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Sepp Maier begeistert ausverkaufte Stadthalle in Vohenstrauß

Vohenstrauß. In der ausverkauften Stadthalle begeisterte Torwartlegende Sepp Maier mit „Sepp Maier live“. Witzig und nahbar plauderte er aus seiner Karriere und erfüllte geduldig Selfies und Autogrammwünsche.

Sepp Maier begeistert ausverkaufte Stadthalle in Vohenstrauß

Foto: Peter Gattaut

Torwartlegende Sepp Maier plaudert in der ausverkauften Stadthalle Vohenstrauß aus dem Nähkästchen. Vohenstrauß (gau). Der Name Sepp Maier ist jedem überzeugten Fußballfan ein fester Begriff. Der Jahrhunderttorwart der deutschen Nationalmannschaft und des FC Bayern hat auch mit seinen mittlerweile 82 Jahren immer noch eine enorme Anziehungskraft. Seit März 2026 ist er mit seiner Porträtshow „Sepp Maier live“ in ganz Deutschland unterwegs. Am 26. Oktober machte er gemeinsam mit dem Moderator und Musiker Tobias Bücklein Halt in der Stadthalle Vohenstrauß. Der Andrang war riesengroß und die Besucher erlebten den ehemaligen Ausnahmesportler ganz in seinem Element.

Anekdoten, Humor und Einblicke in eine einzigartige Karriere

Witzig, charmant und mit dem Schalk im Nacken erzählte er humorvolle Anekdoten aus seiner zurückliegenden, einzigartigen Karriere als Torwart und Torwarttrainer. Seine unzähligen gewonnenen Titel mit dazugehörigem Hintergrund aufzuzählen, wäre schon allein abendfüllend gewesen, doch der Sepp war schon immer ein Schelm und ein Situationskomiker, und so präsentierte der zweifache Weltmeister (einmal als Spieler, einmal als Torwarttrainer) zur Freude des begeisterten Publikums seine unglaublich lustigen Geschichten aus dem berühmten Nähkästchen.

Vom TSV Haar zum FC Bayern

Angefangen hat er als Jugendspieler beim TSV Haar, wo er zuerst als Mittelfeldspieler und dann als Stürmer für Tore am Fließband sorgte. Unfreiwillig wurde er dann ins Tor beordert, was letztendlich den Ausschlag gab, dass der FC Bayern München auf ihn aufmerksam wurde. Selbst dort musste man ihn davon überzeugen, dass der Part zwischen den Pfosten sein Ding ist, da der Sepp immer weiter auf Torejagd gehen wollte. Der Weg des dreifachen oberbayerischen Jugendmeisters im Turndreikampf (Reck, Bodenturnen, Ringe) wurde somit für eine einzigartige Weltkarriere geebnet. Untermalt mit beeindruckenden Fotos von der jeweiligen Epoche auf der Leinwand erzählte der dreimalige Fußballer des Jahres im Talk mit Tobias Bücklein unter anderem vom unter der Dusche rauchenden Trainer Branko Zebec, seiner ersten Klo-Loch-Erfahrung in Portugal sowie dem vom damaligen Trainer Udo Lattek aufgedeckten, unerlaubten Discobesuch.

Über seine Streiche, wie zum Beispiel eine mit Eigenurin aufgefüllte Shampooflasche für den Assistenztrainer, der immer schnorrte, und eine von Pierre Littbarski mitgebrachte Sexvideokassette, die er in der Zeit als Torwarttrainer bei Bundestrainer „Kaiser Franz“ kurzerhand als Vorbereitungs-Tape für den nächsten Gegner austauschte, kann Sepp Maier auch heute noch herzlich lachen. Selbst als Sänger – egal ob bei seiner eigenen herausgebrachten Single (B-Seite) „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ oder der WM-Hymne 74 „Fußball ist unser Leben“ – präsentiert sich die „Katze von Anzing“, wie er damals in seiner Glanzzeit liebevoll genannt wurde, melodisch einwandfrei und sehr textsicher. Im Vorfeld eingereichte Fragen vom Publikum beantwortete er ausführlich und natürlich immer gewürzt mit einer gehörigen Portion Witz und Schlagfertigkeit. Ob es der vermeintlich versuchte Entenfang im Olympiastadion, sein Rausschmiss vom damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann oder auch die Frage ist, wie er den heutigen Fußball sieht – Sepp Maier weiß bis heute, wem er am meisten seine legendäre Laufbahn zu verdanken hat. Er verschloss sich seinen Anhängern keiner Frage und nahm sich die Zeit, für wirklich jeden Fan mit Selfie- und Autogrammwünschen zur Verfügung zu stehen. Ein rundum gelungener Abend mit Kommentaren vom begeisterten Publikum nach der Show: „Wow, das war genial“, „Endlich mal jemand, der Tacheles redet“ oder „Publikumsnäher geht es nicht“.

Biografie: Sepp Maier – Die „Katze von Anzing“

Sepp Maier, geboren am 28. Februar 1944 in Metten in Niederbayern, zählt zu den größten Torhütern der deutschen Fußballgeschichte. Wegen seiner schnellen Reflexe und spektakulären Paraden erhielt er den Spitznamen „Die Katze von Anzing“. Von 1962 bis 1979 stand er für den FC Bayern München im Tor und prägte gemeinsam mit Franz Beckenbauer und Gerd Müller die erfolgreichste Ära des Vereins. Er gewann vier deutsche Meisterschaften und dreimal den Europapokal der Landesmeister. Auch mit der Nationalmannschaft feierte Maier große Erfolge. 1972 wurde er Europameister, 1974 Weltmeister im eigenen Land. Insgesamt bestritt er 95 Länderspiele.

