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ARV Oberpfalz
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Tödliche Grenze: Volles Haus bei Buchpremiere mit Zeitzeugen

Weiden. Der Saal im Kulturzentrum Hans Bauer war am Mittwochabend bis auf den letzten Platz besetzt. Das Interesse an Christine Ascherls neuem Buch "Tödliche Grenze zwischen Ostblock und Oberpfalz" über spektakuläre Fluchtgeschichten am Eisernen Vorhang war riesig. Vor Ort: Zeitzeugen, auch aus Tschechien.

Weiden. Der Saal im Kulturzentrum Hans Bauer war am Mittwochabend bis auf den letzten Platz besetzt. Das Interesse an Christine Ascherls neuem Buch "Tödliche Grenze zwischen Ostblock und Oberpfalz" über spektakuläre Fluchtgeschichten am Eisernen Vorhang war riesig. Vor Ort: Zeitzeugen, auch aus Tschechien.
Strahlende Gesichter bei der Buchpräsentation von Christine Ascherls neuem Buch "Tödliche Grenze". OB Benjamin Zeitler, Verlagsleiter Josef Roidl, Stadtarchivar Dr. Sebastian Schott freuen sich mit Autorin Christine Ascherl über die gelungene Aufarbeitung einer dunklen Zeit an der tschechischen Grenze (von links). Foto: Martin Stangl

Tödliche Grenze: Volles Haus bei Buchpremiere mit Zeitzeugen

Dr. Sebastian Schott, Leiter des Stadtarchivs und Stadtmuseums Weiden, erinnerte in seiner Begrüßung an die jahrhundertelangen Verbindungen zwischen der Oberpfalz und Westböhmen. Diese wurden vom Eisernen Vorhang brutal unterbrochen. Besonders hob er die Botschaft hervor, die für ihn in den tragischen Fluchtgeschichten steckt: Sie seien ein Zeichen der Hoffnung, weil sie zeigten, „dass sich Menschen nicht auf Dauer einsperren lassen“, sondern der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben in Freiheit am Ende die Oberhand behalte.

Lob für die Autorin vom Verlagsleiter

Bevor die spannende Lesung mit verteilten Rollen begann, ließ es sich der Verlagsleiter des Battenberg-Bayerland-Verlags, Josef Roidl, nicht nehmen, ans Mikrofon zu treten und augenzwinkernd sein Leid als Verlagsleiter mit den Autoren zu beklagen: „Das Verlagsleben wäre so schön, wenn es nur keine Autoren geben würde“, so seine Aussage, die im Publikum für Heiterkeit sorgte. Er fing allerdings sein humorvolles Statement gekonnt wieder ein, als er auf Christine Ascherl zu sprechen kam: „Es gibt aber eine einzige Ausnahme und die steht neben mir.“

Er berichtete über die hervorragende Zusammenarbeit mit der Weidener Journalistin, die in kurzer Zeit nun drei Bücher veröffentlicht hat. Besonders hob er dabei das Buch „Jüdische Familien – Schicksale hinter den Stolpersteinen in Weiden in der Oberpfalz“ heraus, das sogar von der größten italienischen Tageszeitung Corriere della Sera mit großem Lob bedacht wurde.

Flucht im Spurt: Zeitzeuge Pavel Fidermak als Ehrengast

Die Besonderheit der Lesung: Es waren Zeitzeugen vor Ort. Allen voran Künstler Pavel Fidermak mit seiner Frau Ludmilla: Der Tscheche war im Alter von 22 Jahren 1968 über die Grenze bei Waidhaus gelaufen. Den „Spurt seines Lebens“ hatte NT-Fotograf Heinz Hoffmannbeck fotografiert, der damals mit Redakteur German Vogelsang, dem späteren Verleger, am Grenzübergang Rozvadov-Waidhaus vor Ort war. Es war der 21. August 1968, der Tag der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings. Er habe sich vor einem Krieg gefürchtet, erklärte Fidermak bei der Lesung und sei deshalb „völlig spontan und ungeplant“ losgelaufen.

