Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
okticket – Kultur
okticket – Kultur

Auf den Spuren des verschwundenen Dorfes Lohhäuser

Mähring. Im Rahmen der Stiftlandtage der IKom Stiftland stand am Samstag ein besonderes Erlebnis auf dem Veranstaltungsplan. Eine Führung durch das verschwundene Dorf Lohhäuser, das nur einen Steinwurf entfernt von Mähring auf heute tschechischer Seite stand. Wer diesen Ort heute besucht, findet nur noch Wiese und Wald vor.

Auf den Spuren des verschwundenen Dorfes Lohhäuser

Zu jedem Haus aus dem verschwundenen Lohhäuser konnte Karl Schneider eine Fotografie zeigen. So konnten sich die Teilnehmer gut vorstellen, wie der Ort einst ausgesehen hat. Foto: Barbara Habel

Ein Pavillon zur Rast, das Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege und das Modell der ehemaligen Schule zeugen davon, dass hier einmal Menschen gelebt haben. Einer, der davon noch aus seinem eigenen Erleben erzählen kann, ist Prof. Karl Schneider. Er lebte bis zu seinem neunten Lebensjahr in Lohhäuser und erinnert sich noch an vieles, was das Dorfleben prägte.

Neben den einzelnen Häusern und ihren Hausnamen erzählte der Zeitzeuge auch immer wieder Anekdoten zu einzelnen Dorfbewohnern. Einer davon war beispielsweise ein Tüftler und wollte fliegen wie die Vögel. Er baute sich Flügel aus Gänsefedern und sprang damit von einer Scheune herab. Der Flugversuch war aber nicht von Erfolg gekrönt, sondern endete mit einem gebrochenen Bein. Auf die Frage, warum es nicht klappte, sagte er lapidar, er habe wohl die Schwanzfedern für die Steuerung vergessen.

“Lohhäuser” – eine Lebensaufgabe

Mitten im Wald erkennt das kundige Auge noch die Reste des Ortes, wo ehemals die Mühle stand. Heute ist sie zerstört und mit Bäumen und Moos überwachsen. Foto: Barbara Habel

Karl Schneider erinnerte sich auch noch gut daran, wie er das erste Mal nach der Grenzöffnung wieder Lohhäuser, oder was davon übrig war, gemeinsam mit seinen Brüdern besucht hat. Trotz der Erlebnisse während der Vertreibung und dem Verlust der Heimat liegt es dem Zeitzeugen fern, voll Hass auf die Geschichte zurückzublicken. Er fördert stetig die Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Tschechen.

Bis heute recherchiert er unermüdlich über Lohhäuser und seine Bewohner. In diesem Jahr erschien dadurch bereits die vierte überarbeitete Auflage seines Buches „Lohhäuser – das verschwundene Dorf“. Immer neue Bilder und Dokumente tauchen auch nach so langer Zeit wieder auf.

Nach der Exkursion in die Geschichte wartete eine Brotzeit auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Im Anschluss war der Besuch des Gelebten Museums in Mähring möglich. Dort sind noch Objekte aus Lohhäuser und Videos zu seiner Geschichte in der Dauerausstellung
zu sehen. Im Museums Café entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch über das Gehörte. Von vielen Seiten wurde der Wunsch geäußert, eine weitere Führung nach Lohhäuser zu machen, um noch mehr über diesen verschwundenen Ort zu erfahren.

okticket – Kultur
okticket – Kultur