Nach einem schweren Autounfall 1979 beendete er seine aktive Karriere. Anschließend arbeitete er viele Jahre als Torwarttrainer beim FC Bayern und bei der deutschen Nationalmannschaft. Bis heute ist Sepp Maier nicht nur für seine sportlichen Leistungen, sondern auch für seinen Humor und seine bayerische Bodenständigkeit bekannt. Die Torwartlegende Sepp Maier geht seit März 2026 mit seiner Live-Porträtshow auf Tournee. Zusammen mit dem Musiker und Moderator Tobias Bücklein präsentiert er das Programm unter dem Titel „Sepp Maier live“.

Grammer Solar
Grammer Solar
Foto: Peter Gattaut
Foto: Peter Gattaut
Foto: Peter Gattaut
Foto: Peter Gattaut

Interview mit Sepp Maier

Du hast mit dem FC Bayern und der Nationalmannschaft nahezu alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Welche besonderen Momente deiner Karriere sind dir bis heute besonders in Erinnerung geblieben?

Sepp Maier: Das war natürlich der Weltmeistertitel 1974 im eigenen Land, das vergisst man natürlich nie in seinem Leben. Aber auch alle von mir weiteren gewonnenen Pokale und Meisterschaften hatten immer besondere, einzigartige Momente. Es ist wirklich ein Luxus, diese Erlebnisse einzeln reflektieren zu dürfen. Ich genieße es bis heute. Daraus entstand auch meine Porträtshow „Sepp Maier live“.

Was ging dir durch den Kopf, als du 1974 im eigenen Land die heiß begehrte Weltmeistertrophäe gen Himmel strecken durftest?

Ein unbeschreibliches Gefühl. Wir hatten nach der blamablen 0:1-Niederlage in der Gruppenphase gegen die DDR nicht gerade für Euphorie gesorgt, egal ob bei den Fans oder auch bei der Berichterstattung im Fernsehen. Umso schöner, dass wir es dann doch geschafft haben. Hätte es damals schon VAR gegeben, hätten wir im Finale gegen die Niederlande sogar ein Tor mehr erzielt, da Gerd Müller beim möglichen 3:1 nachweislich nicht im Abseits stand.

Du warst immer für spektakuläre Paraden und deinen ausgeprägten Humor bekannt. Wie wichtig war dir neben dem sportlichen Ehrgeiz der Spaß am Entertainment im Showbusiness?

Der Erfolg im Fußball stand selbstverständlich klar im Vordergrund, aber ich bezeichne mich auch heute noch als Situationskomiker. Und wenn sich eine Möglichkeit zur Gaudi ergeben hat, habe ich diese immer gerne genutzt. Ich habe nie lange überlegt und eben das gemacht, was mir gerade eingefallen ist. Dass es dann zu „Wetten, dass …“ mit Gottschalk gereicht hat, habe ich damals selber nicht ganz verstanden. Ja klar, als Parodie von Karl Valentin war ich jetzt auch nicht so schlecht. (lacht)

Du hast die große Bayern-Ära mit Franz Beckenbauer und Gerd Müller geprägt. Was hat diese Mannschaft damals so einzigartig gemacht?

Der Großteil der damaligen Mannschaft stammte aus der Nähe von München. Wir haben uns relativ schnell über den Fußballplatz hinaus zu einem verschworenen Haufen entwickelt. Als Gerd aus Nördlingen noch dazukam, wussten wir, dass wir da ganz was Großes leisten können. Wir waren nicht nur Teamkollegen, sondern wirklich gute Freunde. Das war dann auch letztendlich der Schlüssel zum großen Erfolg.

Wenn du den heutigen Fußball mit deiner aktiven Zeit vergleichst: Was hat sich aus deiner Sicht am meisten verändert und was gefällt dir daran nicht?

Der Fußball hat sich stark verändert und ist mit unserem vergangenen Engagement überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Als damals der starke Keeper Jean-Marie Pfaff 1982 vom belgischen Verein SK Beveren zum FC Bayern kam, habe ich auf Bitte von ihm das Torwarttraining umsonst übernommen, etwas später zumindest dann mit Spritkostenausgleich. Heutzutage ist alles ein Millionengeschäft. Aus Fußballclubs wurden schnell Wirtschaftskonzerne, und heutzutage verdient ein Torwarttrainer ein Vielfaches mehr, als ich jemals in meiner Glanzzeit als Nationaltorwart verdient habe.

Welchen Ratschlag würdest du den heutigen Nachwuchsfußballern geben, die unbedingt Profi werden wollen?

Spielt einfach nur Fußball, um Freude am Sport und an der Kameradschaft zu haben. Profi zu werden ist ein steiniger Weg, den nur ganz wenige schaffen werden. Wer sich daran versucht festzubeißen, unbedingt Profi werden zu wollen, hat es besonders schwer. Fußball muss immer Spaß machen, und wenn jemand talentiert und besonders fleißig ist und nur das runde Leder im Kopf hat, sollte natürlich niemals damit aufhören, an seinen großen Traum zu glauben.

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