Museumsnacht bringt Licht in Kemnaths Geschichte

Museumsnacht bringt Licht in Kemnaths Geschichte
Das war für den Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreis (HAK) ein Grund zur Freude, aber auch eine logistische Herausforderung: Rund 40 Kinder und Erwachsene galt es bei der Sonderführung zur „Langen Nacht der Museen“, zu der der Museumsverbund „daszwoelfer“ die Museen im Kreis Tirschenreuth aufgerufen hatte, durch das bewusst dämmrig gehaltene, nur von mitgebrachten Taschenlampen dezent ausgeleuchtete Heimatmuseum in der Fronveste zu schleusen.
Lebende Exponate begeistern bei der Museumsnacht in Kemnath
Dank geschickter Gruppenaufteilung gelang dies den „Lotsen“ Katrin Pasieka-Zapf, Liane Preininger, Käthe Pühl und Heidrun Schelzke-Deubzer jedoch reibungslos. An vier Stationen wurden die Gäste von „lebenden Exponaten“ erwartet: Im Sonderausstellungsraum stellte der Künstler Rainer Sollfrank den Zeichner und Maler Gottlieb Scharff vor, der auch sein Kunstlehrer war und dem das Museum noch bis Dezember eine Ausstellung widmet. Besonders beeindruckt hätten ihn Scharffs „fotografisches Gedächtnis“ und sein außergewöhnlich feinfühliges pädagogisches Geschick, erzählte Sollfrank.
Von Steinzeit bis Waffenmanufaktur: Erlebnisstationen im Kemnather Museum
Nebenan am „Steinzeitarbeitsplatz“ führte Anna Müller-Rösch in „Neandertaler“-Gewandung anschaulich vor, wie die Steinzeitmenschen mit einfachsten Mitteln vielseitig nutzbare Klingen, Bohrer und Pfeilspitzen aus „Feuerstein“-Splittern fertigten. Mit deren Hilfe seien die von ihnen erjagten Tiere nahezu restlos zu Speisen, Kleidungsstücken, Werkzeug und Horn-Trinkgefäßen verarbeitet worden: „Weggeworfen hat man da kaum etwas.“ In der Rolle des „Schmiedmatzn Girgl“, der bei einem Eifersuchtsstreit um eine Frau einen Nebenbuhler erschlagen hatte und dafür anno 1805 als Hinrichtungskandidat in der Fronveste inhaftiert war, schilderte Sebastian Schwarz die wenig humanen Haftbedingungen vor gut 200 Jahren. An die Fortschauer Waffenmanufaktur, die unzähligen Handwerkern in der vom Dreißigjährigen Krieg verwüsteten Nordoberpfalz überlebenswichtige Arbeitsplätze geboten habe, erinnerte schließlich Robert Schön als „Waffenschmied“ im Raum der wehrkundlichen Sammlung.
Licht in ein dunkles Geschichtskapitel bringt der HAK auch am Dienstag, 17. November, wenn der bekannte Historiker Dr. Adrian Rossner im Kemnather Familien- und Bürgerhaus „Lenzbräu“ unter der Überschrift „Teufelsweib und Satansbraut?“ an Exzesse des Hexenwahns in Franken erinnert. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.
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