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ARV Oberpfalz
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Prößlhof in Woppenrieth feiert 100. Geburtstag

Woppenrieth bei Waldthurn. Im „Altbürgermeisterdorf Woppenrieth“ wurde kürzlich ein besonderes Fest gefeiert. Der dortige Prößlhof feierte im großen Stil seinen 100. Geburtstag. Eingeladen hatte der heutige Besitzer Hubert Prößl, dem es am Herzen lag, dass Verwandte, Freunde, Prominenz und natürlich die Dorfgemeinschaft einen ganzen Sonntag lang im und um den Hof mitfeiern konnten. Foto: Martina Prößl

Prößlhof in Woppenrieth feiert 100. Geburtstag

100 Jahre Prößlhof in Woppenrieth bei Waldthurn. Foto: Martina Prößl
Die zehn Prößl – Kinder im Jahr 2026 – mit dabei Hofbesitzer Hubert Prößl (Vierter von rechts). Foto: Martina Prößl
Bei der symbolischen Scheckübergabe waren Herbert Putzer Kinderkrebshilfe Nordoberpfalz (links), Dr. Stephanie Kuchlbauer – ärztliche Leiterin der Palliativstation- (Zweite von links) sowie Julian Bäumler – Bonsai e.V. – (rechts) nach Woppenrieth gekommen. Alle Beteiligten bedankten sich herzlich für die großzügige Spende bei Sandra Mitlmeier (Mitte) und Hubert Prößl (Zweiter von rechts). Foto: Martina Prößl

„Feiern und Gutes tun“

„Für mich, meine Familie mit Lebensgefährtin Sandra Mitlmeier ist es wichtig, dieses Jubiläum des Hofes richtig groß zu feiern“, erklärte Hubert Prößl. „Feiern und Gutes tun“ war das Motto.
Dabei wurden kulinarische Leckereien serviert, die seines gleichen suchen. „Ohne die Unterstützung der ganzen Familie und meiner neun Geschwister wäre dieses Fest mit mehr als 200 Gästen nicht möglich gewesen“, blickt der 52-jährige Hubert Prößl zurück.
Getränke Balk aus Kleinschwand, die Bäckerei Meier aus Etzgersrieth und die Metzgerei Hausner haben das 100-Jahr-Fest der Woppenriether Familie unterstützt, da man wusste, dass die Spenden direkt weitergeleitet werden.

Erinnerungen an der Wäscheleine

Viele Bilder waren bei der Feier am Hof auf Wäscheleinen zu finden und die Gäste philosophierten, wer ist wer und wurden dabei ein Stück mit in die 100-jährige Vergangenheit des Prößlhofes genommen. Bei der Feier erkannten sich viele Familienmitglieder und auch „alte Bekannte“ wieder in den Bildern und erinnerten sich an ihre Kinder- und Jugendzeit.

Zeitungsbericht vor 40 Jahren – das Leben einer Großfamilie

Erinnerungen auch an einen Zeitungsbericht am Heiligen Abend 1986 in der Tageszeitung, wobei damals über eine der größten Familien im Landkreis, die am Prößlhof lebt, berichtet wurde. „Vierzig Knödel für die liebe Familie“ war damals die Überschrift, hinsichtlich der Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest. Das Leben einer Großfamilie in Woppenrieth wurde damals beleuchtet. Speziell ging es hier um Hedwig und Hans Prößl, die im Jahr 1958 geheiratet haben, Gott schenkte dem Paar insgesamt zehn Kinder. So war damals ein „Sieben-Mäderl- und Dreibubenhaus“ angesagt, einer davon, Hubert hat im Jahr 2003 den Hof mit übernommen, das Wohnhaus erneuert und die Landwirtschaft (15 Hektar) allerdings aufgegeben (2006). Er hat ein neues Wohnhaus (2004) gebaut, den Hof trotzdem erhalten und hält ihn perfekt im Schuss. Auch nach dem Tod von Papa Hans (2015) und Mama Hedwig (2023) lebt Sohn Hubert mit seiner Lebensgefährtin Sandra und seinen Söhnen Jonas und Sebastian am Hof. Sie sorgen im Dorfzentrum von Woppenrieth für Sauberkeit und Ordnung, einer der „Zehn“ – Bruder Hans Prößl – wohnt gleich um die Ecke und ist Dorfsprecher von Woppenrieth.

