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Volles Haus beim Heimatvortrag in Böhmischbruck

Böhmischbruck. Ein heimatkundlicher Vortrag des Obst- und Gartenbauvereins füllte den Saal im Pfarrheim bis auf den letzten Platz. Richard Reger führte lebendig von Steinzeitfunden bis zur Ära von Glas und Hammerwerken.

Volles Haus beim Heimatvortrag in Böhmischbruck

Foto: Gabriele Buchbinder
Foto: Gabriele Buchbinder
Foto: Gabriele Buchbinder
Foto: Gabriele Buchbinder

Großes Interesse am heimatkundlichen Vortrag des Obst- und Gartenbauvereins Böhmischbruck.

Volles Pfarrheim: OGV-Vortrag begeistert in Böhmischbruck

Trotz Veitshöchheimer Fasching und Eröffnungsfeierlichkeiten der Winterolympiade war der große Saal im Pfarrheim Böhmischbruck bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Obst- und Gartenbauverein (OGV) hatte zu einem besonderen Vortrag eingeladen. Richard Reger nahm die Zuhörer mit auf eine faszinierende Reise durch die Entstehung und Geschichte unserer Heimat, von der Kontinental- und Völkerwanderung bis nach Böhmischbruck.

Lebendige Heimatkunde statt trockener Zahlen

Wer einen Vortrag voller trockener Zahlen und nüchterner Fakten erwartet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Gleich zu Beginn machte der Böhmischbrucker deutlich, dass Jahreszahlen, Höhenmeter und wissenschaftliche Details meist rasch wieder vergessen werden. Stattdessen erzählte er Erdgeschichte und Heimatkunde lebendig, verständlich und „auf Du und Du“ mit seinem Publikum. So schilderte er anschaulich das Urgebirge, das einst über 12.000 Meter hoch gewesen sein soll, und lockerte seinen Vortrag immer wieder mit Kopfrechenaufgaben und Schätzfragen auf, die er ins Publikum stellte.

Reger spannte den Bogen von Steinzeitfunden bei Altentreswitz über die Hügelgräber bei Lohma bis hin zu frühen größeren Siedlungen, die bereits um 400 vor Christus und erneut etwa 450 nach Christus in der Oberpfalz nachweisbar sind. Dabei würdigte er auch die Arbeit der Heimatforscher Peter Staniczek und Siegfried Poblotzki. Auch ein Büchlein mit entsprechenden Sachhinweisen zum Thema, das ihm Susanne Novotny bei ihrem Wegzug aus Böhmischbruck geschenkt hatte, war ihm wichtig zu erwähnen. Reger berichtete von den Hunnen, dem slawischen Reich und dem böhmischen Becken und erklärte die Bedeutung alter Ortsendungen, wie zum Beispiel Altentreswitz, Burgtreswitz oder Endungen mit -ing oder -reuth.

Siedlungen, Namen und erste Quellen

Als gesichert gilt für ihn ein erstes Schriftstück aus dem Jahr 531, das den Nordgau als fränkischen Korridor beschreibt. Anschaulich schilderte Reger die Entstehung von Burgenketten in zuvor kaum besiedelten Gebieten, in denen sich Franken, Slawen und Böhmen niederließen, nicht zuletzt, weil andernorts kein Platz für die Völkerwanderer war. Werkzeuge wie Hammer, Meißel und Schaufel mussten damals für die Arbeiten selbst hergestellt werden – aus Eisenerz, das vor Ort gewonnen wurde. Der Eisberg bei Etzgersrieth und heute noch sichtbare Spuren des Erzabbaus zeugen davon.

Industriegeschichte der Oberpfalz

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der industriellen Entwicklung der Oberpfalz, die Reger als das erste Ruhrgebiet Deutschlands bezeichnete. Er berichtete von der Erfindung des Wasserrades, den Hammerwerken und dem enormen Holzverbrauch, der dazu führte, dass die Oberpfalz im 16. Jahrhundert nahezu baumlos war. Die heute typischen Kiefernwälder seien deshalb entstanden, weil Kiefern schnell wachsendes Holz liefern. Auch die Hussitenüberfälle im 14. Jahrhundert, unter anderem in Moosbach, ordnete er ein. Sie dienten weniger der Besiedlung als vielmehr dem Auffüllen ihrer Vorräte für weitere Kriegszüge.

Zoigltermine
Zoigltermine

Lokale Bezüge kamen ebenfalls nicht zu kurz. Reger erklärte den Eisenhammer in Böhmischbruck und das Erkennungszeichen eines Hammerwerks – eine in Stein gemeißelte Erdbeere – an der ehemaligen Brauerei Krieger. Auch der Industriezweig Glas wurde thematisiert. Der Glasschleifererweg, ein beliebter und prämierter Wanderweg, hat als Routenbezeichnung ein Weinglas. Das habe aber mit der örtlichen Glasherstellung wenig zu tun, da hier weder Weingläser noch Haushaltsglas gefertigt wurden.

Lokale Spuren: Eisenhammer und Glas

Stattdessen entstand Gießglas für Fensterscheiben, die oft in Eisenbahnwaggons verbaut wurden. Am häufigsten gefertigt wurden jedoch Glasperlen für den Rosenkranz, hergestellt von den sogenannten „Paterlmachern“. Heute würde so eine Glasperle mit der damaligen Herstellungsart um die 500 Euro kosten!

Mitgebrachte Anschauungsstücke zeigten, wie trüb und uneben das historische Glas im Vergleich zum heutigen Fensterglas war. Reger berichtete von der gesundheitsschädlichen Arbeit der Glas- und Polierschleifer, der Quarzsandherstellung und der Pottaschegewinnung, die er mit Bildern und Skizzen veranschaulichte. Auch die sogenannten „Pochern“ kamen zur Sprache, die scherzhaft als Bademeister galten, weil das warme Wasser aus der Arbeit in der Steinwanne als Badegelegenheit für die Bevölkerung genutzt wurde. Eine Geschichte, die auch im Roman von Paul Friedl beschrieben ist. Neben vielen Berufsbezeichnungen der damaligen Zeit – wie Aschenbrenner, Scheiterhacker und -dörrer, Flussmeister, Köhler und Bergmann sowie vieles mehr – erzählte Reger die Geschichte des Schmelzers, der sein „Rezeptbuch“ für die Glasgewinnung noch bis um 1850 um den Hals trug und es erst auf dem Sterbebett dem Nachfolger weitergab.

Applaus und Austausch im Pfarrheim

Am Ende des Vortrags erhielt Richard Reger langanhaltenden Applaus für seine eindrucksvolle und lebendige Zeitreise durch die Geschichte. Im Anschluss beantwortete er zahlreiche Fragen aus dem Publikum und stellte Modelle eines Hammerwerks und einer Glasschleife vor, die auch gleich von einigen Teilnehmern ausprobiert wurden.

Vorsitzende Carola Matthies bedankte sich im Namen ihrer Helferinnen und Helfer des OGV herzlich für den großen Zuspruch und zeigte sich erfreut, mit Richard Reger einen so heimatverbundenen und begeisternden Vortragsredner gewonnen zu haben. Bei einem leckeren Buffet saß man anschließend noch zusammen und philosophierte über die „gute alte Zeit“, die nicht immer gut war, aber bis heute prägend ist.