Experte macht sich Sorgen um die Impfakzeptanz

Nordoberpfalz. Wegen der hochansteckenden Omikron-Variante hat man in Berlin die Haltbarkeitsdauer des Genesenenstatus drastisch reduziert. Nach den neuen Quarantäneregeln, die nächste Änderung innerhalb kürzester Zeit. Infektiologe Professor Dr. Bernd Salzberger befürchtet: "Irgendwann blicken die Leute nicht mehr durch."

Professor Dr. Bernd Salzberger kritisiert die ständigen Änderungen der Pandemieregeln durch die Politik. Foto: Universitätsklinikum Regensburg

Karl Lauterbach und sein Bundesgesundheitsministerium haben jetzt wieder für eine Überraschung gesorgt. Angesichts der hochansteckenden Omikron-Variante wird der Genesenenstatus nach unten korrigiert. Galt bislang ein Coronapatient nach überstandener Infizierung sechs Monate lang als genesen, reduziert sich diese Zeitspanne auf ein Vierteljahr. Auswirken könnte sich diese Entscheidung auch auf die Gastrobranche, die nur geimpfte und genesene Gäste begrüßen darf.

Neue Regelung ist nicht unvernünftig

Diese Regelung hält der Regensburger Infektiologe, Professor Dr. Bernd Salzberger grundsätzlich nicht für „unvernünftig“. „Die Immunität sowohl bei den Geimpften, als auch bei den Genesenen lässt schneller nach“, betont er. Was ihn allerdings stört, sind die ständigen Änderungen, die die Politik in der Pandemie vornimmt. Erst werden die Quarantäneregeln neu festgelegt, jetzt werde der Genesenenstatus neu definiert, erläutert Salzberger.

Wenn es, wie von einzelnen Bundesländern vorgeschlagen, auch noch Übergangsfristen geben wird, befürchtet der Infektiologe, „dass die Leute nicht mehr durchblicken und die Impfstrategie an Akzeptanz verliert.“

Kein Grund zur Panik

Wer zweimal geimpft und genesen war, der hatte denselben Status, wie jemand, der nach zwei Impfungen sich noch mal boostern ließ. Er hatte also genügend Schutz, um auf den neuen, der Omikronvariante angepassten Impfstoff warten zu können, der schon ab März zur Verfügung stehen könnte. Mit der zeitlichen Halbierung des Genesenenstatus‘ klafft aber jetzt eine Immunitätslücke.

Wie sollen sich nun aber die Betroffenen verhalten? Sich sofort einen Impftermin geben lassen? Salzberger winkt ab: „Wer zweimal geimpft und genesen ist, kann abwarten“. Wer nur einmal geimpft und genesen ist, dem rät der Experte, die Impfserie zu vervollständigen. Wer aber nur genesen ist und bislang keinen „Pieks“ bekommen hat, dem empfiehlt der Infektiologe: „Jetzt aber flott impfen lassen.“

Leute warten auf den neuen „Totimpfstoff“

Überrascht von der Ankündigung aus Berlin, war man auch im Weidener Impfzentrum. Doch für einen möglichen Impfandrang der Genesenen wäre man in der Max-Reger-Stadt gerüstet. Aktuell beträgt dort die Auslastung gerade einmal 30 Prozent. Dass die Leute momentan eine gewisse Impfunlust verspüren, mag auch mit dem angekündigten neuen Totimpfstoff des Herstellers Novovax zu tun haben.

Im Gegensatz zu Biontech oder Moderna ist dieses Vakzin proteinbasiert und enthält keine Erbinformation wie mRNA. „Das Interesse daran ist jetzt schon groß“, betont Impfzentrum-Leiter Sebastian Seibert. Anfang Februar soll Nuvaxovid auch in der Max-Reger-Stadt zur Verfügung stehen.

Gastronomie hofft auf eine Übergangsregelung

Beim bayerischen Hotel- und Gaststättenverband muss man erst abwarten, ob sich die geringere „Haltbarkeitsdauer“ des Genesenenstatus auf die Gästezahlen auswirken wird. Man hoffe aber, dass es zu den bereits geforderten Übergangsfristen für die Genesenen kommen wird, sagt der Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert. „Aktuell machen wir uns eher Gedanken darüber, wie unsere Mitgliedsbetriebe das überhaupt überprüfen sollen“, betont er.

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