Teichwirtschaft und Naturschutz ringen um Waldnaabaue in Tirschenreuth
Teichwirtschaft und Naturschutz ringen um Waldnaabaue in Tirschenreuth
Dass die Natur in der Oberpfalz einmalig und damit auch besonders schützenswert ist, steht außer Frage. Doch das Wie ist oft umso strittiger. Genau deshalb haben der Bezirk Oberpfalz und der Fischereiverband zu einem Expertentreffen eingeladen.
Wer die 100 Stufen der Tirschenreuther Himmelsleiter hinaufsteigt, wird mit einem Panorama belohnt, das man nicht schöner malen könnte. Tiefblau spiegelt sich der Himmel in den Teichen, sie glitzern in der Sonne und reihen sich wie Perlen aneinander. Die Waldnaab schlängelt sich Schleife um Schleife durch Weideland. Hier grast am Horizont eine Rinderherde, der Herbst hat die Säume der umliegenden Wälder in Gelb- und Orangetöne getaucht. Doch was der Betrachter nicht auf Anhieb sieht: Dieser kostbare Naturschatz gerät immer mehr in Bedrängnis.
Darauf machten kürzlich Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Fischereiverbandspräsident Hans Holler, die Teichwirtschaftsexperten Hans Klupp und Franz Kühn sowie Landwirt Josef Schmidt aufmerksam. Seit 2020 bringen Bezirk und Fischereiverband regelmäßig verschiedene Interessenvertreter zu Fachgesprächen zusammen. „Fisch schafft Landschaft und Landschaft schafft Fisch“ heißt die Veranstaltungsreihe, die die schützenswerten Ökosysteme der Oberpfalz, aber auch die Herausforderungen dabei beleuchten will.
Teichwirtschaft erhält und pflegt besonderes Habitat
Fisch schafft Landschaft: Nirgends werde das deutlicher als in der Waldnaabaue, betonte Löffler. In dem Gebiet müssten mit Fischzucht, Landwirtschaft, Ökologie und Freizeitgestaltung mehrere Aspekte in Einklang gebracht werden. Doch laut Löffler braucht es ein größeres Bewusstsein dafür: „Wenn die Teiche nicht mehr da sind, verlieren wir letztendlich alle! Es waren die Menschen, es waren Teichwirte, die vor mehr als 1.000 Jahren diese Gewässer angelegt haben. Und sie bis heute durch ihre Arbeit und Pflege erhalten. Es ist ihr Verdienst, dass wir heute auf eine Kulturlandschaft ersten Ranges blicken, die viele extrem seltene Tier- und Pflanzenarten beheimatet. Deshalb müssen wir aufpassen, dass unseren Teichwirten keine zusätzlichen Steine in den Weg gelegt werden.“
Klimawandel und Prädatoren setzen Fischzüchtern zu
Welche Herausforderungen ihnen zusetzen, legte Franz Kühn dar. Als Teichwirt aus Tirschenreuth sowie begeisterter Fahrradfahrer und Mountainbike-Führer treibt ihn die Zukunft der Waldnaabaue in mehrerlei Hinsicht um. Als Fischzüchter wegen des Klimawandels: „Wir haben immer öfter Starkregen, gefolgt von längeren Trockenphasen.“ Die Wasserknappheit sei schon jetzt spürbar.
Zweites Problem seien die Fressfeinde, insbesondere Kormoran und Fischotter. Die Waldnaabaue ist Vogelschutzgebiet und somit Heimat vieler fischfressender Vögel. Die Fressfeinde von den Teichen fernzuhalten, macht viel Arbeit – wenn es denn überhaupt möglich ist. Denn beim Fischotter ist eine Entnahme derzeit verboten.
„Aber die Schäden durch den Otter sind einfach zu groß. Nicht nur an den Fischen, auch insgesamt an der Natur. Der Fischotter räumt nicht nur die Teiche aus, sondern geht auch an die Vogelgelege. Wir beobachten einen Rückgang der Bestände, unter anderem von Rote-Liste-Arten – sei es Moorfrosch, Kreuzotter, die diversen Wasservögel.“
Wie die Teichwirtschaft erhalten? Zukunftsstrategie ist in Arbeit
Dem pflichtete Hans Klupp bei. Tochter Anna Klupp eingerechnet, bewirtschaftet seine Familie bereits in fünfter Generation einen 800 Jahre alten Hof mit 40 Hektar Karpfenteichen. Seit Jahren setzt er sich für den Erhalt der Karpfenteichwirtschaft ein, war unter anderem an ihrer Eintragung als Immaterielles Kulturerbe beteiligt. „Eine funktionierende Teichwirtschaft ist Grundvoraussetzung für den Erhalt dieses Gebiets“, sagte er. Deshalb sei gerade eine Zukunftsstrategie für die Tirschenreuther Teichwirtschaft in Arbeit. Sie soll anhand wissenschaftlicher Daten konkrete Maßnahmen ableitbar machen, die Tradition zu erhalten und weiterzuentwickeln. „In dem Zuge möchten wir uns auch für eine Eintragung als Globally Important Agricultural Heritage System bewerben“, so Klupp.
Eine weitere Perspektive brachte Josef Schmidt ein, dritter Landrat im Kreis Tirschenreuth und Bewirtschafter des Projekts Wilde Weiden. Die Ansiedlung von Rotem Höhenvieh sowie Wasserbüffeln sei ein Versuch, die Natur des Gebiets zu erhalten und zu befruchten. Das Projekt fußt auf Studien und wird wissenschaftlich begleitet. Unter anderem von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks, um der Frage nachzugehen: Beeinflussen die Tiere das Leben und die Angelfischerei in der Waldnaab eher negativ – etwa durch Nährstoffeintrag und Uferabtritt – oder sogar positiv, indem sie durch ihre Landschaftspflege für die Wiederansiedlung von Bäumen am Ufer sorgen, die den dringend nötigen Schatten spenden?
„Es geht um Wertschätzung, darum, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen und das Bewusstsein für die Bedeutung der Teichwirtschaft in der breiten Öffentlichkeit zu schaffen“, fasste der Bezirkstagspräsident das Ziel der Veranstaltung zusammen und dankte allen Rednern für ihre Fachbeiträge und ihr Wissen um diese Kulturlandschaft von höchster biologischer Wertigkeit.
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