Christian Springer in Weiden: Politischer Abschluss der Literaturtage
Christian Springer in Weiden: Politischer Abschluss der Literaturtage
Mit einem nachdenklichen und zugleich eindringlichen Abend sind die 38. Weidener Literaturtage zu Ende gegangen. Kabarettist und Autor Christian Springer gastierte in der Regionalbibliothek und setzte den Schlusspunkt unter das diesjährige Lesefestival. Die Veranstaltung war ausverkauft und zeigte einmal mehr, wie groß das Interesse an gesellschaftlich relevanten Themen ist.
Christian Springer setzt den Schlusspunkt bei den Literaturtagen
Stefan Voit, Mitorganisator der Weidener Literaturtage, zog eine positive Bilanz. In knapp zwei Wochen habe man neun hochkarätige Veranstaltungen präsentieren können, die allesamt auf große Resonanz gestoßen seien. Besonders erfreulich sei gewesen, dass nahezu alle Termine ausverkauft waren. Der Abschlussabend mit Christian Springer fand in Kooperation mit der Kulturbühne Weiden statt.
Springer selbst zeigte sich erfreut, sein neues Buch in Weiden vorstellen zu können. Der Kabarettist, der inzwischen an seinem 18. Werk arbeitet, betonte die besondere Atmosphäre der Literaturtage. Viele der beteiligten Autoren kenne er persönlich, was den Austausch zusätzlich bereichere.
Lesen als prägende Erfahrung
In einem persönlichen Rückblick schilderte Springer seinen Zugang zum Lesen. Aufgewachsen in München als Sohn eines Obst- und Gemüsehändlers, hatte Bildung zunächst keinen hohen Stellenwert in seinem Umfeld. Dennoch entdeckte er früh die Welt der Bücher für sich. Besonders die Werke von Karl May weckten sein Interesse am Orient.
Nach dem Abitur vertiefte er dieses Interesse durch ein Studium orientalischer Sprachen, insbesondere im Bereich der Semitistik. Dabei erlernte er mehrere arabische Dialekte. Auch wenn er diese heute kaum noch aktiv nutzt, prägte das Studium seinen Blick auf die Region nachhaltig.
Wie er auf seiner eigenen Internetseite beschreibt, verbindet Springer sein künstlerisches Schaffen stets mit gesellschaftlichem Engagement und politischer Haltung. Diese Verbindung wurde auch in Weiden deutlich.
Klare Haltung zu politischen Themen
Der Kabarettist scheute sich nicht, klare Positionen zu beziehen. Er bezeichnete sich selbst als unbequemen Studenten, der sogar von der Universität München exmatrikuliert wurde. Dennoch blieb er seiner Überzeugung treu, sich gegen Rechtsextremismus zu stellen. Seine Aussage, dass Rechtsextremismus immer in die Katastrophe führe, unterstrich er mit Nachdruck.
Auch aktuelle politische Entwicklungen sprach Springer offen an. Seine kritische Haltung führte unter anderem dazu, dass er langjährige berufliche Beziehungen wie zu Monika Gruber und Helmut Schleich beendete. Gleichzeitig betonte er, wie wichtig es sei, sich aktiv gegen Verschwörungstheorien und extremistisches Gedankengut zu positionieren.
Engagement im Nahen Osten
Ein zentrales Thema des Abends war Springers Engagement im Nahen Osten. Seit den 1980er Jahren bereist er regelmäßig Länder wie Syrien, Israel und den Libanon. Aus diesen Erfahrungen heraus gründete er die Organisation „Orienthelfer e.V.“, die sich für humanitäre Hilfe in Krisengebieten einsetzt.
Springer machte deutlich, dass ihm dabei vor allem die Menschen vor Ort am Herzen liegen. Er setzt sich für ein freies und friedliches Zusammenleben ein und betont die Bedeutung von Pressefreiheit und Gleichberechtigung. Gleichzeitig übte er deutliche Kritik an der politischen Führung der Palästinenser, die seiner Ansicht nach Konflikte dramatisch verschärfen als lösen.
Seine Überzeugung: Das palästinensische Volk wünsche sich Frieden, werde jedoch von der radikalen Führung übertönt. Springer plädierte daher für eine differenzierte Betrachtung der Lage und sprach sich für eine Zwei-Staaten-Lösung aus.
Christian Springer in Weiden: Ein Abend ohne klassische Lesung
Bemerkenswert war, dass Springer auf eine klassische Lesung aus seinem Buch „Sissi in Gaza“ verzichtete. Die Zuhörer folgten seinen Ausführungen aufmerksam und zeigten großes Interesse an seinen Erfahrungen.
Am Büchertisch bildete sich im Anschluss eine lange Schlange. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, mit dem Autor ins Gespräch zu kommen. Auf die Frage nach dem ungewöhnlichen Buchtitel reagierte Springer mit einem Augenzwinkern und verwies darauf, dass sich die Bedeutung beim Lesen erschließe.
Kritik bleibt beim Publikum nicht aus
Das flammende Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit honorierte das Publikum mit sehr langem Applaus. Trotzdem wünschte sich der eine oder andere Besucher im Nachgang eine eindeutige Distanzierung vom Gewaltkurs der israelischen Regierung unter Benjamin Netanjahu. Immerhin wurde am 21. November 2024 Haftbefehl gegen Benjamin Netanjahu vom Internationalen Strafgerichtshof erlassen. Er wird für das Kriegsverbrechen des Aushungerns als Methode der Kriegsführung sowie für die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Form von Mord, Verfolgung und anderen unmenschlichen Taten während des Kriegs in Israel und Gaza seit 2023 verantwortlich gemacht.
Dank an das Organisationsteam
Mit dem Abend in der Regionalbibliothek endeten die Weidener Literaturtage. Ein Abend, der zum Nachdenken anregte und zeigte, wie eng Literatur, Politik und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbunden sein können.
Zum Schluss bat die Leiterin des Literaturtage-Teams Ruth Neumann ihre Mitorganisatoren auf die Bühne.
Sie dankte ihren beiden Kolleginnen aus der Regionalbibliothek Katja Sauermann und Corinna Dietz, den Buchhändlerinnen Alexandra Stangl und Maria Rupprecht sowie dem Journalisten Stefan Voit.
Nach den Literaturtagen ist vor den Literaturtagen, denn schon in Kürze beginnen die Vorbereitungen für das Lesefestival 2027.




