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MSR Bertelshofer
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Stadtführung des HAK begeistert über 300 Besucher in Kemnath

Kemnath. Die "Stadtführung für alle" des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises zog statt erwarteter 40 bis 50 Teilnehmer über 300 Neugierige an und ließ Stadtgeschichte an markanten Orten lebendig werden.

Kemnath. Die "Stadtführung für alle" des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises zog statt erwarteter 40 bis 50 Teilnehmer über 300 Neugierige an und ließ Stadtgeschichte an markanten Orten lebendig werden.
In Gewändern historischer Persönlichkeiten schilderten Mitglieder des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK) Begebenheiten aus der Kemnather Stadtgeschichte. Hier Liane Preininger als "Pinzerbäckn Resl", Mutter des Kemnather Ehrenbürgers Aloysius Kardinal Muench. Foto: Bernhard Piegsa

Stadtführung des HAK begeistert über 300 Besucher in Kemnath

Mit 40 bis 50 Teilnehmern hatten die Kemnather Geschichtsfreunde gerechnet – am Ende waren es über 300 Neugierige, die sich der ortsgeschichtlichen „Stadtführung für alle“ des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises (HAK) anschlossen. Von der „Stadtwache“ des HAK begleitet und gesichert, führte der Spaziergang durch die vierte Dimension sie zunächst zum Cammerloherplatz, auf dem Liane Preininger am Pinzerbäckerhaus an Theresia Krauß alias „Pinzerbäckn Resl“ erinnerte, die 1878 in die USA ausgewandert war, als Kartoffelanbau-Boom und Gewerbefreiheit vielen Bäckern das Leben schwer gemacht hatten.

Stadtführung in Kemnath begeistert über 300 Interessierte

Von den sechs Kindern Theresias und ihres Mannes Joseph Muench habe es Sohn Aloysius Muench bis zum Bischof, Kardinal und kirchlichen Diplomaten gebracht und sich nach 1945 in Deutschland insbesondere der Vertriebenen aus den verlorenen „Ostgebieten“ angenommen. Dafür habe ihm die Stadt Kemnath 1950 das Ehrenbürgerrecht verliehen. Weitere Stationen waren das frühere Franziskanerkloster, dessen gut 140-jährige Geschichte Roland Wende als „letzter Guardian (Prior) Hildebert Mehler“ nachzeichnete: Ab 1658 als Instrument der Rekatholisierung des seit dem 16. Jahrhundert „protestantischen“ Kemnather Landes aufgebaut, sei es alsbald zu einer geschätzten Bildungs- und Seelsorgeeinrichtung aufgestiegen. Letztlich sei es aber wie viele andere Klöster und angeblich „überflüssige“ Gotteshäuser 1802 dem Bestreben des Kurfürstentums Bayern, durch Beschlagnahme und Verkauf von Kirchengut seine ruinösen Finanzen zu sanieren, zum Opfer gefallen.

„In Ehren abgehauste“, also ohne eigene Schuld verarmte Kemnather Bürger sollten im Bürgerspital eine günstige letzte Heimat finden: So wünschte es sich Christoph von Trautenberg (dargestellt von Pirmin Balk) für diese von ihm im 16. Jahrhundert gestiftete Fürsorgeeinrichtung. Foto: Bernhard Piegsa
Im 19. Jahrhundert hätte Kemnath einen eigenen Bahnhof erhalten können, doch der Wirt des Gasthofs „Reichsapfel“ fürchtete um die lukrativen Einnahmen aus seiner Postkutschenstation: An diese Episode der Kemnather Geschichte erinnerte Sebastian Schwarz. Foto: Bernhard Piegsa
Einen Panegyrikus auf Wien schenkte der Kemnather Dichter Wolfgang Schmelzl (dargestellt von Otto Merkl) seiner neuen Heimatstadt, wo er sich 1538 endgültig niedergelassen hatte. Bekannt wurde er auch als Urheber religiöser Schuldramen. Foto: Bernhard Piegsa
Seit über 450 Jahren ist die Bäckerei Krauß alias „Bäcker-Adl“ im Besitz ihrer Familie: In der deutschen „Bäckereilandschaft“ sei dies ein Rekord, wusste Veronika Krauß. Foto: Bernhard Piegsa

Vom Franziskanerkloster bis zum Reichsapfel: Geschichte lebendig erzählt

Bei der früheren Gaststätte und Postkutschenstation „Reichsapfel“ erzählte Sebastian Schwarz als „Apfelwirt“ von dem eigennützigen Kampf der Inhaber im 19. Jahrhundert gegen einen Bahnanschluss, und am Stadtplatz beschrieben HAK-Vorsitzende Katrin Pasieka-Zapf als „Pfarrhaushälterin“ und Veronika Krauß, wie Kemnath dank Pfarrer Johann Arckhauer nach 1690 seinen „Stadtheiligen“ Primianus und ein Passionsspiel erhielt: Dies sollte den katholischen Glauben noch fester im Volksbewusstsein verwurzeln. Krauß berichtete außerdem aus ihrer Familiengeschichte, die zugleich die über 450-jährige Geschichte der „Bäcker-Adl“-Bäckerei ist.

Am „Einlass“, Ausgangspunkt des verheerenden Stadtbrandes von 1848, schlüpfte Anna Müller-Rösch in die Rolle der Sibylla Schiml, die sich zu einem aus dem Ruder gelaufenen Brandversicherungsbetrug anstiften ließ und dafür hingerichtet wurde. Letzte Stationen waren der Schmelzl-Brunnen und das Bürgerspital, wo Otto Merkl als Dichter und Schulmeister Wolfgang Schmelzl und Pirmin Balk als Spitalstifter Christoph von Trautenberg ins 16. Jahrhundert zurückblendeten. Dass Schmelzl 1538 seine Oberpfälzer Heimat gegen ein Leben in Wien eingetauscht hatte, um seinem „zänkischen Weib“ zu entfliehen, sorgte für besondere Heiterkeit. Zum Abschluss traf man sich zum Erfrischen und Plaudern im Museumshof der Fronveste.

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