Einen engen Bezug zu einer Flucht hatte ein Gast aus Bonn: Dr. Roland Horn, begleitet von seinem Sohn Elmar. Er war ein enger Freund von Wolfram und Hanna Bickerich, die 1964 Schlagzeilen machten. Der Student aus Westberlin raste in Waidhaus mit einem Sportwagen unter dem Schlagbaum durch – im Kofferraum lag seine Verlobte Hanna aus Ost-Berlin. Bei dem sehr flachen Austin Healey Sprite war zudem die Windschutzscheibe abmontiert.

Flugzeugentführung kommt auf die Bühne

Thema war auch die Flugzeugentführung von Latsch 1982. Zehn junge Tschechoslowaken – sieben Männer, drei Frauen – zwangen damals eine Passagiermaschine zur Kursänderung und Landung bei Weiden. Eine der Frauen hatte ein einjähriges Kind dabei. Gast bei der Lesung war Ingrid Burckhardt aus Weiden, die Frau, die mit ihrem Mann damals spontan das einjährige Kleinkind einer der Entführerinnen bei sich aufgenommen hatte. Christine Ascherl sprach von einem „bemerkenswert großem Herzen“.

Witron – Koch und Servicekraft gesucht
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Neuigkeiten gab es auch: Die Flugzeugentführung von Latsch kommt auf die Bühne. Unter dem Titel „Vier Minuten West“ planen regionale Theatermacher – Kathi Stangl, Doris Hoffmann, Daniel Grünauer und Andreas Merz – zehn Aufführungen am Originalschauplatz, dem Hangar in Latsch. Die Fördermittel dafür sind bereits bewilligt.

Die Lesung war begleitet von zahlreichen Fotos und kurzen Filmen: aus CSSR-Archiven, von bayerischen Grenzbeamten und früheren Pressefotografen. Stefan Voit las Passagen aus dem Buch. Christine Ascherl dankte für den fachlichen Input besonders Reinhold Balk aus Hahnbach. Er war 42 Jahre beim Bundesgrenzschutz, der späteren Bundespolizei, tätig. Sein Wissen um die Grenze und sein Privatarchiv seien „in der Region einzigartig“.

Weitere Lesungen aus „Tödliche Grenze“

27. Oktober, 18.30 Uhr: Pressath, Buchhandlung Bodner

30. Oktober, 20 Uhr: Gleiritsch, Dorfcafé KaffeeZeit (Brotzeiten ab 18 Uhr)

6. November, 20 Uhr: Bärnau, Gasthof zur Post

7. November, 14 Uhr: Schirnding, Grenzmuseum, gemeinsam mit Reinhold Balk

13. November, 19.30 Uhr: Waidhaus, Gemeindezentrum

19. November, 18.30 Uhr: Tirschenreuth, Buchhandlung Bodner

Dr. Sebastian Schott bei der Einführung zur Buchvorstellung. Foto: Martin Stangl
Josef Roidl, Verlagsleiter des Battenberg Bayerland Verlags. Foto: Martin Stangl
Autorin Christine Ascherl. Foto: Martin Stangl
Stefan Voit las Passagen aus dem Buch. Foto: Martin Stangl
Volles Haus bei der Buchvorstellung „Tödliche Grenze“ mit über 100 Zuhörern im Alten Schulhaus. Foto: Martin Stangl
Pavel Fidermak im Interview. Foto: Martin Stangl
Autorin Christine Ascherl mit Zeitzeuge Pavel Fidermak. Foto: Martin Stangl
„Tödliche Grenze“, erschienen im Battenberg Bayerland Verlag. Foto: Martin Stangl
Buchvorstellung „Tödliche Grenze“ im Alten Schulhaus: (von links) OB Benjamin Zeitler, Verlagsleiter Josef Roidl, Stadtarchivar Dr. Sebastian Schott, Christine Ascherl. Foto: Martin Stangl
Drei Bürgermeister bei der Buchvorstellung: (von links) Bürgermeister Stephan Gollwitzer, Autorin Christine Ascherl, OB Benjamin Zeitler, Bürgermeister Jürgen Meyer. Foto: Martin Stangl