Walpurgisnacht in Eslarn bringt skurrile Fundstücke vor das Rathaus
Walpurgisnacht in Eslarn bringt skurrile Fundstücke vor das Rathaus
In Eslarn wurde auch heuer wieder mit großem Engagement das traditionsreiche Brauchtum der Walpurgisnacht gepflegt – oder, wie man vor Ort charmant sagt: Es wurde „gewalpert“. Während andernorts Hexen tanzen, treiben es die Eslarner eher praktisch – mit Kalk, Kreativität und einer guten Portion Schalk im Nacken. Ein fester Bestandteil des nächtlichen Treibens ist das dezente Kalkstreuen auf Straßen und Wegen. Dieses dient traditionell entweder als romantischer Wink mit dem Zaunpfahl oder als schonungslose Offenlegung geheimer Herzensangelegenheiten. Doch heuer blieb der Asphalt auffällig jungfräulich. Keine Pfeile, keine Herzen, keine kryptischen Liebesbotschaften. Die naheliegende Schlussfolgerung: In Eslarn herrscht offenbar flächendeckend Beziehungsfrieden – jeder Topf hat seinen Deckel gefunden, und keiner schaut mehr über den Tellerrand.
Walpurgisnacht in Eslarn: Kalkstreifen bleiben aus
Weniger zurückhaltend zeigten sich hingegen die örtlichen „Brauchtumsdiebe“, die in der Freinacht wieder auf Erkundungstour gingen. Mit geschultem Blick für alles, was nicht niet- und nagelfest war, durchkämmten sie Gärten und Vorplätze. Das Ergebnis ihrer nächtlichen Sammelaktion konnte sich sehen lassen: Über 30 Gegenstände fanden sich am nächsten Morgen dekorativ vor dem Rathaus drapiert. Besonders hoch im Kurs standen heuer Mülltonnen – rund zehn Exemplare in verschiedenen Größen warteten dort geduldig auf ihre Rückführung in die heimische Müllhierarchie. Doch damit nicht genug: Selbst ein mobiles WC sowie ein Stand-WC wurden kurzerhand „umgesiedelt“. Ob es sich hierbei um einen subtilen Hinweis auf infrastrukturelle Defizite handelt oder einfach nur um gelebten Humor, bleibt wohl ein gut gehütetes Geheimnis der nächtlichen Akteure.
Brauchtumsdiebe drapieren Fundstücke am Rathaus
Das improvisierte Rathaus-Depot wurde ergänzt durch einen Fahrradständer aus Eisen, diverse Verkehrszeichen, Reifen, Blumentöpfe und sogar Holzpaletten. Für den Komfort der suchenden Eigentümer wurde großzügigerweise auch eine Holzbank bereitgestellt – man soll sich ja Zeit nehmen können, wenn man sein Hab und Gut zwischen Verkehrszeichen und Toiletten wiederentdeckt. Wer seinen Besitz nicht zeitnah identifiziert und abholt, muss sich darauf einstellen, dass der Bauhof die Fundstücke einsammelt und sicher verwahrt. Spätestens dort dürfte dann auch der letzte verlorene Blumentopf wieder ein Zuhause finden. So bleibt festzuhalten: In Eslarn wird Brauchtum nicht nur gepflegt, sondern mit viel Einfallsreichtum und einem Augenzwinkern gelebt. Und wer am Morgen des 1. Mai seine Mülltonne vermisst, weiß zumindest: Sie hat eine gute Nacht gehabt.





