Queer zusammenstehen beim CSD in Amberg

Queer zusammenstehen beim CSD in Amberg
Amberg, 26. Juli 2026. Am 1. August 2026 setzt Amberg mit dem Christopher Street Day (CSD) wieder ein Zeichen für Vielfalt. Die CSDs Amberg, Cham, Schwandorf und Weiden haben sich in diesem Jahr unter dem gemeinsamen Motto „Queer must stand together – No LGB without the T“ vereint. Aus dem Motto geht die inhaltliche Ausrichtung eindeutig hervor: Im Vordergrund stehen die Lebensrealitäten von trans*, inter* und nicht-binären Menschen (nachfolgend als TINQ* zusammengefasst).
CSD Amberg 2026: Motto betont Sichtbarkeit von TINQ*-Personen
Der zweite Teil des Mottos ist eine Anspielung auf die „LGB without the T“-Bewegung in den USA. Diese versucht, Begriffe wie Queerness, LGBTQIA+ und LSBTIQA+ um die Repräsentation von Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit sowie Nichtbinarität zu berauben.
TINQ*-Personen sind noch stärker als andere queere Personen mit Vorurteilen und Hass konfrontiert. Die Hay-Studie des Bayerischen Jugendrings zeigt, dass sich das Wohlbefinden von 78,7 Prozent der jungen TINQ*-Personen in einem kritischen Bereich befindet. 72,7 Prozent eben dieser gaben an, dass ihre Identität infrage gestellt wurde, 71,5 Prozent berichteten, dass gezielt falsche Begriffe und Namen für sie verwendet werden. Weitere 54,9 Prozent hatten Beschimpfungen und Beleidigungen erlebt. Das zeigte sich auch bei Diskussionen zum SBGG, während derer einige Parteien vor allem trans*Frauen Pädophilie, Spannertum und weiteres Fehlverhalten unterstellten.
Gewalt gegen queere Menschen: Aktuelle Zahlen
Die Gewalt gegen queere Menschen steigt an. In den bundesweiten Fallzahlen 2025 zur politisch motivierten Kriminalität gab es 2.377 registrierte Fälle, in denen Queerness eine Rolle spielte. Besonders auffällig war laut BKA der hohe Anteil von Gewaltdelikten, der deutlich über dem durchschnittlichen Wert anderer politisch motivierter Straftaten lag. 2014 wurden noch 184 Fälle registriert. Die Polizei verweist auf die Dunkelfeld-Studie „A long way to go for LGBTI equality“ der Europäischen Agentur für Grundrechte aus dem Jahr 2020, nach der 96 Prozent der Hate Speech und 87 Prozent der körperlichen und sexuellen Übergriffe nicht angezeigt werden.
Leider mussten die Berliner:innen am vergangenen Samstag erleben, wie sehr der Hass gegen queere Menschen ausufern kann, als es zu mehreren gewalttätigen Zwischenfällen am CSD kam. Eine Person verstarb und viele weitere wurden teils schwer(st) verletzt. Wir trauern und solidarisieren uns mit unserer queeren Community. Allen Betroffenen, Angehörigen und Bekannten wünschen wir nur das Beste und dass sie die notwendige Unterstützung bekommen, um die Vorfälle und deren Folgen möglichst gut verarbeiten zu können.
Klare Haltung nach den Vorfällen in Berlin
Anstatt Versammlungen wie unseren CSD abzusagen, müssen wir vielmehr jetzt erst recht deutlich sichtbar sein und weiterhin laut und unabschreckbar für queere Rechte einstehen – damit wir dem Hass nicht den Platz geben, den er sich wünschen würde. Zudem dürfen wir den Feinden unserer vielfältigen Gesellschaft nicht die Chance geben, die Vorfälle für ihre Zwecke zu missbrauchen. Diese Tat steht für Queerfeindlichkeit, Islamismus und religiösen Extremismus, nicht für den Islam als Religion und Muslim:innen als seine Gläubigen. Wie auch Benjamin Idriz, Vorsitzender des Münchner Forums für Islam, sagt: „Das Leben eines Menschen ist unantastbar“.
