Kabarettstar Angela Ascher begeistert Publikum in Schwarzenfeld
Kabarettstar Angela Ascher begeistert Publikum in Schwarzenfeld
Die gebürtige Landshuterin bewies eindrucksvoll, warum sie eine feste Größe in der Kabarettszene ist. Schonungslos selbstkritisch, bissig und authentisch nahm Ascher kein Blatt vor den Mund. Dass im Laufe des Abends auch mal ein Texthänger oder Versprecher passierte, machte die Künstlerin nur noch sympathischer.
Mit der ausdrucksstarken Gestik einer gelernten Schauspielerin brachte sie Geschichten mitten aus dem Leben zielsicher an ihr Publikum. Spätestens bei der amüsanten „Duschkontrolle“ von Zuschauer Jürgen gab es im Publikum kein Halten mehr. Der Abend bot einen wilden Ritt durch den Alltag.
Alltag, Social Media und skurrile Geschichten
Ascher lästerte über die Social-Media-Welt, schwärmte von ihrer Jugendliebe und berichtete von einem skurrilen Autokauf über eBay Kleinanzeigen, bei dem sie ihren zweiten Ehemann kennenlernte.
Große Heiterkeit lösten auch die Anekdoten über ihre beste Freundin „Elfe“ (die eigentlich Anna heißt) aus, verbunden mit dem klaren Resümee: „Jede Frau braucht eine feste Freundin“. Ob als genervtes „mütterliches Pubertier“ oder mit ihrer Standardantwort auf unerwünschte „greisliche Zipfelbilder“, die Pointen saßen.
Highlight mit Delfinfigur und begeistertem Applaus
Das absolute Highlight des Abends war jedoch die Geschichte über eine folgenschwere Doppelbedeutung einer Delfinfigur in der Schule ihrer Tochter. Erst nach lang anhaltendem Applaus und einer Zugabe endete ein rundum gelungener Abend.
Die Besucher waren nach dem Auftritt voll des Lobes: „Eine absolute Powerfrau“ oder „Selten hat mir jemand so aus der Seele gesprochen“ waren nur einige Kommentare. Nach der Show zeigte sich die Wahlmünchnerin gewohnt publikumsnah, gab persönliche Autogramme und stand geduldig für Selfies mit ihren Fans bereit.
Treffen mit Fan Alexander
Im Anschluss an die Show kam es zum erneuten Treffen von Angela Ascher mit Rollstuhlfahrer Alexander Schubert. Der 38-jährige Rollstuhlfahrer, der von Geburt an an spastischer Tetraparese und Tetraplegie leidet, folgte in Begleitung seiner Mama Roswitha und seines Papas Stefan der Einladung von Angela Ascher zu ihrem Auftritt in Schwarzenfeld. Kennengelernt hatten sich beide vergangenes Jahr bei ihrem Auftritt im Kulturschloss Theuern.
Werdegang von Angela Ascher
Angela Ascher wurde am 26. Dezember 1977 in Landshut geboren und wuchs in Dorfen auf. Sie studierte von 1997 bis 2001 Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und erhielt ein DAAD-Stipendium an der Filmhochschule in Los Angeles. Ascher spielte an verschiedenen Theatern wie dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, dem Thalia Theater in Hamburg, dem Theater Oberhausen und in Chemnitz sowie am Schauspielhaus Wien.
Die Schauspielerin wirkte in zahlreichen Fernsehproduktionen mit. Sie ist vor allem bekannt für ihre Rollenvielfalt in der BR-Sketch-Comedy-Serie „Fraueng’schichten“, die über drei Staffeln lief, und durch ihre regelmäßigen Auftritte bei Grünwalds Freitags-Comedy. Außerdem war sie mehrmals beim traditionellen Derblecken am Münchner Nockherberg zu sehen, wo sie Politikerinnen wie Christine Haderthauer und Ilse Aigner parodierte. Die Mutter von zwei Töchtern lebt in München. Seit September 2023 ist Angela Ascher mit ihrem ersten eigenen Bühnenprogramm „Verdammt, ich lieb mich.“ auf den Bühnen Bayerns unterwegs.
