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Zwei Stromtrassen für die Energiewende: So steht es um die ostbayerischen Großprojekte von TenneT

Weiden. Mancher reibt sich die Augen: Entlang der A93 wachsen neue Strommasten in den Himmel. Sollte der Sued-Ost-Link nicht in der Erde verkabelt werden? Die Lösung ist vergleichsweise einfach, aber nicht jedem bewusst: Die TenneT setzt aktuell zwei Stromprojekte in Ostbayern um.

Weiden. Mancher reibt sich die Augen: Entlang der A93 wachsen neue Strommasten in den Himmel. Sollte der Sued-Ost-Link nicht in der Erde verkabelt werden? Die Lösung ist vergleichsweise einfach, aber nicht jedem bewusst: Die TenneT setzt aktuell zwei Stromprojekte in Ostbayern um.
Links die Freileitung, Rechts das Erdkabel. Die TenneT-Experten Dr. Andreas Schieder (Political Affairs Advisor Bayern), Pressereferent Markus Lieberknecht und Fabian Herbst (Abschnittsleiter Kommunikation SuedOstLink) erklären die zwei großen Stromprojekte in Ostbayern. Foto: Christine Ascherl

Zwei Stromtrassen für die Energiewende: So steht es um die ostbayerischen Großprojekte von TenneT

Bei der oberirdischen Freileitung an der A93 bei Windischeschenbach handelt es sich um den Ostbayernring, der verstärkt wird. Im Sommer soll er fertig sein. Die Erdarbeiten für den Sued-Ost-Link dagegen lassen noch auf sich warten. Nach der Trennung von Vinci Construction verhandelt TenneT derzeit mit Tiefbaufirmen, die einspringen könnten.

Beide Trassen sind „Strom-Autobahnen“ – leistungsstarke Leitungen, die nach dem Ausstieg aus fossilen Energien dringend gebraucht werden. Mehr denn je. Denn die Energiewende zeigt Wirkung. Allein in Bayern speisten Photovoltaik-Anlagen 2025 die dreifache Menge an Strom ein, als das abgeschaltete Kernkraftwerk Isar 2 bei Landshut erzeugt hat. „Die Energiewende ist gelungen“, sagt Dr. Andreas Schieder, Political Affairs Advisor Bayern bei TenneT. Jetzt muss der Strom auch fließen.

Trassen

Ostbayernring: Redwitz entlang der A93, westlich an Weiden vorbei, Parkstein, Etzenricht, Schwandorf. Die bisherige Trasse westlich von Windischeschenbach bei Gleißenthal wird abgebaut.

Sued-Ost-Link: Marktredwitz, östlich an Weiden vorbei, Pfreimd, westlich an Schwandorf vorbei, Nittenau, Regensburg, Landshut.

Ökostrom wird abgeregelt – Teuer für den Stromkunden

Das Problem liegt nicht in der Erzeugung, sondern im Transport. Ein Teil des Solarstroms muss derzeit abgeregelt werden – er wird quasi weggeworfen. Die Süddeutsche Zeitung titelte diese Woche: „Viel Ökostrom geht verloren.“ Der Grund: Es fehlen ausreichend leistungsfähige Leitungen, um die Energie dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird.

„Es ist ungefähr so, als würde man aus einer sprudelnden Quelle trinken, aber an einem dünnen Stromhalm saugen“, so die SZ. Das merkt am Ende der Verbraucher auf der Rechnung: Die Netzbetreiber legen die Ausgleichszahlungen an Anlagenbetreiber auf den Stromkunden um.

Das sind die beiden Projekte – ruckzuck erklärt

Das sollen unter anderem die beiden Stromtrassen in Ostbayern ändern. Die TenneT-Experten Dr. Andreas Schieder, Markus Lieberknecht und Fabian Herbst stellen die Projekte vor. Grob gesagt: Der Sued-Ost-Link ist die Strom-Autobahn, die Solar- und Windstrom von Nord nach Süd und umgekehrt transportiert. 540 Kilometer von Schwerin/Magdeburg zu Isar II in Landshut. Vier Kabel in zwei Gräben. Jedes Kabel 15 Zentimeter dick. Ein Meter wiegt 41 Kilogramm.