Auch allen Menschen, die die Vorfälle dafür instrumentalisieren wollen, Grenzen zu schließen oder Geflüchtete und Migrant:innen abzuschieben, können wir nur sagen: Wir freuen uns über jede ehrliche Anteilnahme, die tatsächlich darauf ausgericht ist, queere Sicherheit zu steigern; aber Rassismus und Islamfeindlichkeit tun das nicht.
Radikalisierung verstehen und vorbeugen
Der mutmaßliche Täter ist in Deutschland geboren, aufgewachsen und sozialisiert. Wichtiger wäre es, aufzuarbeiten, wie junge Menschen sich radikalisieren und wie Präventionsmaßnahmen hierfür geschaffen werden können, die die Heranwachsenden wahrlich erreichen – ob in religiösen oder politischen Umfeldern; denn betrachtet man die oben angeführte Statistik des BKA in den einzelnen Phänomenbereichen, wird deutlich, dass der Großteil der queerfeindlichen Straftaten politisch (44,83 Prozent), insbesondere rechts mit über 43 Prozent der Taten, motiviert war, während lediglich etwa 2,5 Prozent religiös und 3 Prozent ausländisch ideologisch begründet wurden.
Ablauf, Route und Programm des CSD Amberg
Der CSD in Amberg findet am 1. August 2026 statt. Die Versammlung startet um 14.30 Uhr am Marktplatz mit einer Auftaktkundgebung. Dort wird unter anderem Birgit Fruth (zweite Bürgermeisterin) stellvertretend für den OB Michael Fritz ein Grußwort halten. Gegen 15 Uhr startet der Demozug durch die Amberger Innenstadt. Diesem werden verschiedene Gruppen angehören, unter anderem die Trommler:innen der Omas gegen Rechts, der Lauti-Wagen von Kunterbunt Amberg und viele weitere Organisationen. Am Ende des Zuges wird es einen ruhigen Block geben, der für Menschen mit sensorischen Problemen vorgesehen ist, um ihnen die Teilnahme in einem Bereich ohne laute Musik und ohne dichteres Gedränge zu ermöglichen. Der Zug wird die folgende Route nehmen: Marktplatz – Rathausstraße – Untere Nabburger Straße – Obere Nabburger Straße – Kurfürstenring – Kaiser-Wilhelm-Ring – Mühlgasse – Franziskanergasse – Weinstraße – Georgenstraße – Marktplatz.
Das CSD-Finale startet um 16 Uhr am Marktplatz in Amberg. Dort erwarten die Besuchenden ein buntes Bühnenprogramm, verschiedene Infostände, eine Mitmachaktion und ein Awareness-Team. Als Künstler:innen begrüßen wir auf der Bühne: Ronja Künstler sowie die Dragqueens Venezia Velour und Zoe Rachel Pride. Gepaart werden die künstlerischen Bestandteile mit Reden verschiedener Organisationen und der Podiumsdiskussion mit Vertreter:innen der anwesenden Parteien. Die Themenbereiche für die Diskussion umfassen: die Lebensrealitäten von TINQ*-Personen, Diskriminierung und Hass gegenüber TINQ*-Personen, Maßnahmen gegen Feindlichkeit und Hass, Prävention und Bildung sowie Gesetze und Gesetzesvorhaben, welche TINQ*-Personen betreffen.
Aftershow-Party und Awareness
Um 19 Uhr startet die Aftershow-Party im VOID Pub; sie kann kostenfrei besucht werden. Die DJane twyn!b wird bis 22 Uhr auflegen. Ab 22 Uhr geht das VOID in den Regelbetrieb über. Auch während der Aftershow-Party wird ein Awareness-Team vor Ort sein, das bei Problemen und Anfeindungen hilft.
Der CSD wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! Gefördert.
Über Kunterbunt Amberg
Das queere Netzwerk Kunterbunt Amberg wurde im November 2018 gegründet. Im Netzwerk werden mehrere Gruppen für queere Personen und Angehörige von queeren Personen in der Oberpfalz und Mittelfranken verbunden. Zusammen mit verschiedenen Partner:innen organisiert Kunterbunt Amberg CSDs, darunter Amberg, Cham, Schwandorf und Weiden. Zudem wird mit Kunterbunt@School queere Bildungsarbeit betrieben.
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