Ostbayerisches Modellprojekt: Das Handwerk soll weiblicher werden
Ostbayerisches Modellprojekt: Das Handwerk soll weiblicher werden
„Handwerk hat goldenen Boden“: Noch immer gilt dieser Satz vor allem für Männer. Die meisten Handwerkskarrieren sind bis heute männlich: In vielen Zukunfts-Berufen, wie beispielsweise Kfz-Mechatroniker, Elektroniker oder Anlagenmechaniker, liegt der Frauenanteil bei den Auszubildenden nach aktuellen Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks gerade einmal zwischen zwei und vier Prozent. Das ostbayerische Handwerk will das ändern: Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz hat eine neue Stelle geschaffen, um besonders weiblichen Nachwuchs für die Betriebe zu gewinnen.
Frauenanteil gesunken
Es ist eine Binsenweisheit: Handwerksberufe bieten viele Perspektiven. Und dennoch ist der Anteil der Frauen in der handwerklichen Ausbildung in den vergangenen Jahren sogar nochmals gesunken. Um diesem Trend entgegenzuwirken, startete die ostbayerische Handwerkskammer zusammen mit der Handwerkskammer Oberfranken und dem Forschungsinstitut für betriebliche Bildung ein Modellprojekt, das vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales aus Mitteln des Bayerischen Arbeitsmarktfonds gefördert wird.
Klischeefreie Berufsorientierung
„Typische Rollenverständnisse von Frauen- oder Männerberufen sind auch heute noch sehr dominant“, sagt Hans Schmidt, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Das Modellprojekt ist ein wichtiger Beitrag zur klischeefreien Berufsorientierung. Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz vertritt die Interessen von fast 40.000 vor allem kleinen und mittelständischen Betrieben mit einem Jahresumsatz von knapp 32 Milliarden Euro und mehr als 200.000 Beschäftigten.
Mädchen und junge Frauen begeistern
Anita Gmeiner aus dem Landkreis Neustadt/WN ist seit Jahresbeginn als Talentscout für die Kammer unterwegs. Die 31-Jährige studierte Soziale Arbeit, arbeitete mit Jugendlichen und als Schulsozialarbeiterin. Sie selbst stammt aus einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb, in dem sie auch aktiv mithilft – beim Sägen oder der Reparatur von Landmaschinen.
Um Mädchen und junge Frauen für handwerklich-technische Berufe zu begeistern, entwickelt Anita Gmeiner innovative und digitale Formen für die Berufsorientierung. Sie berät aber auch die Betriebe, wie sie Mädchen für eine Ausbildung im Handwerk gewinnen können und was sie in der Ausbildung beachten sollten. Dabei wird sie vom Forschungsinstitut für betriebliche Bildung durch gendersensible Konzepte bei der Beratung unterstützt.