Arbeiten für den Sued-Ost-Link. Foto: TenneT TSO GmbH
Arbeiten für den Sued-Ost-Link. Foto: TenneT TSO GmbH
Arbeiten für den Sued-Ost-Link. Foto: TenneT TSO GmbH
Erdarbeiten für den Sued-Ost-Link bei Pfreimd. Foto: TenneT TSO GmbH

Der Ostbayernring dagegen ist eine oberirdische Freileitung, die in kleiner Version bereits existiert. Sie wird verstärkt von 220 auf eine 380-kV-Höchstspannungsleitung. 180 Kilometer zwischen Redwitz und Schwandorf. Der Ostbayern-Ring verbindet die Umspannwerke in Ostbayern, darunter Etzenricht und Schwandorf. In die Erde kann diese Trasse nicht. Die Übertragungsverluste sind bei Wechselstrom zu groß (1 Prozent auf 1 Kilometer); es käme nichts an.

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Seilzug am Ostbayernring. Foto: TenneT TSO GmbH
Fundamentarbeiten für einen Masten des Ostbayernrings. Foto: TenneT TSO GmbH
Seilzug am Ostbayernring. Foto: TenneT TSO GmbH
Seilzug am Ostbayernring. Foto: TenneT TSO GmbH
Ostbayernring: Rückbau alter Leitungen. Foto: TenneT TSO GmbH
Seilzug am Ostbayernring. Foto: TenneT TSO GmbH
Seilzug am Ostbayernring. Foto: TenneT TSO GmbH

Anfangs aufgeheizte Stimmung in Bevölkerung und Politik

Beide Projekte stellen die Planer vor außergewöhnliche Aufgaben. Der Sued-Ost-Link muss nach öffentlichem Druck im Boden verkabelt werden. Heißt: „Jeder Meter muss gebaggert werden“, so TenneT-Mann Schieder.

Und da liegt so einiges im Weg: „Egal, was im Boden ist: Wir müssen da durch.“ Flüsse, Bahnlinien, Straßen. In Hof wurde Granit gesprengt. Bei Regensburg gab es archäologische Funde (Gräberfeld aus 2200 vor Christus). Größte Herausforderung war die Bohrung unter der Donau bei Pfattern.

Waldnaabtal: In wenigen Wochen Nachtseilzug geplant

Ja, Freileitungen gehen schneller und sind günstiger. Sie überspannen das Gelände. Nur alle 350 bis 400 Meter steht ein Masten. Aber auch da gibt es Tücken. Aktuelles Beispiel: das Waldnaabtal. Der Ostbayernring verläuft bei der A93 über das Waldnaabtal, in dem auch noch eine Bahnlinie verläuft. Üblicherweise wird während des Seilzugs über die Gleise ein Schutznetz gezogen. Das ist im Waldnaabtal aufgrund der extremen Hanglange nicht möglich.

Lieberknecht erklärt die Lösung, „wie ich sie in 15 Jahren bei der TenneT auch noch nicht erlebt habe“: Die A93 wird nachts auf ein paar hundert Metern hell beleuchtet. Dann werden die Kabel als Nacht-Seilzug eingezogen, weil zwischen 23 und 5 Uhr keine Züge fahren.

Trennung von Vinci Construction

Mit dem Ostbayernring ist man im Zeitplan. In diesem Sommer soll die Inbetriebnahme erfolgen. Beim Sued-Ost-Link könnte man weiter sein. An TenneT liegt es nicht. „Wenn der Sued-Ost-Link auch als Freileitung gebaut worden wäre, wäre er schon fertig“, sagt Schieder. Jetzt geht man von 2027 aus. Dazu kommt der Ärger mit Vinci. Mit Ersatzfirmen wird verhandelt.

