OTH Amberg-Weiden
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Nur ein Generationenproblem?

Mitterteich. Ist Mitterteich eine sterbende Stadt? Zumindest wenn man beobachtet, wie viele örtliche Geschäfte schließen werden, könnte dieser Eindruck durchaus entstehen, denn damit brechen auch Traditionen weg.

Mitterteich. Ist Mitterteich eine sterbende Stadt? Zumindest wenn man beobachtet, wie viele örtliche Geschäfte schließen werden, könnte dieser Eindruck durchaus entstehen, denn damit brechen auch Traditionen weg.
Mitterteich. Ist Mitterteich eine sterbende Stadt? Zumindest wenn man beobachtet, wie viele örtliche Geschäfte schließen werden, könnte dieser Eindruck durchaus entstehen, denn damit brechen auch Traditionen weg.

Nur ein Generationenproblem?

Ungewöhnlich ist die Anzahl der Läden und Dienstleister, die aufgegeben haben beziehungsweise demnächst aufgeben werden. So haben erst vor Kurzem zwei Bäckereien geschlossen. Für die Besucher und Gäste der Bäckerei Brunner am Oberen Marktplatz ist das auch deshalb ein Problem, weil damit auch das Café wegfällt.

Die Filiale besteht noch nicht lange in dem Neubau, auf dem früher das Haus der Familie Bauer (Hausname Mühlfenzl) stand. Ob die Bäckerei wieder aufmacht, ist derzeit ungewiss. Grund für die Schließung, die auch andere Filialen traf, ist das fehlende Verkaufspersonal. Sollte sich das bessern, bestehe laut Brunner die Hoffnung auf Wiederöffnung.

Raum für Nachnutzer zu klein

Ein weiterer Bäckereiverkauf hat schon seit Anfang des Jahres geschlossen: Die Filiale der Bäckerei Polnisch aus Falkenberg beim ehemaligen Bahnhof. Auch dort war ein kleiner
Kaffeeausschank vorhanden. Eine Nachfolge wird in diesem Fall eher schwierig sein, da der Raum für viele Nachnutzer zu klein ist.

Tradition geht zu Ende

Eine größeres Geschäftesterben kündigt sich am Oberen Markt an. In diesen Tagen hat die Firma Schuh Mörtl die letzte Runde ihres Geschäfts eröffnet: den Räumungsverkauf. „Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ heißt es in großen Lettern in den Schaufenstern. Bereits in wenigen Tagen wird das Geschäft dann für immer schließen. Der Grund ist einerseits
das Alter. Inhaberin Christine Wurdack ist 66 Jahre alt und ihr Mann Josef zwei Jahre älter. Von den drei Kindern wollte keines die Nachfolge antreten. Auch die Suche nach einem anderen Nachfolger oder Nachmieter blieb erfolglos.

Die Geschichte begann 1948

1948 hat Schuhmachermeister Wenzl Mörtl, der Vater von Christine Wurdack, das Geschäft zusammen mit seiner Frau Barbara in der Dr. Karl-Stingl-Straße eröffnet. 1965 ist Mörtl auf seinen jetzigen Platz am Unteren Marktplatz gezogen. 1988 hat Tochter Christine das Geschäft übernommen. Neben dem Alter und gesundheitlichen Gründen habe Corona die Entscheidung aufzuhören leichter gemacht. Vor allem der Lockdown hat die Inhaberin schwer getroffen, weil die frisch eingetroffene Ware nicht verkauft werden konnte.

Zoigltermine
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Auch das Modehaus Weiß hört auf

Spätestens zum Jahresende wird auch das Modehaus Weiß am Oberen Markt endgültig schließen. Die Inhaber, die Geschwister Weiß, haben mehrere Gründe für die Geschäftsaufgabe. Neben dem Alter sei es die Tatsache, dass eine umfangreiche Renovierung von mehreren tausend Euro nötig sei. Daneben seien auch gesundheitliche Probleme mit ausschlaggebend für das Aus. Ende Dezember wird somit auch das Modehaus Weiß nach 86 Jahren Geschichte sein und am Oberen Marktplatz wird ein weiteres Haus leer stehen. Das Gebäude soll verkauft werden. Weiter bestehen bleibt das angrenzende Sporthaus Weiß, das Bruder Albert betreibt.

Das Alter ist der Grund

Auch im Bioladen Bauer, ebenfalls am Oberen Markt ansässig, ist der Entschluss zum Aufhören gefallen. Hier sind es vor allem gesundheitliche Gründe, welche die Inhaber zu diesem Schritt veranlassen. Ende Oktober kommt hier das endgültige Aus. Die gleich daneben liegende Filiale der Commerzbank hat schon vor einiger Zeit ihre Schließung angekündigt.
Genaue Angaben dazu gibt es nicht. Es wird aber gemunkelt, dass die Filiale Ende des
Jahres dicht macht.

Große Personalsorgen

Schließen wird auch das überregional bekannte Gardinen- und Stoffgeschäft Friedl in der
Bräugasse. Auch Firmenchef Bernhard Friedl plagen Personalsorgen. Die meisten Mitarbeiter seien in Rente gegangen, berichtet er und auch er steuert inzwischen auf das Rentenalter zu. Sein Bruder, der mit im Geschäft arbeitete, ist schon seit längerem im Ruhestand. Auch aus der Familie habe niemand Interesse, das Geschäft weiter zu betreiben. Ob er zum Jahresende
schließen wird oder im Frühjahr nächsten Jahres, hänge von seinem Gesundheitszustand ab. Ungewiss ist für ihn auch, was dann mit den leeren Räumen passiert.

“Reines Generationsproblem”

Bürgermeister Stefan Grillmeier antwortete auf Anfrage, dass er von den Geschäftsschließungen wisse. “Das ist ein allgemeines Generationenproblem”, so der Rathauschef. Er bemühe sich selbstverständlich, geeignete Nachfolger zu finden. Dies sei insofern schwierig, weil meist nur größere Firmen Interesse zeigten und dafür seien die Verkaufsräume zu klein. Er sei bereits seit einiger Zeit mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises sowie mit dem Einzelhandelsverband in Kontakt. Diese Stellen bemühten sich ebenfalls um eine Folgenutzung. Falls die Commerzbank schließe, würden sich diese Räume zum Beispiel ideal für eine Arztpraxis eignen. “Aber dafür müssen wir halt auch erst einen Interessenten finden”, sagt Grillmeier.