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ARV Oberpfalz
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Spice bis zur Lebensgefahr – und Drogenhandel aus dem Maßregelvollzug

Weiden/Regensburg. Ärzte bemühen sich um zwei junge Männer, doch die Sucht gewinnt. Im Maßregelvollzug des Bezirkskrankenhauses Regensburg und Parsberg konsumieren die Angeklagten Spice bis zur Lebensgefahr. Noch während der Therapie liefen Drogengeschäfte.

Weiden/Regensburg. Ärzte bemühen sich um zwei junge Männer, doch die Sucht gewinnt. Im Maßregelvollzug des Bezirkskrankenhauses Regensburg und Parsberg konsumieren die Angeklagten Spice bis zur Lebensgefahr. Noch während der Therapie liefen Drogengeschäfte.
Unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen wird der 32-jährige Hauptangeklagte in den Gerichtssaal gebracht. Im Prozess waren zuvor mögliche Kontakte ins Hells-Angels-Milieu thematisiert worden. Foto: Christine Ascherl

Spice bis zur Lebensgefahr – und Drogenhandel aus dem Maßregelvollzug

Verstörende Einblicke in eine andere Welt: Vor dem Landgericht Weiden berichten am Dienstag zwei Ärzte aus dem Maßregelvollzug des Bezirkskrankenhauses Regensburg und Parsberg. Bei ihnen waren zwei der Angeklagten des aktuellen Drogenprozesses untergebracht – bis ihre Therapien unter dramatischen Umständen abgebrochen werden mussten.

Der Suchtdruck scheint einfach zu groß zu sein, um die Chance zu ergreifen, sich ein für allemal von einer Junkiekarriere zu verabschieden. Besonders im Blickpunkt stand am Dienstag der Hauptangeklagte, der 32-jährige Marco H., gebürtiger Franke. Er ist nach eigener Auskunft in einen Rocker-Haushalt hineingeboren, berichtete sein Arzt. „Er musste da mit einsteigen.“ Viel Gewalt, früh in Haft.

Der extrem magere 32-Jährige hat die meiste Zeit seines Lebens in Gefängnissen verbracht. „Er ist so sozialisiert und aufgewachsen“, berichtete der Mediziner. Er empfand den Patienten als scheu, aber offen. Die ersten Monate im Herbst 2023 verliefen vielversprechend, dann kam es zu Rückfällen. Auf dem Zimmer fanden sich Papierschnipsel und ein verstecktes Handy.

Spice-Papier: Problem im Maßregelvollzug

Das Teufelszeug, das nicht nur ihm, sondern auch anderen Patienten das Genick brach, nennt sich „Spice“. Dabei handelt es sich um Papier, das mit synthetischen Cannabinoiden getränkt wurde. Die Papierstückchen werden geraucht. Problem: Die Wirkung ist stark und nicht dosierbar. Der Angeklagte brachte sich damit beinahe um. Am Ende seiner Zeit, als er schon auf der Abbruchstation war, war er so intoxikiert, dass der Rettungswagen gerufen werden musste.

Bei beiden Angeklagten wurde die Therapie nach einem Dreivierteljahr „wegen Aussichtslosigkeit“ beendet. Wie die Ärzte erst danach erfuhren, dealte Marco H. aus dem Bezirkskrankenhaus heraus weiter. Vorsitzender Richter Markus Fillinger wollte am Dienstag wissen, wie derart lange Telefonate vom Stationstelefon aus möglich sind. „Wir sind eine Therapieeinrichtung“, sagte der Leitende Oberarzt. Die Patienten sind erreichbar und haben die Möglichkeit zu telefonieren.

Verbindung zu Hells Angels führt zu Problemen in Haft

Während der Maßregelvollzug noch lief, soll Marco H. längst wieder mit Drogen gehandelt haben. Allein im Mai 2024 ging es laut Anklage um zwölf Kilogramm Crystal. Der Angeklagte selbst räumte am Dienstag ein, die Drogengeschäfte damals wieder aufgenommen zu haben: „Irgendwann konnte ich dem Suchtdruck nicht mehr standhalten und habe deshalb die Drogengeschäfte wieder aufgenommen.“

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Der 32-Jährige, verteidigt von Rechtsanwältin Prabhlin K. Sidhu aus Regensburg, gab am Dienstag Auskunft über seine Verbindung in die Rockerszene. Demnach sei er kein Mitglied der Hells Angels. Er habe nur ein sogenanntes 1-%-Tattoo. „Das hängt mit meinen damaligen Kontakten zusammen, aber ich bin kein Mitglied.“