Dann soll endlich gebaggert werden. Auf dem Abschnitt Marktredwitz bis Pfreimd werden vier bis sechs Kolonnen gleichzeitig unterwegs sein. Der Ablauf: Kabelschutzrohre werden verlegt, weitgehend über offene Grabebauweise. Die Leerrohre werden verfüllt. Dann erfolgt der Einzug der 1.700 Meter langen Kabelabschnitte über Winden.

Gebaut wird auf einer Breite von 45 Metern (20 im Wald). Der spätere Schutzstreifen ist 15 bis 20 Meter breit, er kann landwirtschaftlich genutzt werden. Am Ende steht die Wiederherstellung und Schadensregulierung. Landwirte sind schon vorab mit Entschädigungen abgefunden worden.

Kritik leise geworden

Ohnehin: Die Kritik ist leiser geworden. Selbst der BUND hat vor zwei Jahren eingeräumt, dass am Sued-Ost-Link kein Weg vorbeiführt. Bei TenneT legt man Wert darauf, immer ehrlich kommuniziert zu haben. Das habe sich am Ende ausgezahlt, sagt Lieberknecht. „Je konkreter das Projekt wird, umso mehr merken die Menschen: Das geht alles seinen sicheren Gang.“ Entschädigungen fließen, das Land wird rekultiviert.

Auch die Notwendigkeit der Energieleitungen werde seltener in Frage gestellt. Spätestens, seit der Ukraine-Krieg die Frage nach der Resilienz der Bundesrepublik Deutschland aufwirft. Schieder: „Viele haben kapiert, dass das ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag ist. Es geht um Versorgungssicherheit und Netzertüchtigung.“

KI: Stromverbrauch steigt extrem

Gebraucht würde der Strom wie nie zuvor: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz treibt den Verbrauch auf die Spitze. In Frankfurt baut TenneT derzeit vier Umspannwerke – für ein Rechenzentrum. Schieder: „Das ist eine fundamentale Entwicklung, die mit der Bedeutung der Dampfmaschine zu vergleichen ist.“

Am Freitag Infonachmittag mit Podiumsdiskussion in Weiden

Am Freitag findet im Erdkabelinformationszentrum Am Forst 6 in Weiden (Autobahn-Ausfahrt Weiden-Nord, nahe ATU) eine Informationsveranstaltung mit interessanter Podiumsdiskussion statt.

Auf dem Podium: Lena Salm (Head of System Design bei TenneT), Richard Röck (Bereichsleiter Geschäftsbereich Energie, Innovation, Umwelt und Industrie bei der IHK Regensburg), Thomas Sparrer (Technische Verwaltung Porzellanfabriken Christian Seltmann GmbH) und Marian Rappl (Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft – VBEW).

Um 16 Uhr beginnt das Programm mit einem Impulsvortrag von Lena Salm, dann wird diskutiert. Geöffnet ist ab 15.30 bis 18.30 Uhr.

TenneT lädt am 13.03. zur Podiumsdiskussion Stromnetz der Zukunft nach Weiden ein

TenneT lädt am 13.03. zur Podiumsdiskussion Stromnetz der Zukunft nach Weiden ein

[Advertorial] Weiden. Wie sieht das Energiesystem von morgen aus? Und welche Voraussetzungen braucht es dafür? Fragen wie diese betreffen uns längst ganz konkret in unserem Alltag. Versorgungssicherheit, bezahlbare Energie, Wettbewerbsfähigkeit und das Gelingen der Energiewende hängen daran, wie wir unser Stromnetz weiterentwickeln. Zum Abschluss der Themenreihe „Hinter den Kulissen des SuedOstLink“ möchten die Verantwortlichen am Freitag, 13. März, genau darüber mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen.