Vertrauen statt Kontrolle: Warum Learning Campus auf Haltung setzt
Vertrauen statt Kontrolle: Warum Learning Campus auf Haltung setzt
Das Schlagwort „Growth Mindset“ gehört längst zum festen Vokabular moderner Personalentwicklung. Für Stephan Müller, Geschäftsführer des Learning Campus (LC), ist der Begriff jedoch weit mehr als ein Managementtrend. Dass Menschen durch Lernen, Übung und konstruktives Feedback wachsen können, sei für seine Organisation selbstverständlich. „Natürlich glauben wir daran, dass man sich entwickeln kann. Fehler gehören dazu – aus ihnen lernt man“, sagt der 53-Jährige.
„Unsere größte Stärke ist die Freiheit“
Geprägt wurde der Begriff von der US-Psychologin Carol Dweck. Ihr Konzept beschreibt die Überzeugung, dass Fähigkeiten nicht statisch sind, sondern sich durch Anstrengung und Erfahrung weiterentwickeln lassen. Dem gegenüber steht das sogenannte „Fixed Mindset“ – die Annahme, Talente seien weitgehend angeboren und kaum veränderbar. Für Müller greift diese Definition jedoch zu kurz. Das eigentliche Fundament des Learning Campus sei nicht allein die Bereitschaft zur persönlichen Entwicklung, sondern das gegenseitige Vertrauen. „Unsere größte Stärke ist die Freiheit, eigene Gedanken und Ideen einzubringen. Daraus entsteht Dynamik.“
Diese Haltung prägt die Geschichte des Unternehmens von Beginn an. Sie sei, sagt Müller, von mutigen und manchmal auch „etwas verrückten Menschen“ geschrieben worden. Menschen, die Chancen erkannten, spontan handelten und sich nicht von langen Planungsprozessen ausbremsen ließen. „Bei uns standen und stehen Intuition und Spontanität im Vordergrund. Wenn sich Möglichkeiten ergeben haben, sind wir sie mit Ehrgeiz angegangen und haben uns einfach auf den Weg gemacht.“
„Hierarchien geben Orientierung und Sicherheit“
Vertrauen sei dabei nie bloß ein Schlagwort gewesen, sondern Voraussetzung für Entwicklung. Learning Campus gelinge es immer wieder, junge Menschen zu gewinnen, ihnen Verantwortung zu übertragen und sie wachsen zu lassen. Trotz der offenen Kultur gebe es selbstverständlich Hierarchien. „Sie geben Orientierung und Sicherheit. Wir verstehen uns als wertschätzende Gemeinschaft, die nach dem Prinzip: Hören und gehört werden“ arbeitet.
Heute zählt Learning Campus zu den bedeutenden freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe in der Nordoberpfalz. Zum Verbund gehören zehn Waldkindergärten, fünf Kindertagesstätten und zehn Ganztagsschulbetreuungen. Ein besonderer Bestandteil ist die heilpädagogische Wohngruppe Meierhof in Trabitz. Zehn Kinder und Jugendliche finden dort ein familiäres Zuhause auf Zeit. Das liebevoll sanierte Gebäude gegenüber der Unternehmenszentrale ist zugleich eng mit dem Dorfleben verbunden – sogar die Gemeinderatssitzungen finden in einem abgetrennten Gebäudeteil statt. Durch die Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen wird Integration hier ganz selbstverständlich gelebt.
Jemanden mit kurzen Hosen und langen Haaren spricht man leichter an als jemanden mit Schlips und Kragen.
Stephan Müller, Geschäftsführer von Learning Campus
Kurze Hose, lange Haare, Baseballkappe
Ein kurzer Besuch im Meierhof macht deutlich, was Müller unter Vertrauen versteht. Der Umgangston ist offen und herzlich. Die Jugendlichen begegnen ihrem Geschäftsführer respektvoll, aber ohne Berührungsängste. Müller kennt ihre Geschichten, hört zu und gibt Orientierung. Vielleicht trägt auch sein Auftreten dazu bei. Kurze Hose, lange Haare, Baseballkappe – geschniegelt wirkt hier niemand. „Jemanden mit kurzen Hosen und langen Haaren spricht man leichter an als jemanden mit Schlips und Kragen“, sagt er lachend.
Über den eigenen Betrieb hinaus sieht Müller soziale Einrichtungen zunehmend als gesellschaftliche Zentren – besonders im ländlichen Raum. Dort entstünden Gemeinschaft, Begegnung und Zusammenhalt oft dort, wo Vereine, Schulen und soziale Träger eng zusammenarbeiteten. Die Nordoberpfalz bietet dafür mit ihrer Natur und ihren gewachsenen Strukturen ideale Voraussetzungen. Lediglich das Fehlen einer Universität betrachtet er als Nachteil. Dieser lasse sich jedoch ausgleichen – durch attraktiven Wohnraum, eine ausgeprägte Willkommenskultur und Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten als Partner auf Augenhöhe behandelten. „Die Region muss ihre Stärken selbstbewusst zeigen.“
Pragmatischer und verlässlicher Arbeitgeber
Personalmangel kennt Learning Campus nach eigenen Angaben kaum. Müller führt das auf die Unternehmenskultur zurück. Der Träger verstehe sich als pragmatischer und verlässlicher Arbeitgeber mit klaren Strukturen. „Professionelle Rahmenbedingungen sind zunächst wichtiger als Inhalte. Die entwickeln sich dann gemeinsam.“ Learning Campus sei ein familienfreundliches Unternehmen mit einer klaren Haltung. „Wir fördern die Grundtalente unserer Mitarbeiter. Aus Haltung entsteht Dynamik.“
Diese Dynamik lebt von Freiheit. Ungewöhnliche Ideen seien ausdrücklich erwünscht und erhielten Raum, sich zu entfalten. Daraus entstünden Innovationen ebenso wie persönliches Wachstum. Erfolge gemeinsam zu erreichen und zu feiern, gehöre deshalb selbstverständlich zur Unternehmenskultur.
Immer wieder in der Rolle des Lernenden
Entschieden widerspricht Müller pauschalen Urteilen über einzelne Generationen. Besonders die Generation Z werde häufig unterschätzt. „Was junge Menschen mit Fridays for Future friedlich angestoßen haben, verdient großen Respekt“, sagt er. Einzelne Ausreißer gebe es überall, das generelle Schlechtreden ganzer Altersgruppen halte er jedoch für arrogant und vermessen.
Ob Klimaschutz oder Künstliche Intelligenz – Müller sieht sich selbst trotz seiner 53 Jahre immer wieder in der Rolle des Lernenden. Gerade bei Zukunftsthemen lasse er sich gerne von jüngeren Kolleginnen und Kollegen antreiben. Denn wer Entwicklung ernst nehme, müsse bereit sein, auch selbst ständig dazuzulernen.







