Tag der Heimat setzt Zeichen für Verständigung in Weiden
Tag der Heimat setzt Zeichen für Verständigung in Weiden
Heimat, Menschenrechte und Verständigung standen im Mittelpunkt des diesjährigen „Tags der Heimat“ in der Max-Reger-Halle. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Vereinen und Kultur sowie viele Weidener Bürger erlebten einen Abend mit eindrucksvoller Musik, persönlichen Erinnerungen und nachdenklichen Reden.
Unter dem Leitwort „75 Jahre Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung“ gestaltete der Heimatring die Feierstunde gemeinsam mit dem Amt für Kultur, Stadtgeschichte und Tourismus der Stadt Weiden. Seit seiner Gründung vor 75 Jahren engagierte sich der Verband für die Anliegen der Heimatvertriebenen und setzte sich für ein friedliches Zusammenleben ein. Bis auf die ersten beiden Jahre übernahm der Heimatring dabei 73 Jahre lang die Verantwortung für die Ausrichtung des „Tags der Heimat“ mit der Stadt.
Mit dem Rainer-Marsch begann der Festabend.
Die Stadt- und Jugendblaskapelle Weiden unter der Leitung von Hubert Rupprecht eröffnete den Abend mit dem „Rainer-Marsch“. Die Siedlergemeinschaft Waldfrieden sorgte mit festlichem Tischschmuck für eine ansprechende Atmosphäre. Heimatring-Vorsitzender Heiner Vierling begrüßte die Gäste und unterstrich die Bedeutung des Jubiläums. Durch das Programm führte die zweite Vorsitzende Ramona Hannes.
Vierling rückte die Aktualität des Themas in den Mittelpunkt. Noch immer müssten Menschen ihre Heimat verlassen oder fliehen, um ihr Leben zu retten. Die vergangenen Jahrzehnte hätten gezeigt, dass eine Gesellschaft Menschen aufnehmen und ihnen ein sicheres Leben ermöglichen könne. „Uns ist es in den letzten 75 Jahren gelungen, immer wieder Menschen aufzunehmen und ihnen ein sicheres Dasein zu gewähren. Leider sind heute wieder Kräfte am Werk, die dieses zu verhindern versuchen“, sagte Vierling.
Gedenken an die Verstorbenen
Die Totenehrung verlieh dem Gedenken einen würdevollen Rahmen. Während die Kapelle das Lied „Ich hatt’ einen Kameraden“ spielte, gedachten die Anwesenden der Verstorbenen und der Menschen, die durch Krieg, Flucht und Vertreibung ihr Leben oder ihre Heimat verloren hatten.
Zeitler: „Heimat darf Erinnerung sein, aber niemals nur Vergangenheit“.
Oberbürgermeister Dr. Benjamin Zeitler stellte die persönliche Bedeutung des Begriffs Heimat heraus. Für jeden Menschen könne Heimat etwas anderes bedeuten: ein Ort, ein Mensch, eine Erinnerung, ein Geruch, ein Lied oder eine Landschaft. In Weiden gehöre auch der Dialekt dazu. „Dao bin i dahoam“, fasste Zeitler die Verbundenheit mit der Heimat in vier Wörtern zusammen. Ein Blick in den Saal mit seinen unterschiedlichen Vereinen und Gemeinschaften zeige, wie Heimat entstehe und welche Formen sie annehmen könne.
Die Stadt könne Straßen bauen, Schulen, Kindergärten, Sporthallen und Kulturstätten errichten. Ob aus einem Ort jedoch echte Heimat entstehe, entscheiden die Menschen selbst. Sie übernehmen Verantwortung, stehen füreinander ein und gestalten Gemeinschaft. „Heimat ist keine Selbstverständlichkeit“, betonte der Oberbürgermeister. Viele Menschen seien nach dem Zweiten Weltkrieg in die Oberpfalz gekommen und hätten ihre vertraute Heimat verloren.
Weiden als neue Heimat im Wandel der Zeit
Auch Weiden habe in seiner Geschichte immer wieder neue Heimat geboten. Bereits im 19. Jahrhundert habe das Wachstum der Stadt Arbeitsplätze geschaffen und Menschen eine Zukunft ermöglicht. Diese brachten ihre Traditionen und ihre Kultur mit und prägten damit die gemeinsame Weidener Heimat. Zeitler erinnerte daran, dass Heimat die Vergangenheit bewahren, zugleich aber den Blick nach vorne richten müsse. „Heimat darf Erinnerung sein, aber niemals nur Vergangenheit“, lautete seine zentrale Botschaft.
Blasmusik und Lebensgeschichte verbanden Generationen.
