Vorurteile abbauen und soziale Kompetenz steigern

Erbendorf. „Menschen mit Behinderung sind doch eigentlich ganz normal“ diese banale Erfahrung machten jetzt Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Erbendorf bei einem Projektnachmittag zum Thema „Inklusion“. Mit welchen Schwierigkeiten aber Menschen mit Handicap im täglichen Leben oftmals konfrontiert sind, konnten die Sechstklässler am eigenen Leib erleben.

Von Roland Wellenhöfer

Inklusion Unterricht Mittelschule Erbendorf
Vorurteile abbauen und die eigene soziale Kompetenz steigern: Bei einem Projekttag zum Thema Inklusion lernten die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Erbendorf den Umgang mit Menschen mit Behinderung. Angeleitet wurden sie dabei von Mitarbeitern der „Offenen Hilfen“ des HPZ Irchenrieth und der „Offenen Behinderten Arbeit“ und dem „Netzwerk Inklusion“ der Lebenshilfe Mitterteich.

Durchgeführt wurde der etwas andere Unterricht von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der „Offenen Hilfen“ des HPZ Irchenrieth und der „Offenen Behinderten Arbeit“ und dem „Netzwerk Inklusion“ der Lebenshilfe Mitterteich.

Den Einstieg in die Thematik machte Lehrer Bernhard Reis, der den Kindern einen Dokumentarfilm über eine Mutter, die zwei behinderte Kinder hat, zeigte. Die Schülerinnen und Schüler sprachen auch über eigene Erfahrungen und über die Ursachen von Behinderungen.

Blindes Vertrauen ist wichtig

Spielerisch lernten die Schülerinnen und Schüler sich in Menschen mit Behinderung hineinzudenken. In einem „Parcours der Sinne“ simulierte eine undurchsichtige Brille eine Sehbehinderung. Darum mussten sie sich nur auf ihr Gehör, ihren Tast- und Geruchssinn und auf ihre Schulkameraden verlassen. An einzelnen Stationen versuchten sie allein durch den Tastsinn Figuren zu erkennen, verschiedene Gerüche wiederzuerkennen oder bei einem Memoryspiel unterschiedliche Oberflächen und Strukturen zu erfühlen. An einer anderen Station mussten sie sich „blind“ einen Ball zuwerfen. Einzige Orientierung: Ein kleines Glöckchen im Inneren des Balles. „Blind vertrauen“ mussten sie sich auf ihre Schulkameraden als sie mit verbundenen Augen durchs Schulhaus gingen.

Kleine Kante, großes Hinderni

Dass selbst eine niedrige Bordsteinkante für einen Rollstuhlfahrer ein unüberwindbares Hindernis darstellen kann und wie man selber behinderten Menschen helfen kann, erfuhren die Kindern auf den Hindernisparcours im Pausenhof. Den Sechstklässlern machte dieser Selbsterfahrungstrip im Rolli sichtlich Spaß. Schulleiter Peter Preisinger zeigte sich überzeugt, dass seine Schülerinnen und Schüler durch den Projektnachmittag sehr viel an sozialer Kompetenz hinzugelernt haben. Inklusion sei an der Erbendorfer Grund- und Mittelschule kein Fremdwort. Er weiß, dass Kinder – anders als Erwachsene – unbefangener mit dem Thema umgehen.

Und diese Aussagen bestätigen auch die Sechstklässler selbst:

Wir haben gelernt, dass man Behinderte wie erwachsene, normale Menschen behandeln soll, weil sie sich sonst minderwertig fühlen.

Inklusion Unterricht Mittelschule Erbendorf
Parcours der Sinne: Hier mussten die Schüler verschiedene Gerüche wiedererkennen.
Inklusion Unterricht Mittelschule Erbendorf
„Blind vertrauen“ muss man seiner Schulkameradin wenn man selbst nichts sieht. Im Hintergrund Robert Götz, ehrenamtlicher Mitarbeiter der „Offenen Hilfen“ vom HPZ Irchenrieth.
Inklusion Unterricht Mittelschule Erbendorf
Spielerisch erlernen die Sechstklässler im Projektunterricht den richtigen Umgang mit Menschen mit Behinderung.
Inklusion Unterricht Mittelschule Erbendorf
Das Schicksal einer Frau, die selbst zwei behindert Kinder hat, bewegte die Schüler. Gespannt schauten sie den Dokumentarfilm an.
Inklusion Unterricht Mittelschule Erbendorf
Wie schwierig es ist, sich mit einer Behinderung im täglichen Leben zurechtzufinden, wissen jetzt die Schüler der 6. Klasse der Mittelschule Erbendorf.

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