Interview mit Angela Ascher
Dein aktuelles Programm „Verdammt, ich lieb mich“ setzt ein klares Statement für Selbstliebe. Warum denkst du, fällt es uns oft so schwer, genau das zu sagen: „Ich liebe mich“?
Angela Ascher: Aus der Sicht einer Frau, die mitten im Leben steht, erlebe ich immer wieder aufs Neue, wie man öfter unsanft vom Thron gestoßen wird. Es ist nicht immer leicht, mit den Sachen umzugehen, wenn einen die Kinder peinlich finden, der eigene Mann nicht immer das erhoffte Verständnis entgegenbringt oder wenn man sich in einer Sache verrannt hat. Da wir uns selber am besten kennen, verzeihen wir uns viel schlechter als unserer Familie oder Freunden. Genau dann aber sollte man innehalten und zu sich selber sagen: „Verdammt, ich lieb mich genauso, wie ich bin.“
Hat sich der Humor in den letzten Jahren verändert? Gibt es heute Dinge, über die man schwerer Witze machen kann als früher?
Ascher: Humor gibt es natürlich schon immer in sämtlichen Variationen. Ich finde aber, Humor muss sich was trauen, sonst wird er schnell langweilig. Was ich nicht mag, ist Spott auf Kosten von anderen oder schlechte Witze, die spalten und große Wut in sich tragen. Humor soll herzlich und verbindend sein und dieser hat sich bei mir in all den Jahren nicht verändert.
Du lebst mit zwei Töchtern in München. Wie viel Material für deine Bühnenprogramme liefert dir der ganz normale Wahnsinn des Familienalltags?
Ascher: Die große Tochter ist wegen ihres Studiums kürzlich ausgezogen. Aber natürlich liefert der Familienalltag nach wie vor immer viel Stoff für meine Bühnenauftritte. Das bin dann hundertprozentig ich, das überträgt sich auf die Leute, die sich damit selber identifizieren können.
Du spielst ab Herbst eine Reihe von Vorpremieren für dein neues Bühnenprogramm „Niemals satt & voller Leben“, bevor im Januar 2027 die große offizielle Premiere im Münchner Schlachthof ansteht. Wie wichtig sind dir die ersten Testläufe auf den kleineren bayerischen Bühnen, um an dem Programm und den Pointen final zu feilen?
Ascher: Die Vorpremieren sind Testläufe, die sehr wichtig für mein späteres etabliertes Programm sind. Ich fiebere nicht auf die große offizielle Premiere hin, sondern eben auf diese Auftritte im Vorfeld, die tatsächlich überwiegend in der Oberpfalz stattfinden. Am 16. Oktober beim Bräuwirt in Weiden und vom 20. bis 22. Oktober auf der Kleinkunstbühne im STATT-Theater Regensburg (jeweils um 19.30 Uhr). Karten für Regensburg sind auf okticket noch erhältlich. Mit diesem Publikumsfeedback kann ich noch an der einen oder anderen Stellschraube drehen. Zurzeit nutze ich oft und gerne die Gelegenheit für Open Mics (offene Bühne mit kleinem Publikum).
Worauf dürfen sich die Zuschauer im neuen Programm ganz besonders freuen?
Ascher: Es gibt viele neue lustige Geschichten. Unter anderem geht es um Langzeitbeziehungen und das menschliche Miteinander, aber auch um ein Familienfest, Social Media und KI, alles voll aus dem Leben.
Welchen Ratschlag oder welche Lebensphilosophie kannst du deinen zahlreichen Fans und unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Ascher: Mein Ratschlag ist wie der Titel meines Programms: „Verdammt, ich lieb mich, und zwar genauso, wie ich bin!“ Das sollten wir uns alle zu Herzen nehmen. Natürlich ist es nicht immer einfach. Aber wenn man sich selber liebt, lieben einen die anderen auch mehr und dann ist es einfacher, wieder zurückzulieben. Verbinden statt spalten. Das braucht unsere Gesellschaft mehr denn je.
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