Hohe Haftstrafe: Landgericht Weiden schickt Testamentsfälscher für 7 Jahre hinter Gitter
Hohe Haftstrafe: Landgericht Weiden schickt Testamentsfälscher für 7 Jahre hinter Gitter
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Revision ist möglich.
Was mit dem Traum vom Millionenerbe begann, endete jetzt mit einer hohen Haftstrafe. Ingmar G. (61), der sich jahrelang von mehreren Frauen finanziell aushalten ließ, hat zu hoch gepokert. Der Aufmerksamkeit eines Nachlasspflegers und mehrerer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Amtsgericht Weiden ist es zu verdanken, dass der Fall überhaupt ins Rollen kam.
Ungewöhnliches Verhalten machte Misstrauisch
Nachdem der arbeitslose Landschaftsingenieur bereits einen Tag nach dem Suizid seiner Lebensgefährtin am Nachlassgericht aufgetaucht war, schrillten die Alarmglocken. Das vorgelegte Testament erschien zweifelhaft, die Amtsrichterin schaltete die Staatsanwaltschaft ein. Der Fall kam im April vor die Strafkammer am Landgericht. Der Vorwurf: Urkundenfälschung. Gleich am ersten Prozesstag eine dramatische Wendung: Der angebliche Erbe des Millionenvermögens wurde wegen Verdunkelungsgefahr im Gerichtssaal verhaftet.
Widersprüche des Angeklagten häuften sich
Eine äußerst eigenartige Stellung im Prozess nahm der Wahlverteidiger ein. Er überhäufte das Gericht mit zahlreichen Anträgen, was den Prozessfortschritt enorm verlangsamte und die Beweisaufnahme schwierig gestaltete. Der erste Durchgang wurde am Montag, 22. Juni 2026, ausgesetzt. Das Landgericht gab an diesem Tag dem Antrag der Verteidigung statt, Ingmar G. psychiatrisch begutachten zu lassen. Deshalb musste die Hauptverhandlung später komplett neu beginnen.
Eine Granate platzte am ersten Verhandlungstag der Wiederaufnahme des Verfahrens: Vorsitzender Richter Markus Fillinger präsentierte die Tatsache, dass aus der Untersuchungshaft heraus Briefe an eine Geliebte transportiert wurden. Der Briefverkehr unterliegt normalerweise der Kontrolle des Gerichtes, was aber scheinbar umgangen wurde.
Unglaubliche Wendung am letzten Prozesstag
Nachdem die Widersprüche um das vorgelegte Testament im Prozessverlauf immer wirrer wurden, zog der Angeklagte am Tag der Urteilsverkündung seine letzte Karte: Am heutigen Donnerstag legte er dem Gericht ein Schreiben vor. Darin bezichtigte er seinen verstorbenen Vater, das Testament gefälscht zu haben: „Mein Vater war ein Schreibtalent!“
Bei den zahlreichen Zuhörern im Gerichtssaal löste diese Wendung Entsetzen aus.
Plädoyer des Staatsanwaltes dauerte eineinhalb Stunden
Der letzte Prozesstag zog sich am Ende bis in den späten Nachmittag: Nach der gutachterlichen Einschätzung am Vormittag begann der letzte Teil des Strafprozesses mit dem Plädoyer von Staatsanwalt Matthias Bauer. Minutiös listete er die Widersprüche und Ungereimtheiten auf. Schließlich forderte eine Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren.
Strafverteidiger Dominic Kriegel sprach in seinem Plädoyer von einem denkwürdigen Prozess. Hart ins Gericht ging er mit seinem Mandanten und dessen ehemaligem Wahlverteidiger. Dabei zeigte er wenig Verständnis für die Vorgehensweise des Angeklagten und des Anwalts. Eine konkrete Forderung, was das Strafmaß anbelangt, stellte er nicht.
Hohe Haftstrafe verkündet
Die Strafkammer kam schon nach 30 Minuten Beratung zu einem Urteil: 7 Jahre Haft für den Angeklagten. Die Urteilsbegründung folgte im Wesentlichen der Argumentation des Staatsanwaltes.





