Tag des Friedhofs: Waldfriedhof Weiden zeigt sich von einer ganz neuen Seite
Tag des Friedhofs: Waldfriedhof Weiden zeigt sich von einer ganz neuen Seite

Aussteller, Führungen, Musik, Geschichte, moderne Bestattungsformen und viele persönliche Gespräche machten deutlich, dass ein Friedhof weit mehr sein kann als ein Ort des Abschieds.
Tag des Friedhofs in Weiden
Unter dem bundesweiten Motto „Friedhöfe: Oasen der Natur – Pflege der Seele“ beteiligte sich die Stadt Weiden am Sonntag, 20. September, erstmals am bundesweiten „Tag des Friedhofs“. Oberbürgermeister Dr. Benjamin Zeitler eröffnete den Nachmittag und begrüßte die Gäste auf dem Waldfriedhof. Ziel der Veranstaltung war es, den Friedhof als Teil der Stadtgesellschaft sichtbar zu machen: als Ort der Erinnerung und Trauer, aber ebenso als Stück Stadtgeschichte, wertvollen Naturraum und Platz für Begegnung.
13 Aussteller und Mitwirkende
Dass dafür viele unterschiedliche Blickwinkel nötig sind, zeigte bereits die Zusammensetzung der 13 Aussteller und Mitwirkenden. Mit dabei waren die Gärtnerei Steinhilber, 1a Garten Kraus, der Hospizdienst des Malteser Hilfsdienstes, Bestattung Bauer, Schmitz Bestattungen, Sängerin Heidi Reil, die Evangelisch-Lutherische Pfarrei St. Markus und Michael, Stein Raithel, Bestattung Schneider, Sängerin Bettina Mildner, die Gärtnerei Gloßner, die katholische Pfarrei St. Elisabeth/Maria Waldrast sowie Blumen Steinhilber Weiden.
Damit spannte sich der Bogen von Bestattung und Grabgestaltung über Gärtnerei und Steinmetzhandwerk bis hin zu Hospizarbeit, Kirche, Musik und Trauerbegleitung. Im Mittelpunkt stand dabei nicht der Verkauf, sondern das Gespräch. Die Besucher konnten Fragen stellen, sich informieren und Berührungsängste mit Themen abbauen, über die im Alltag häufig nur ungern gesprochen wird.
Genau das war eine der Grundideen der Weidener Premiere. Der Tag sollte bewusst keine klassische Ausstellung und erst recht keine Verkaufsmesse sein. Vielmehr sollten Menschen und Berufsgruppen zusammenkommen, die sich auf ganz unterschiedliche Art mit Abschied, Erinnerung, Vorsorge und Friedhofskultur beschäftigen.
Geschichte und Geheimnisse des Waldfriedhofs
Großes Gewicht lag auf den Führungen über das weitläufige Gelände. Bürgermeister Jürgen Meyer, einer der Ideengeber der Weidener Veranstaltung, nahm die Teilnehmer bei „Geschichte und Geheimnisse des Waldfriedhofs“ mit auf eine Reise durch mehr als sechs Jahrzehnte Friedhofsgeschichte.
Dabei ging es nicht nur um Jahreszahlen. Erzählt wurde, warum Weiden Mitte der 1950er-Jahre überhaupt einen neuen Friedhof benötigte, wie ab 1956 die Planungen für einen parkähnlichen Friedhof begannen und wie der Waldfriedhof schließlich am 18. November 1962 geweiht und übergeben wurde.
Auch die Natur spielte eine große Rolle. Heute stehen auf dem Gelände mehr als 3.000 Bäume, darunter zahlreiche alte Waldkiefern. 135 Fledermauskästen und bewusst naturbelassene Bereiche zeigen, dass der Waldfriedhof zugleich ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist. Heute verfügt er über 5.674 Grabstätten mit insgesamt 6.444 Grabstellen. Im Jahr 2025 fanden dort 251 Bestattungen statt.
Neue Formen des Abschieds
Wie sehr sich die Bestattungskultur verändert hat, wurde bei den Führungen von Stadtrat Hans-Jürgen Gmeiner deutlich. Im Mittelpunkt standen das neue Eichengrabfeld und weitere heutige Bestattungsmöglichkeiten.
Neben klassischen Wahl- und Reihengräbern gibt es auf dem Waldfriedhof mittlerweile Urnengräber, Urnennischen, Urnenröhrengräber sowie Baum- und Wiesengrabstätten. Das neu geschaffene Eichengrabfeld ergänzt diese Möglichkeiten um eine weitere naturnahe Form der Beisetzung. Die Idee für dieses Grabfeld geht bereits auf frühere Überlegungen Gmeiners zur Weiterentwicklung der Weidener Friedhofskultur zurück.
Besondere Momente bei den Sternenkindern
Still und berührend wurde es an den Grabstätten der Sternenkinder. Stadtpfarrer Thomas Jeschner gestaltete gemeinsam mit Sängerin Bettina Mildner einen Segen an den neuen Gräbern der Sternenkinder. Später folgte ein weiterer Segen am bisherigen Platz, musikalisch begleitet von Heidi Reil.
Die beiden Sängerinnen sorgten auch zwischen den Programmpunkten immer wieder für musikalische Momente. So entstand über den Nachmittag eine Atmosphäre, die dem besonderen Ort gerecht wurde, ohne den Tag ausschließlich von Trauer bestimmen zu lassen.
Ein Friedhof mitten im Leben
Zu sehen gab es zudem ganz praktische Seiten der Friedhofsarbeit. Moderne Technik und die tägliche Pflege eines großen Friedhofsgeländes gehörten ebenso zum Angebot wie Informationen über Grabgestaltung, Bestattungsvorsorge, Hospizarbeit und Begleitung in Zeiten von Krankheit, Sterben und Trauer.
Für einen bewusst ungezwungenen Rahmen sorgte die Siedlergemeinschaft Rehbühl mit Kaffee, Kuchen und Erfrischungsgetränken. Der Erlös des Tages kommt dem Weidener Verein „Zusammen erreichen wir mehr e.V.“ zugute.
Viele Hände für eine neue Friedhofskultur
Möglich wurde der Nachmittag vor allem durch das Zusammenspiel vieler Beteiligter. Die Idee, auch in Weiden erstmals einen „Tag des Friedhofs“ auszurichten, wurde unter anderem von Bürgermeister Jürgen Meyer angestoßen und gemeinsam mit der Stadt, der Friedhofsverwaltung sowie zahlreichen Partnern und Mitwirkenden umgesetzt.
Dabei zeigte sich am Sonntag vor allem eines: Über Tod, Bestattung und Trauer kann man sprechen, ohne dass ein Nachmittag deshalb traurig sein muss. Zwischen alten Bäumen, Grabstätten, Musik und vielen Gesprächen wurde der Waldfriedhof für einige Stunden zu einem besonderen Ort der Begegnung.
Und vielleicht war genau das die wichtigste Botschaft dieser ersten Ausgabe: Ein Friedhof gehört nicht nur zu den Verstorbenen. Er gehört ebenso zu den Lebenden und damit mitten in eine Stadt.
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