Markt Kirchenthumbach muss tief in die Tasche greifen
Markt Kirchenthumbach muss tief in die Tasche greifen
Vor Kurzem wurde ein besonders hochwertiges Mineralwasser im Salzkammergut in Österreich gefunden. Im Handel kostet es stolze 8,50 Euro pro 0,75 Liter und ist damit um ein Mehrfaches teurer als Milch, Bier oder Sprit.
Dieses Beispiel zeigt: Für Wasser sind einige bereit, absurde Preise zu bezahlen. Dabei kann man hochwertiges Trinkwasser ohne Bedenken fast geschenkt aus der Leitung beziehen. In Kirchenthumbach für 0,2 Euro je Liter bei einem Wasserpreis von 2,08 Euro je Kubikmeter.
Belastung für die Gemeinde
Eine indirekte Subvention der Wassergebühren, denn die Sicherstellung der Wasserversorgung kann besonders in ländlichen Kommunen so richtig ins Geld gehen. Das hat den Grund, dass es dort oft für die vielen Kilometer an Versorgungsleitungen und für die Aufbereitung des kostbaren Gutes Wasser, deutlich weniger Wasserkunden gibt und die Fixkosten nur auf wenige Schultern verteilt werden können.
So auch im Gemeindeteil Lenkenreuth des Marktes Kirchenthumbach. Für die Bereitstellung des wichtigsten Lebensmittels im 20-Einwohner-Dorf muss die Kommune tief in den Gemeindesäckel greifen.
Nur wenige Hausanschlüsse, geringe Abnahmemengen, aber riesige Infrastrukturkosten für eine neue Wasserleitung belasten die Gemeinde. Bei einem Ortstermin ließen sich Bürgermeister Jürgen Kürzinger und die Mitglieder des Grundstücks- und Bauausschusses den Stand der Leitungserneuerung erläutern.
Eine halbe Million
Ein Kunststoff-Rohrsystem mit fast 900 Metern Leitungslänge, 9 Hausanschlüssen, 11 neuen Hauptschiebern, einem Oberflur- und drei Unterflurhydranten, das laut Auftragsvergabe einschließlich Erdarbeiten und Wiederherstellung der Ortsstraße beinhaltet, soll rund eine halbe Million Euro brutto kosten.
Für die Ratsmitglieder erfreulich: Lorenz Ermer, Bauleiter der Firma Josef Hartinger aus Tännesberg, konnte über die Fertigstellung der Hauptleitung berichten und kündigte bis zur 47. Kalenderwoche 2023 das Einbinden der Hausanschlüsse an. Mit der Inbetriebnahme der neuen Ortswasserleitung rechnet Ermer noch vor Weihnachten 2023.
Weitere Angebote
Gleichzeitig regte der Bauleiter eine Oberflächenentwässerung in einem Hohlwegbereich an. Bei Starkregen seien Überschwemmungen zu befürchten. Eine Feststellung, die zu einem Nachtragsangebot für den Einbau von Sickerrohren, einem Einlaufschacht, von Sinkkästen, Muldeneinlaufrosten und von Granitquerrinnen in Höhe von rund 14.000 Euro führte. Über das Nachtragsangebot entschied das Gremium in einer nicht öffentlicher Sitzung.
Ein weiteres Angebot wird für Mehrkosten bei einer vollständigen Erneuerung der Tragdeckschichten der Straßen und Wege über die Ausbaubreite der Leitungstrasse hinaus erwartet.
Zum Joor-Fix-Termin eingeladen waren auch Vertreter des Bayernwerks. Hintergrund ist die Absicht des Stromnetz-Betreibers, eine neue Trafo-Station und für die Ortschaft eine neue Straßenbeleuchtung zu errichten. Insgesamt 15 Brennstellen in LED-Technik zwischen 12 und 17 Watt sollen Lenkenreuth künftig ausleuchten, wie Bernd Jantos erläuterte.
Telekom sperrt sich
Das Bayernwerk habe die Chance genutzt, die Wasserleitungstrasse auch zur Verlegung der Stromkabel zu nutzen, erläuterte der Vertreter des Bayernwerks den Ratsmitgliedern. Eine Kosteneinsparung für die Gemeinde.
Beim Ortstermin bedauert wurde die Weigerung der Telekom, die offenen Leitungsgräben zur Verlegung von Leerrohren für die künftige Breitbandversorgung zu nutzen.
SPD-Vertreter vermisst
Die Vertreter des Bayernwerks waren auch bei einem weiteren Ortstermin Gesprächspartner des Gremiums, allerdings ohne SPD-Vertreter. Das wiederholte Fehlen der SPD-Marktgemeinderäte bei den Ausschuss-Terminen hatten Alexander Schatz und Jürgen Geyer bereits zu Beginn der Ortsbesichtigungen kritisiert. Schatz empfand die chronische Abwesenheit der SPD-Räte als „Missachtung des Ausschusses“.
Zweifel über Notwendigkeit von Straßenleuchten
In Metzenhof thematisierten die Bayernwerk-Techniker die Errichtung von 4 Straßenleuchten zwischen den Anwesen 9 bis 11. Hintergrund ist der Rückbau von Dachständern auf einigen Gebäuden und der damit verbundene Abbau einer Freileitung zugunsten einer besseren Versorgungssicherheit, wie die „Stromerer“ argumentierten.
Dennoch äußerten Ratsmitglieder Zweifel über die derzeitige Notwendigkeit von Straßenleuchten außerorts und auf freier Strecke. Andiskutiert wurden Überlegungen, zunächst nur die Erweiterung des Ortsnetz-Kabels zu fördern und optional auch Leerrohre für Glasfaseranschlüsse verlegen zu lassen. Weitere Entscheidungen folgten im nicht öffentlichen Teil der Sitzung im Rathaus.