Selbstverständlich gehen die Geschwister auch heute am Hof ein und aus. „Wir hatten alle eine glückliche Kindheit“ stellten sie rückblickend fest.

Spendenübergabe – 100 Jahre Prößlhofs – 5000 Euro

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Prößlhofs in Woppenrieth wurde nicht nur gefeiert, sondern auch ein starkes Zeichen der Solidarität gesetzt. Dank der großen Spendenbereitschaft der über 200 Gäste konnte eine beeindruckende Summe von insgesamt 5000 Euro gesammelt werden.

Die Spenden wurden nun offiziell an drei Einrichtungen übergeben. 2000 Euro konnte der Vohenstraußer Herbert Putzer für die Kinderkrebshilfe Nordoberpfalz entgegen nehmen, jeweils 1500 Euro gingen an die Palliativstation mit Dr. Stephanie Kuchlbauer sowie an den Verein Bonsai e.V. – Hilfe für Schwererkrankte, für den Julian Bäumler das Geld freudestrahlend in Empfang genommen hat. . Alle drei Organisationen leisten wertvolle Arbeit für Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Gastgeber Hubert Prößl zeigte sich bei der Übergabe erfreut über das Ergebnis und betonte, dass es ihm ein besonderes Anliegen gewesen sei, das Jubiläum seines Hofes mit einem guten Zweck zu verbinden. Die Unterstützung regionaler Betriebe sowie der große Zusammenhalt innerhalb der Familie und Dorfgemeinschaft hätten maßgeblich zum Erfolg der Aktion beigetragen.

WITRON – Last call Ausbildung
WITRON – Last call Ausbildung

Josefine Kick, die frühere Kreisbäuerin, die eines der zehn Kinder von Hedwig und Hans Prößl ist, berichtete am Festtag von der Geschichte der Familie Prößl, angefangen vom 15. September 1926, den Kauf des Hofes bis zur heutigen Zeit.

Wenn ein Hof sein 100-jähriges Bestehen feiert, dann blickt man nicht nur auf Gebäude, Felder und Landwirtschaft zurück. Man blickt vor allem auf die Menschen, die hier gelebt, gearbeitet und diesen Ort über Generationen hinweggeprägt haben.

Woher stammen die Prößl?
Josefine „Fini“ Kick erläuterte den interessierten Zuhörern die Vita des Prößl – Clans

Johann Prößl wurde in Dorfgmünd Hausnummer 8, ein kleines Dorf bei Grafenwöhr geboren. Der Hof mit einer Schmiedewerkstatt befand sich direkt am Fluß Creußen. Da die Wiesen und Felder gegenüber dem Hof, getrennt durch den Fluß Creußen lagen, war das Bewirtschaften der Flächen schwierig. Eine große Herausforderung brachte das Einbringen der Ernte mit sich. Es musste immer der Fluss Creußen überquert werden. Noch kam hinzu, dass auch Überschwemmungen nicht ausblieben und somit die gesamte Ernte ins Wasser fiel. Diese Nachteile brachten Johann Prößl zum Entschluss, das Dorf zu verlassen und woanders neu anzufangen. Bei der Suche nach einer neuen Heimat wurde ihm das Schloss in Waldthurn und der Lotter – oder auch Lottner Hof in Woppenrieth angeboten.
Der Kaufabschluss wurde 1926 geschlossen und der Hof in Woppenrieth Hausnummer vier (jetzt Hausnummer 12) wurde zum Eigentum von Johann Prößl und seiner Frau Maria. Seine Frau Maria hatte er am 31.05.1920 in Grafenwöhr geheiratet. Sie stammte aus Parkstein vom “Binner-Hof” Wittmann. Der Hof mit heutiger Metzgerei, wird von den Nachkommen ihres Bruders Johann geführt. So fanden die Prößl in Woppenrieth bei Waldthurn ihre neue Heimat. Der Umzug erfolgte nach Woppenrieth mit dem Pferdegespann. Welche Strapazen auf sich genommen wurden, mag man sich heute kaum vorstellen. Die beiden Eheleute hatten bereits zwei Töchter, Anna und Maria im Alter von 5 und 3 Jahren. Ebenso zog die Mutter von Johann – Elisabeth Prößl mit nach Woppenrieth. Der Vater Georg Prößl verstarb bereits 1899. Das ganze Inventar seiner Schmiede brachte man mit nach Woppenrieth. Johann war von Beruf Schmiedemeister. In Woppenrieth vergrößerte sich die Familie um zwei weitere Kinder Elisabeth (1929) und Hans (1933).

