dorf”, zitierte er das Motto. Neben Aktionswochen für besondere Produkte mit Unterstützung regionaler Anbieter, einer Lotto-Annahmestelle sowie bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten bietet der mobile Dorfladen an sechs Tagen in der Woche ein umfassendes Nahversorgungsangebot. Ein Fahrplan zeigt, wann und wo der mobile Dorfladen unterwegs ist. Aber auch in digitaler Form mit einem Online-Shop und einer WhatsApp-Gruppe zu Informationen zu Touränderungen und Verkaufsaktionen ist der mobile Dorfladen erreichbar.

Supermarkt ohne Personal

Schließlich präsentierte Christian Maresch von der Tante-M-GmbH noch den Supermarkt ohne Personal. Die lokalen Metzger, Bauern oder Bäcker könnten hier verkaufen. In Parkstein bei “Tante-M” zum Beispiel gebe es in einer ehemaligen Apotheke auf 80 Quadratmetern sieben Tage die Woche ein großes regionales Angebot. Das Ganze funktioniere wie ein begehbarer Automat. Um 5 Uhr gehen die Türen automatisch auf, dann kann eingekauft werden. An der Kasse müsse man seine Produkte selbst scannen, bezahlen könne man bar, mit Karte oder mit Gutschrift per Kundenkarte.

Ein sehr interessanter Abend, an dem viele Kontakte geknüpft und neue Ideen gesammelt wurden, darin waren sich laut Pressemitteilung alle Gäste einig. Und Landrat Richard Reisinger resümierte: “Jetzt ist bekannt, wo die Probleme liegen und vor allem – wie man sie lösen könnte.”