Blaue Villa in Kaltenbrunn startet als neues Kulturzentrum
Blaue Villa in Kaltenbrunn startet als neues Kulturzentrum
Mit einer alten Schulglocke eröffnete Jürgen Schuller die erste Veranstaltung im neuen Kulturzentrum „Blaue Villa“ in Kaltenbrunn. Für den gebürtigen Kaltenbrunner war dieser Moment mehr als eine symbolische Geste. Das ehemalige evangelische Schulhaus am Marktplatz, das 1908 errichtet wurde, soll künftig wieder ein Ort der Kultur und der Begegnung sein. Gemeinsam mit Lea Simone Bogner möchte Schuller dort Kunst, Musik, Lesungen und Gespräche ermöglichen. Der Auftakt zeigte bereits, wie vielfältig dieses Konzept gedacht ist. Ausstellung, Literatur und klassische Musik trafen aufeinander. Viele Gäste aus der Nordoberpfalz nutzten die Gelegenheit, das historische Gebäude in neuer Rolle kennenzulernen und miteinander ins Gespräch.
Altes Schulhaus bekommt neues Leben
Schuller und Bogner verbindet die Faszination für das frühere Schul- und Gemeindehaus. Das Gebäude diente zunächst als evangelisches Schulhaus und wurde nach Angaben der Initiatoren bis 1956 als Simultanschule für beide Konfessionen genutzt. Später war es evangelisches Gemeindehaus und zugleich Wohnstätte für Lehrer und Mesner. Schuller, der in Kaltenbrunn aufgewachsen ist, kannte das markante Haus seit seiner Kindheit. Vor einigen Jahren erwarb er es und bewahrte es nach eigener Darstellung vor dem Abriss. Weil ihnen die Bezeichnung evangelisches Schulhaus zu nüchtern erschien, wählten beide einen neuen Namen. Die Farbe der Fassade gab schließlich den Ausschlag: „Blaue Villa“ am zentralen Marktplatz.
Jürgen Schuller und seine Baumgeschichten
Jürgen Schuller arbeitet am Gymnasium Eschenbach als Lehrer für Biologie und Chemie. Seine besondere Leidenschaft gilt Bäumen und ihren Geschichten. Seit 2018 veröffentlicht er dazu Beiträge in sozialen Medien. Daraus entwickelte sich eine Autorenkarriere, die inzwischen drei Bücher hervorgebracht hat. Nach „Faszinierende Bäume in der Oberpfalz“ folgten Bände über Niederbayern und Oberbayern. Schuller tritt zudem in Radio- und Fernsehsendungen auf und hält Vorträge. Lea Simone Bogner unterstützte nach seinen Angaben die Entstehung der Baumgeschichten maßgeblich. Die gebürtige Schweizerin arbeitet als Stimmtrainerin, Coach und Paarberaterin. Stationen ihres Lebens waren Amsterdam, Rotterdam, New York und Wien. Nun soll Kaltenbrunn ein weiterer Lebensmittelpunkt werden.
Kunst im ehemaligen Schulhaus
Zum Auftakt nutzten drei regionale Künstlerinnen und Künstler das Obergeschoss für eine gemeinsame Ausstellung. Barbara Katharina Bayer, Diplom-Kunsttherapeutin und Malerin, erläuterte ihren Zugang zu Bildern, deren Thema oft erst während des Entstehungsprozesses sichtbar werde. Hannes Irlbacher, selbstständiger Raumausstatter aus Weiden, präsentierte restaurierte Möbel und zeigte seine Vorliebe für Stoffe aus England. Sein Appell an die Besucher lautete, mehr Farben und Muster ins eigene Leben zu bringen. Seine Exponate sorgten entsprechend für Gesprächsstoff. Petra Walberer ergänzte die Ausstellung mit Holzkunstwerken. Damit zeigte die Blaue Villa bereits bei ihrer Eröffnung, dass unterschiedliche Formen regionaler Kunst nebeneinander Platz finden können und sichtbar werden.
Blaue Villa Kaltenbrunn verbindet Literatur und Musik
Nach der Eröffnung der Ausstellung führte Schuller das Publikum in einer ungewöhnlichen Lesung durch seinen Weg zum Buchautor. Anschließend las er aus seinen Baumgeschichten „Faszinierende Bäume in der Oberpfalz“ und verband biologische Beobachtungen mit regionalen Sagen. Besonders eindringlich wirkte ein Gedicht über die Sage vom Kalten Baum, das Lea Simone Bogner vortrug. Für heitere Kontraste sorgte Martin Stangl mit Geschichten und Ausdrücken aus seinem „Oberpfälzer Wörterbuch – Vo Aungdeggl bis Zintara“. So wechselten sich Baumkunde, Dialekt und persönliche Anekdoten ab. Uschi Steppert und Karl-Heinz Kuhl gaben der Lesung zusätzlich eine musikalische Ebene. Mit Klavier und Gesang griffen sie die Atmosphäre des historischen Schulsaals auf und lockerten das Programm spürbar auf für alle.
Musik zwischen Reger und Koessler
Bei der Musikauswahl setzten Steppert und Kuhl einen weiteren deutlichen Oberpfälzer Akzent. Ihre Stücke stammten von Max Reger und Hans von Koessler. Der in Weiden aufgewachsene Reger ist weit über die Region hinaus bekannt. Koessler, ein Verwandter Regers, gehört dagegen zu jenen Komponisten, deren Werk heute deutlich seltener erklingt. Die beiden Musiker warben deshalb ausdrücklich für eine neue Beschäftigung mit seiner Musik. Das Publikum nahm die Mischung aus Dialektlesung, Baumgeschichten und Liedern mit kräftigem Applaus auf. Nach einer Pause mit Zoiglbier und Brezen wechselte das Programm erneut die Farbe. Nun rückte ein klassisches Konzert in den Mittelpunkt des historischen Saals zurück.
Blaue Villa Kaltenbrunn soll offen bleiben
Ab 18 Uhr übernahmen die Violinistinnen Finia Bogner und Hristina Panova gemeinsam mit dem Pianisten Patrick Hévr. Mit Werken vom Barock bis zur Romantik setzten sie einen anspruchsvollen Schlusspunkt unter den ersten Veranstaltungstag.
Für Bogner und Schuller war der Zuspruch zugleich Bestätigung und Verpflichtung. Sie bedankten sich für das große Interesse des Publikums aus der gesamten Nordoberpfalz und bezeichneten den Auftakt als gelungenes Experiment. Künftig soll die Blaue Villa Kaltenbrunn Künstlern eine Bühne geben, Raum für Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und weitere Begegnungen schaffen.