Tod durch Strom
Leider blieb die Familie vom Schicksal nicht verschont. Nach Erzählungen wollte damals Johann Prößl seine Stromleitung in der Scheune selbst reparieren, erlitt dabei einen Stromschlag und starb 1948. So musste Sohn Hans (geb. 11.7.1933) im Alter von 15 Jahren zusammen mit seinen Schwestern in der Landwirtschaft mit anpacken.
Für ihn gab es damals keine Freizeit mehr, wie man es heute kennt.

Hochzeit von Hedwig und Hans Prößl
Hans Prößl heiratete im Jahr 1958 Hedwig Beer aus Wampenhof. Die beiden wurden Eltern von 10 Kindern – sieben Mädchen und drei Buben. Eine neue Generation wuchs auf dem Hof heran mit 23 Enkel und 18 Urenkel.

Zu den Schwestern von Hans Prößl.
Die älteste Schwester Anna heiratete 1951 Baptist Lindner aus Schlattein.
Ihr Sohn ist der jetzige erste Bürgermeister von Floß. Seine jüngere Schwester Liesl heiratete 1957 Hans Weiß aus Wampenhof – Kinder Liese und Karl. Die mittlere Schwester Maria blieb mit Sohn Rudi auf dem Hof. Auch der Hof selbst veränderte sich mit den Jahren. Hans stellte den Betrieb auf Schweinezucht um, später wurden wieder Rinder gehalten. Dazu wurden die Gebäude auf dem Hof mehrmals an- bzw. umgebaut.
Die Flurbereinigung erfolgte 1972. Hier war Hans Vorsitzender.

Viele Jahre später begann das nächste Kapitel der Familiengeschichte.
Sohn Hubert heiratete 2003 Daniela Meier aus Waldthurn. Im gleichen Jahr erfolgte die
Übergabe des Prößlhofes an Hubert.
Er riss das alte Haus und die Stallung im Frühjahr 2004 ab und erbaute an gleicher Stelle – mit tatkräftiger Unterstützung seiner Geschwister – ein neues Haus, sodass auch Hedwig und Hans im November 2004 in das neue Haus einziehen konnten.
Hubert selbst bezog mit seiner Familie im Jahr 2005 das neue Haus in Woppenrieth. Seine beiden Söhne Jonas und Sebastian stehen für die nächste Generation der Familie Prößl am Prößlhof.
Doch auch diese Generation musste einen schweren Schicksalsschlag verkraften.
Im Jahr 2013 erkrankte Daniela und verstarb. Für Hubert und die gesamte Familie bedeutete dies eine große emotionale Herausforderung.
Im Jahr 2015 verstarb auch Vater Hans Prößl und die Mutter Hedwig im Jahr 2023.
Dennoch geht die Geschichte des Hofes weiter.
Wenn wir heute auf die Geschichte zurückblicken, sehen wir mehr als nur einen Hof. Wir sehen Generationen von Menschen, die hier gearbeitet und gelebt haben. Menschen, die ihre Heimat verlassen und eine neue gefunden haben. Die schwere Zeiten überstanden, Verluste getragen, Familien gegründet und immer wieder Neues aufgebaut haben.
Seit dem Kaufvertrag im Jahr 1926 sind nun 100 Jahre vergangen. Ein Jahrhundert voller Veränderungen, Arbeit, Herausforderungen und Familiengeschichte.
Und so ist dieses Jubiläum nicht nur ein Fest für einen Hof. Es ist ein Fest für all jene, die diesem Ort in den vergangenen 100 Jahren geprägt haben – und für diejenigen, die seine Geschichte in Zukunft weiterschreiben werden.

Unser Dank gilt heute Hubert und Sandra, die dieses 100-jährige Jubiläum zum Anlass genommen haben, dieses Hoffest ins Leben zu rufen und uns alle hier zusammenzubringen. Denn erst durch solche gemeinsamen Momente wird Geschichte wieder lebendig – in den Erinnerungen, in den Erzählungen und in den Menschen, die miteinander verbunden sind.

Auf vergangene 100 Jahre Hofgeschichte – und auf viele weitere Geschichten, die auf diesem Hof noch geschrieben werden.

Gez. Josefine Kick