Friedrich Ani zieht Publikum in seinen Bann
Friedrich Ani zieht Publikum in seinen Bann
Die Friedrich Ani Lesung im Rahmen der 38. Weidener Literaturtage wurde am Samstagabend zu einem besonderen Erlebnis des Festivals. Der große Saal der Regionalbibliothek war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Publikum erlebte einen intensiven und zugleich bewegenden Literaturabend.
Friedrich Ani bereits zum zweiten Mal bei den Literaturtagen
Organisatorin Ruth Neumann zeigte sich erfreut über den großen Zuspruch. Gemeinsam mit dem Journalisten Stefan Voit begrüßte sie den renommierten Autor Friedrich Ani.
Die Ani Lesung knüpfte damit an einen früheren Besuch an. Bereits 2006 war der Schriftsteller zu Gast in Weiden. Damals widmete er sich dem Thema „Alte Heimat – Neue Heimat – Fremde Heimaten“.
Der vielfach ausgezeichnete Autor, der erst kürzlich mit dem Münchner Literaturpreis geehrt wurde, zählt zu den bedeutendsten deutschen Krimiautoren. Bekannt ist er vor allem für seine Kriminalromane sowie Drehbücher, unter anderem für die Fernsehreihe „Tatort“.
Eindringlich und autobiografisch
Im Mittelpunkt des Abends stand sein aktuelles Buch „Schlupfwinkel – Fantasien über eine fremde Heimat“ (128 Seiten, gebunden, Suhrkamp Verlag, 18 EUR). Ani las ausgewählte Passagen daraus vor.
Die Geschichte führt in ein sehr bekanntes bayerisches Dorf der 1950er Jahre namens Kochel am See. Im Zentrum steht ein Kind, das aus einer ungewöhnlichen Verbindung hervorgeht. Die Mutter ist eine aus Schlesien vertriebene Frau. Der Vater stammt aus Syrien und kommt als Medizinstudent nach Deutschland. Eine gemeinsame Sprache fehlt den Eltern lange Zeit.
Diese Sprachlosigkeit prägt auch das Leben des Kindes. Es wächst in einer Atmosphäre des Schweigens auf und sucht seinen eigenen Weg. Schließlich findet es Zuflucht in der Literatur.
Ein Autor gewährt persönliche Einblicke
Im anschließenden Gespräch mit Stefan Voit gewährte Ani tiefe Einblicke in sein Leben. Dabei wurde deutlich, wie eng das Buch mit seiner eigenen Biografie verbunden ist. Besonders eindrucksvoll schilderte er seine Familiengeschichte.
Er beschrieb, wie ihn Bücher früh geprägt haben. Seine Großmutter versorgte ihn regelmäßig mit Lesestoff aus der katholischen Pfarrbücherei. Ihr Tod bedeutete für ihn einen tiefen Einschnitt. Diese Erfahrungen fließen deutlich in sein Werk ein.
Friedrich Ani und sein Verständnis von ‚Heimat‘
Ein zentrales Thema des Abends war der Begriff ‚Heimat‘. Auf die Frage nach seiner Definition zitierte Ani den Schauspieler Otfried Fischer: „Heimat sei dort, wo man die Namen in den Todesanzeigen kenne“. Er ergänzte diese Sichtweise mit einem eigenen, sehr prägnanten Satz über seine Eltern: „Zwei Fremde zeugten in der Fremde einen Einheimischen“.
Der Autor betonte, dass er lange kein autobiografisches Buch schreiben wollte. Erst die Demenz-Erkrankung seiner Mutter brachte Erinnerungen zurück. Daraus entstand schließlich „Schlupfwinkel“, das er in kurzer Zeit niederschrieb.
Bemerkenswert ist die Entstehungsgeschichte des Buches. Die erste Fassung schrieb Ani in nur fünf Wochen. Anschließend überarbeitete er das Manuskript gründlich. Heute liegt das Werk bereits in mehreren Auflagen vor.
Aus der Sprachlosigkeit entstand eine kreative Entwicklung
Im Gespräch schilderte Ani auch seinen Weg zum Schreiben. Schon als Kind begann er zu erzählen und zu schreiben. Später erkannte er darin eine Möglichkeit, in eine eigene Welt einzutauchen. Dennoch dauerte es bis zu seinem 40. Lebensjahr, bis sein erstes Buch erschien.
Heute blickt er auf ein umfangreiches Werk zurück. Mehr als 30 Romane hat er veröffentlicht. Dennoch bezeichnet er „Schlupfwinkel“ als eines seiner persönlichsten Bücher.
Friedrich Ani Lesung – ein intensives Erlebnis
Das Publikum verfolgte die Lesung aufmerksam und zeigte sich tief beeindruckt. Die Mischung aus Vortrag und Gespräch sorgte für eine besondere Atmosphäre. Viele Gäste nutzten im Anschluss die Gelegenheit zum persönlichen Austausch.
Weitere Informationen zu den kommenden Veranstaltungen der 38. Weidener Literaturtage gibt es unter weidener-literaturtage.de.




