Cube-Hochregallager und Ortsumgehung: Waldershof bekommt ein neues Gesicht
Cube-Hochregallager und Ortsumgehung: Waldershof bekommt ein neues Gesicht
Waldershof bekommt eine neue Silhouette. Wo am Firmensitz des Fahrradherstellers Cube bislang vor allem Hallen und Parkflächen das Bild prägten, wächst ein gewaltiges Hochregallager: 37 Meter hoch, 160 Meter lang und 46 Meter breit soll das Gebäude werden. Es zählt damit zu den markantesten Gewerbebauten der Region. Die Fertigstellung ist für Ende 2027 vorgesehen.
Gleichzeitig hat sich die Verkehrssituation grundlegend verändert: Die 45 Millionen Euro teure Ortsumgehung an der Staatsstraße 2177 wurde im 6. August nach knapp sechs Jahren Bauzeit und damit ein Jahr früher als geplant für den Verkehr freigegeben. Beide Projekte stehen für die Entwicklung der Stadt – als wichtiger Wirtschaftsstandort und als Verkehrsknotenpunkt zwischen Marktredwitz und der Autobahn A 93.
Mehr als 40 Jahre hat’s gedauert
„Nach mehr als 40 Jahren von den ersten Planungen bis zur offiziellen Verkehrsfreigabe ist es endlich geschafft. Das ist ein echter Meilenstein für unsere Stadt und die gesamte Region“, freute sich Bürgermeisterin Margit Bayer bei der Verkehrsfreigabe vor wenigen Tagen. MdEP Christian Doleschal stimmte ein: „Mit der Eröffnung der Ortsumgehung Waldershof geht ein bedeutender Meilenstein für die Infrastruktur in Betrieb.“ Von der Maßnahme profitiere nicht nur Waldershof, sondern auch der gesamte Landkreis Tirschenreuth, die Oberpfalz, Oberfranken und die Region im Herzen Europas.
Ein Lager, das in die Höhe wächst
Die Dimensionen des Cube-Projekts sind beeindruckend. Rund 1000 Bohrpfähle bilden die Grundlage für den Neubau. Die Fassade des Hochregallagers als Silhouette des Fichtelgebirges ist jetzt schon, obwohl noch nicht ganz fertiggestellt, ein Blickfang. Im Inneren sollen künftig knapp 50.000 Europalettenplätze zur Verfügung stehen. Das Lager wird vollautomatisch betrieben: Regalbediengeräte können Paletten auf beiden Seiten eines Fahrgangs in jeweils zwei hintereinanderliegenden Regalreihen ein- und auslagern. Das spart Fläche und schafft zusätzliche Kapazität auf dem begrenzten Firmengelände. Der Bedarf ist eng mit dem Wachstum des Unternehmens verbunden. Cube produziert am Standort Waldershof nach eigenen Angaben jährlich mehr als eine Million Fahrräder und Pedelecs. Mit dem neuen Lager sollen mehrere bisherige Außenlager schrittweise überflüssig werden. Die Standorte Hof, Oberkotzau, Röslau und Trabitz sowie kleinere Außenstellen sollen aufgelöst werden. Lorenzreuth mit einer Fläche von 11.500 Quadratmetern bleibt dagegen bestehen.
Die Investition wird mit rund 40 Millionen Euro beziffert. Neben dem Hochregallager gehören dazu ein weiteres automatisiertes Kleinteilelager, die Verbindungsbrücke zur Montagehalle sowie zusätzliche Parkflächen und ein Regenrückhaltebecken. Cube will damit den Standort langfristig stärken und durch kürzere Transportwege Hunderttausende Lkw-Kilometer einsparen.
Eine Kletterwand für die Öffentlichkeit
Das Bauwerk soll nicht nur dem Unternehmen dienen. An seiner Westseite ist eine rund 30 Meter hohe, öffentlich zugängliche Kletterwand vorgesehen. Dafür plant Cube mit einer Investition von etwa einer Million Euro. Vorgesehen sind zahlreiche Routen und Überhänge für unterschiedliche Leistungsstufen – vom Einstieg bis zum anspruchsvollen Klettersport. Die Kletterwand ist auch eine Reaktion auf die Diskussionen rund um die ersten Entwürfe.
Die Höhe des Gebäudes und seine Wirkung auf das Landschaftsbild hatten in Waldershof Fragen und auch Proteste ausgelöst. Das Unternehmen und die Planer überarbeiteten deshalb ihre Vorstellungen. Statt einer weitgehend anthrazitfarbenen Fassade wird das Gebäude jetzt in Grau- und helleren Farbtönen gestaltet. Eine grafische Darstellung der Kösseine stellt den Bezug zur Landschaft her und hellt die Fassade nach oben optisch auf.
Täglich mehr als 12.500 Fahrzeuge
Während Cube seine Logistik neu organisiert, profitieren Autofahrer bereits von der neuen Umgehungsstraße. Bislang rollten täglich mehr als 12.500 Fahrzeuge durch Waldershof. Lärm, Abgase und dichter Durchgangsverkehr belasteten die Innenstadt und die Anwohner. Die neue Strecke verlagert einen großen Teil dieses Verkehrs aus dem Ortskern und verbessert zugleich die Verbindung zur A 93 und nach Marktredwitz.
Die Ortsumgehung ist rund 3,4 Kilometer lang. Für das Projekt investierte der Freistaat Bayern rund 45 Millionen Euro. Sieben Brückenbauwerke waren notwendig, darunter eine Eisenbahnbrücke für die Strecke Nürnberg–Schirnding. Das 63 Meter lange und 4250 Tonnen schwere Bauwerk wurde neben der Bahntrasse errichtet und anschließend an seinen endgültigen Platz eingeschoben. Der Bahnverkehr konnte bereits nach vier Tagen wieder planmäßig rollen.
Ortsumgehung verursacht gemischte Gefühle
Besonders sichtbar wird das Zusammenspiel der beiden Vorhaben im Bereich des Cube-Geländes. Die neue Umgehungsstraße führt zwischen den Hallen des Fahrradherstellers hindurch. Über ihr verläuft eine rund 85 Meter lange Verbindungsbrücke, über die künftig Material zwischen den Gebäuden transportiert werden kann. Damit rücken die neue Verkehrsinfrastruktur und die moderne Logistik unmittelbar zusammen.
Für Waldershof bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel: Die Innenstadt soll vom Durchgangsverkehr entlastet werden, während Cube seine Lagerkapazitäten direkt am Produktionsstandort bündelt. Mit der geplanten Kletterwand könnte darüber hinaus ein öffentliches Freizeitangebot entstehen, das Besucher auch über die Region hinaus anzieht. Die Ortsumgehung wird dennoch nicht von allen so positiv gesehen. Vor allem einige Waldershofer Einzelhändler befürchten deutliche Einbußen durch den zu erwartenden starken Rückgang des Durchgangsverkehrs.