Wegen dieser Tätowierung habe er hinter Gittern immer wieder Probleme bekommen. „Man hat mir vorgeworfen, dass ich das nicht tragen dürfe.“ In der JVA Straubing habe man von ihm 15.000 Euro erpressen wollen. Auch nach Verlegungen in die JVA Würzburg und in den Maßregelvollzug gingen die Drohungen nach seinen Angaben weiter. Er habe lange mit sich gerungen, darüber zu sprechen, sich aber nun dazu entschlossen. Er stecke in seinem Umfeld und seiner Sucht fest, möchte aber so nicht weiterleben. Dem Gericht präsentierte Marco H. am Dienstag eine angebliche Schusswunde am linken Arm, die ihm von United Tribuns zugefügt worden sei.

Mitangeklagter Bauzeichner: Leben durch „mieses Drogenproblem“ verpfuscht

Der zweite von insgesamt vier Angeklagten, ein Bauzeichner aus dem Landkreis Neustadt/WN, hätte vom Leben deutlich bessere Karten mitbekommen. Für ihn sah man im Maßregelvollzug des BKH durchaus Perspektiven. Er wollte sich nach der Therapie in Österreich, seinem Wahlwohnsitz, ein neues Leben aufbauen und besuchte bereits Vorbereitungskurse für ein Architekturstudium.

Dann kam es zum erneuten Absturz – im Maßregelvollzug. Der 31-Jährige konsumierte zur Substitution noch Drogen hinzu. Er selbst nannte es ein „mieses Drogenproblem“. Eine Ärztin aus Regensburg sagte: „Wir haben intensive Gespräche mit ihm geführt, auch über mögliche Todesfolgen des Spice-Konsums.“ Und trotzdem kam es auch bei ihm zu heftigen medizinischen Notfällen. „Wir haben uns damals wirklich große Sorgen gemacht. Wir hatten zu dieser Zeit einen Patienten, den wir nach Spice-Konsum reanimieren mussten.“

„Spice war damals ein großes Problem, es kam über Briefe und Schnipsel herein“, erinnerte sich die Medizinerin.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt. Insgesamt müssen sich vier Angeklagte verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, zwischen Mai und Oktober 2024 mit erheblichen Mengen Crystal, Amphetamin und Cannabis gehandelt zu haben – teils organisiert aus dem Maßregelvollzug und der JVA heraus.

Drogenprozess am Landgericht Weiden

Seit September müssen sich vor dem Landgericht Weiden vier Angeklagte wegen Drogenhandels verantworten. Im Mittelpunkt steht der 32-jährige Marco H. aus Franken. Laut Staatsanwaltschaft soll er Drogengeschäfte zunächst aus dem Maßregelvollzug in Regensburg und später aus der JVA Straubing gesteuert haben. Mitangeklagt sind ein 31-jähriger Bauzeichner, eine 35-jährige Bürokauffrau und ein Maurer.

Die Dimensionen sind erheblich: Allein bei einem Geschäft im Mai 2024 soll Marco H. zwölf Kilogramm Crystal Meth für 14,50 Euro pro Gramm gekauft und anschließend weiterverkauft haben. Insgesamt geht es um zahlreiche Geschäfte mit Methamphetamin, Amphetamin und Cannabis.

Zum Prozessauftakt lagen die Vorstellungen über die mögliche Strafe für Marco H. weit auseinander. Die Staatsanwaltschaft hielt 14 Jahre Haft für angemessen, die Verteidigung neun Jahre.

Bisher bei OberpfalzECHO:

Drogenhandel aus Klinik und Gefängnis: Vier Angeklagte vor dem Landgericht Weiden

Drogengeschäfte aus dem Gefängnis – Staatsanwalt will 14 Jahre Haft

Vor Beginn der Verhandlung wird dem 32-jährigen Angeklagten eine Handfessel abgenommen. Der Prozess am Landgericht Weiden findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Foto: Christine Ascherl
Unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen wird der 32-jährige Hauptangeklagte in den Gerichtssaal gebracht. Im Prozess waren zuvor mögliche Kontakte ins Hells-Angels-Milieu thematisiert worden. Foto: Christine Ascherl
Der psychiatrische Sachverständige Dr. Thomas Wenske soll im weiteren Verlauf des Verhandlungstages sein Gutachten erstatten. Foto: Christine Ascherl