Nach den Ansprachen setzte die Stadt- und Jugendblaskapelle das musikalische Programm mit der Polka „Ich hab dich gern“ und dem Titel „Mädel, schenk mir ein“ fort. Die abwechslungsreiche Feierstunde verband traditionelle Heimatklänge mit persönlichen Erzählungen und Darbietungen aus dem Vereinsleben.
Einen besonderen Schwerpunkt setzte der Vortrag von Siegbert Köhler. Er berichtete über seine Kindheit als Angehöriger einer sudetendeutschen Familie, die nach dem Krieg in Wiesau strandete. Seine Schilderungen machten deutlich, welche Herausforderungen die Vertriebenen beim Aufbau eines neuen Lebens bewältigen mussten. Köhler erinnerte an mehrere Wohnungswechsel: vom Lager in eine kleine Mietwohnung. „Damals mussten Einheimische bei vorhandenen freien Wohnungen Flüchtlinge aufnehmen. So lebten Familien teilweise auch über einem Kuhstall“, so Köhler.
Erinnerungen an Flucht und Neubeginn
Später kamen ein kleiner Garten und ein Holzschuppen hinzu. Auch seine Schulzeit prägte den Lebensweg. Mit seinen Erinnerungen gab Köhler dem Publikum einen persönlichen Einblick in die Nachkriegszeit. Die Erfahrungen hielt er außerdem in einem Buch fest, welches er an diesem Abend zum Kauf anbot. Seine Lebensgeschichte verdeutlichte, wie eng Heimat, Verlust und Neubeginn miteinander verbunden sind.
Narrhalla zeigte den Weg vom Bolzplatz auf die Bühne.
Für Unterhaltung und sportliche Dynamik sorgte die Showtanzgruppe der Narrhalla Weiden. Unter dem Motto „Vom Bolzplatz auf die Bühne“ präsentierten die Tänzerinnen und Tänzer eine abwechslungsreiche Mischung aus Tanz, Musik und Akrobatik. Kreative Bewegungen und unterhaltsame Elemente sorgten für viel Applaus.
MGV brachte Maritimes.
Auch der Männergesangverein Frohsinn Schirmitz unter der Leitung von Wolfgang Ziegler überzeugte mit einem maritimen Programm. Die 25 Sänger hatten vier Seemannslieder einstudiert und brachten mit Shantys wie „Santiano“ und „Hamburger Veermaster“ einen kräftigen, raubeinigen Klang in den Saal. Ein Solist setzte dabei besondere Akzente. Nach dem Lied „Unter fremden Sternen“ kündigte Chorleiter Wolfgang Ziegler einen musikalischen Wechsel an. Zum Abschluss sollte auch ein heimatliches Lied erklingen. Mit „Mein Heimatland“ schlug der Chor schließlich die Brücke zurück zum Leitgedanken des Abends.
Dance Unlimited setzte auf Kreativität und Bewegung.
Die Jugendgruppe „Dance Unlimited“ sorgte mit ihrem Auftritt „Sei ein Künstler deines Lebens“ für einen weiteren Höhepunkt. Große Malpinsel gehörten zur Gestaltung des Tanzthemas. Die Jugendlichen verbanden anspruchsvolle Choreografien mit Showtanz, Bewegung und turnerischen Elementen. Dehnübungen, Gymnastik und akrobatische Bewegungen zeigten die vielseitigen Fähigkeiten der Gruppe. Das Angebot von Dance Unlimited reicht über den Tanz hinaus und umfasst auch Breitensport und Kinderturnen im Verein. Der Applaus im Saal bestätigte die positive Resonanz auf die junge Tanzgruppe.
Chorisma setzte den musikalischen Schlusspunkt.
Den letzten Teil des Programms übernahm der Frauenchor „Chorisma“. Mit dem Lied „Es muss ein Sonntag sein“ eröffnete das Ensemble seinen Auftritt. Rund 20 Sängerinnen im Alter von 22 bis 92 Jahren zeigten dabei die große musikalische Bandbreite des Chores. Von bekannten Schlagern wie „Schön ist es auf der Welt zu sein“ bis zu „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines Stückchen Glück“ reichte das Repertoire. Die Lieder erinnerten an unterschiedliche musikalische Epochen und verbanden Generationen miteinander.
Zum Abschluss übernahm erneut die Stadt- und Jugendblaskapelle Weiden. Ein Walzer- und Polka-Potpourri leitete den letzten musikalischen Teil ein. Gemeinsam sangen die Anwesenden anschließend die Hymnen und setzten damit einen feierlichen Schlusspunkt.
Der Abend verband Erinnerung und Gegenwart, persönliche Schicksale und gemeinschaftliches Engagement. Der Heimatring blickt im Herbst auf demnächst 75 Jahre Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung zurück. Zugleich machte die Feierstunde deutlich, dass diese Werte auch in Zukunft Aufmerksamkeit, Verantwortung und den Einsatz vieler Menschen benötigen.
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