Bauch schlägt Kopf: Wie Werbung funktioniert

Weiden. Ohne Werbung ist modernes Wirtschaften unvorstellbar – wie sie gelingt, erläuterte Werbeprofi und Agenturchef Florian Schläger aus Weiden auf einer Veranstaltung der Wirtschaftsjunioren Nordoberpfalz.

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Florian Schläger räumte mit gängigen Vorteilen über Werbung gründlich auf.

Geschmacks- oder Glaubenssache? Gibt es wirklich einen wahrnehmbaren Unterschied zwischen dem Mineralwasser, das 49 Cent pro Liter kostet und dem für 1,19 Euro? Oder spielt nicht das Etikett, das auf der Flasche klebt, die weitaus größere Rolle als der Inhalt? Das gilt vielleicht im Privatbereich, doch im Geschäftsleben? Da zählen ausschließlich Preis und Leistung, oder? Nicht unbedingt. Der Weidener Diplom-Kommunikationswirt Florian Schläger, kennt die Geheimnisse des erfolgreichen Werbens: „Es ist ein Fehler, im Geschäftsleben die anderen nur als steife Krawattenträger wahrzunehmen. Tatsächlich reagieren wir auch im Beruf auf dieselben Reize wie im Privatleben.“

Erfolgreich, sexy und glücklich

Große Firmen haben das erkannt – und setzen alle Aspekte der Werbepsychologie gekonnt in ihrer Kampagnen in Szene. So etwa SAP. Wenn der Softwarehersteller Geschäftskunden anspricht, dann tut er das neuerdings mit einem Video, in dem attraktive, moderne, junge Menschen dank SAP-Software überaus erfolgreich ihren Job ausüben. Sie sprühen vor Begeisterung im Team, wenn sie prognostizieren, was ihre noch attraktivere Kundin in sechs Monaten tun wird. Sie beweisen ganz außerordentlichen Sinn für Humor, sind wahnsinnig locker und haben nicht nur Erfolg, sondern offensichtlich auch großen Spaß an ihrem Job. Alles ist unglaublich einfach, so einfach wie schon allein der Name des Ganzen: „Run Simple“.

Die Bilder der Geschichte wirken wie ein Versprechen auf einen potenziellen Kunden, der doch eigentlich ein so komplexes Produkt wie eine Software kaufen soll und schlicht nach Pflichtenheft entscheidet – oder auch nicht. „Werbung funktioniert durch die Hintertür“, erklärte Schläger und machte gleichzeitig Mut: „Jeder, aber auch wirklich jeder kann eine Marke sein.“

Regionale Marken schaffen

Dafür sei es wichtig sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, die Persönlichkeit des Unternehmens nach außen zu kehren und die Marke aus dem individuellen Wertekatalog zu entwickeln. Ganz wesentlich sei außerdem, klar auszumachen, wen man erreichen wolle. Dann klappt es auch bei einem kleineren Budget eine regionale Marke aufzubauen oder in einem Spezialmarkt sichtbarer zu werden.

In einer Zeit in der Produkte und Leistungen vielfach nur noch über den Preis unterscheidbar seien, warnte Schläger davor, sich am Preiswettbewerb zu beteiligen. Dieser könne nur zu einer Abwärtsspirale führen, letztlich zulasten der Qualität. Viel besser sei es, den Wert der eigenen Produkte und Dienstleistungen durch intelligentes Marketing in der Wahrnehmung des Kunden anzuheben.

Die Wirtschaftsjunioren und auch die zahlreichen Gäste konnten die vielen Denkanstöße mit einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Branchen, Märkten und Gesetzmäßigkeiten abgleichen. Bei der Gelegenheit durften auch viele die Zukunftsfähigkeit ihres Internetauftritts direkt auf Herz und Nieren prüfen. Die Teilnehmer sollten dazu ihre Websites über ihre Smartphones aufrufen. Zoomen? Scrollen? Alles nicht gut, so Schläger. Künftig werde der potenzielle Kunde nämlich den ersten Kontakt zu einem Unternehmen immer stärker über ein Mobilgerät und die Homepage suchen. Ob alle Webseiten der Anwesenden schon darauf ausgerichtet waren, blieb im Dunklen.

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Handys waren bei diesem Vortrag ausnahmsweise erlaubt, ja sogar erwünscht – zum Selbsttest.

Anders als alle Anderen

Fast schon wie vom grellen Licht der Reklame angestrahlt wirkte dagegen der Schlussappell von Schläger: „Kehren Sie Ihren Mehrwert nach außen, machen Sie was aus dem, weshalb die heutigen Kunden schon bei Ihnen sind und erzählen Sie es künftigen, Hauptsache Sie beherzigen die vier „A“s des Marketings: ‚Anders als alle anderen.’“

Die Veranstaltung zum Thema Werbung fand im Steinstadel des Landrichterschlosses in Parkstein statt und war Teil der Reihe „Zur Sache, Junioren“. Im Rahmen dieser Reihe diskutieren die Wirtschaftsjunioren Nordoberpfalz gemeinsam mit Gästen regelmäßig wichtige Themen aus dem unternehmerischen Tagesgeschäft. Dabei informieren Mitglieder aus ihrem Arbeitsfeld und geben Tipps zu konkreten Fragestellungen.

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