Stadtführung des HAK begeistert über 300 Besucher in Kemnath

Stadtführung des HAK begeistert über 300 Besucher in Kemnath
Mit 40 bis 50 Teilnehmern hatten die Kemnather Geschichtsfreunde gerechnet – am Ende waren es über 300 Neugierige, die sich der ortsgeschichtlichen „Stadtführung für alle“ des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises (HAK) anschlossen. Von der „Stadtwache“ des HAK begleitet und gesichert, führte der Spaziergang durch die vierte Dimension sie zunächst zum Cammerloherplatz, auf dem Liane Preininger am Pinzerbäckerhaus an Theresia Krauß alias „Pinzerbäckn Resl“ erinnerte, die 1878 in die USA ausgewandert war, als Kartoffelanbau-Boom und Gewerbefreiheit vielen Bäckern das Leben schwer gemacht hatten.
Stadtführung in Kemnath begeistert über 300 Interessierte
Von den sechs Kindern Theresias und ihres Mannes Joseph Muench habe es Sohn Aloysius Muench bis zum Bischof, Kardinal und kirchlichen Diplomaten gebracht und sich nach 1945 in Deutschland insbesondere der Vertriebenen aus den verlorenen „Ostgebieten“ angenommen. Dafür habe ihm die Stadt Kemnath 1950 das Ehrenbürgerrecht verliehen. Weitere Stationen waren das frühere Franziskanerkloster, dessen gut 140-jährige Geschichte Roland Wende als „letzter Guardian (Prior) Hildebert Mehler“ nachzeichnete: Ab 1658 als Instrument der Rekatholisierung des seit dem 16. Jahrhundert „protestantischen“ Kemnather Landes aufgebaut, sei es alsbald zu einer geschätzten Bildungs- und Seelsorgeeinrichtung aufgestiegen. Letztlich sei es aber wie viele andere Klöster und angeblich „überflüssige“ Gotteshäuser 1802 dem Bestreben des Kurfürstentums Bayern, durch Beschlagnahme und Verkauf von Kirchengut seine ruinösen Finanzen zu sanieren, zum Opfer gefallen.
Vom Franziskanerkloster bis zum Reichsapfel: Geschichte lebendig erzählt
Bei der früheren Gaststätte und Postkutschenstation „Reichsapfel“ erzählte Sebastian Schwarz als „Apfelwirt“ von dem eigennützigen Kampf der Inhaber im 19. Jahrhundert gegen einen Bahnanschluss, und am Stadtplatz beschrieben HAK-Vorsitzende Katrin Pasieka-Zapf als „Pfarrhaushälterin“ und Veronika Krauß, wie Kemnath dank Pfarrer Johann Arckhauer nach 1690 seinen „Stadtheiligen“ Primianus und ein Passionsspiel erhielt: Dies sollte den katholischen Glauben noch fester im Volksbewusstsein verwurzeln. Krauß berichtete außerdem aus ihrer Familiengeschichte, die zugleich die über 450-jährige Geschichte der „Bäcker-Adl“-Bäckerei ist.
Am „Einlass“, Ausgangspunkt des verheerenden Stadtbrandes von 1848, schlüpfte Anna Müller-Rösch in die Rolle der Sibylla Schiml, die sich zu einem aus dem Ruder gelaufenen Brandversicherungsbetrug anstiften ließ und dafür hingerichtet wurde. Letzte Stationen waren der Schmelzl-Brunnen und das Bürgerspital, wo Otto Merkl als Dichter und Schulmeister Wolfgang Schmelzl und Pirmin Balk als Spitalstifter Christoph von Trautenberg ins 16. Jahrhundert zurückblendeten. Dass Schmelzl 1538 seine Oberpfälzer Heimat gegen ein Leben in Wien eingetauscht hatte, um seinem „zänkischen Weib“ zu entfliehen, sorgte für besondere Heiterkeit. Zum Abschluss traf man sich zum Erfrischen und Plaudern im Museumshof der Fronveste.
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