Volkstrauertag in Kaltenbrunn: Demokratie braucht Streitkultur und Einsatz für Frieden

Volkstrauertag in Kaltenbrunn: Demokratie braucht Streitkultur und Einsatz für Frieden
„Der Volkstrauertag ist ein Tag des Erinnerns, aber auch der Mahnung. Denn die Geschichte unseres Landes und Europas zeigt uns, wohin Hass, Menschenverachtung und Gewalt führen können. Viele Wunden sind bis heute nicht verheilt“, betonte Pfarrvikar Prince Kalarimuryil bei der ökumenischen Andacht am Sonntag in der Martinskirche.
Der Pater zitierte aus der Bergpredigt Jesu: „Selig sind, die Frieden stiften.“ Dies bedeutet: „Frieden beginnt nicht erst bei politischen Entscheidungen, sondern bei uns selbst, in unseren Familien, in der Nachbarschaft. Heute denken wir an die Toten und ihre Angehörigen.“
Schweigemarsch und Ansprache am Ehrenmal
Pfarrer Matthias Weih trug das Evangelium und die Fürbitten vor. Im Schweigemarsch zogen Feuerwehr, Schützen, HvO, VdK und Bürger zum Ehrenmal. „Hinter jedem Namen steht ein Mensch – ein Sohn, Vater, Bruder, Nachbar – eine Familie, die gewartet, gehofft und am Ende getrauert hat, oft ein Leben lang und ohne zu wissen, wo der Angehörige begraben liegt“, sagte Bürgermeister Julian Kraus.
Nicht auf diesem Stein stünden die Frauen und Kinder, die im Bombenkrieg starben, die Menschen, die auf der Flucht und bei der Vertreibung umkamen, die Millionen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
„Deshalb ist es keine Nebensache, wie wir miteinander reden – im Gemeinderat, am Stammtisch und in den sozialen Medien. Demokratie lebt davon, dass wir streiten können, ohne einander zu Feinden zu erklären. Lassen Sie uns gemeinsam für Frieden, Menschlichkeit und unsere Demokratie einsetzen. Das sind wir den Opfern und unseren Kindern schuldig“, unterstrich Kraus vor der Kranzniederlegung.
Nach dem Lied vom guten Kameraden folgte der dreifache Salut. Mit der Nationalhymne endete die Gedenkfeier. Der evangelische Posaunenchor unter Katrin Seidl sorgte für eine würdige musikalische Gestaltung.
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