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Gedenktag für Sinti und Roma in Dachau und Flossenbürg

Flossenbürg. Zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma am 2. August erinnert die Stiftung Bayerische Gedenkstätten an die Opfer und lädt zu Themenrundgängen in Dachau und Flossenbürg ein.

Gedenktag für Sinti und Roma in Dachau und Flossenbürg

Gedenkstein an die im KZ Flossenbürg und seinen Außenlagern ermordeten Sinti und Roma, Foto: Stiftung Bayerische Gedenkstätten/Alexandra Perry

Das Gedenken an den Porajmos, den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Sinti und Roma, gehört zu den bleibenden Aufgaben der deutschen Erinnerungskultur. Anlässlich des offiziellen Europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und Roma am 2. August erinnert die Stiftung Bayerische Gedenkstätten an die Opfer des Porajmos und lädt zu öffentlichen Themenrundgängen in den KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg ein.

Gedenktag für Sinti und Roma erinnert an den Porajmos

Der Gedenktag bezieht sich auf die Nacht vom 2. auf den 3. August 1944: Damals wurden die letzten rund 4300 im sogenannten „Zigeunerlager“ des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau inhaftierten Sinti und Roma – überwiegend Frauen, Kinder und ältere Menschen – von der SS ermordet. Zugleich steht der Gedenktag für den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Sinti und Roma, dem Schätzungen zufolge bis zu 500.000 Menschen zum Opfer fielen.

Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, dazu: „Der Gedenktag erinnert uns an ein Menschheitsverbrechen, das viel zu lange nicht den Platz im öffentlichen Bewusstsein hatte, den es verdient. Gerade deshalb bleibt es unsere Aufgabe, die Geschichten der verfolgten Sinti und Roma sichtbar zu machen, den Nachkommen Gehör zu verschaffen und jeder Form von Antiziganismus mit Klarheit entgegenzutreten.“

Wahre Anerkennung

Der Genozid an den Sinti und Roma wurde nach 1945 über Jahrzehnte hinweg nur unzureichend anerkannt und erforscht. Erst in der jüngeren Vergangenheit konnten Forschung, Gedenkstättenarbeit und das Engagement von Überlebenden sowie ihrer Verbände dazu beitragen, die Verfolgungsgeschichte stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Zugleich bestehen weiterhin Forschungslücken, insbesondere mit Blick auf regionale Verfolgungsgeschichten, Biografien der Opfer und die Nachgeschichte von Ausgrenzung und Diskriminierung. Ein wichtiger Schritt für die weitere Aufarbeitung ist der jüngste Beschluss des deutschen Bundeskabinetts zur Einsetzung einer unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des Unrechts an Sinti und Roma nach 1945. Die Kommission soll Kontinuitäten der Diskriminierung und strukturelle Benachteiligungen untersuchen.

Antiziganismus auch heute Realität

Der Gedenktag richtet den Blick nicht nur auf die Geschichte, sondern auch auf die Situation von Sinti und Roma in der Gegenwart. Antiziganismus ist weiterhin in vielen europäischen Gesellschaften verbreitet. Der aktuelle Jahresbericht der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) vom 9. Juni 2026 zeigt, dass Vorurteile, Diskriminierung und Feindseligkeit bis zu Übergriffen gegenüber Sinti und Roma auch in Deutschland ein ernst zu nehmendes Problem darstellen. Die dokumentierten Fälle machen deutlich, wie wichtig eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Antiziganismus, historische Bildung und die Stärkung einer demokratischen Erinnerungskultur sind.

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten versteht die Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Sinti und Roma als festen Bestandteil ihrer historischen Bildungsarbeit. Anlässlich des Gedenktags bieten beide KZ-Gedenkstätten öffentliche Themenführungen an.

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Öffentliche Führungen

KZ-Gedenkstätte Dachau: Am Sonntag, den 2. August, um 14.30 Uhr wird der Themenrundgang „Sinti und Roma im KZ Dachau“ angeboten. Der Rundgang beleuchtet insbesondere das Schicksal großer Transporte der Jahre 1938 und 1939 und erzählt anhand biografischer Beispiele die Geschichte einer lange vergessenen Verfolgtengruppe.

KZ-Gedenkstätte Flossenbürg: Ebenfalls am Sonntag, den 2. August 2026, findet um 15 Uhr der Themenrundgang „Verfolgung von Sinti und Roma in der Oberpfalz und im Lagerkomplex Flossenbürg“ statt. Hier soll ein Bogen gespannt werden vom Leben der Sinti und Roma in Bayern in den 1920er und 1930er Jahren über Ausgrenzung, Kriminalisierung, Verfolgung und Verhaftung bis zum Kampf um Entschädigung und Erinnerung nach 1945.

Über die Stiftung Bayerische Gedenkstätten

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in München. Sie wurde durch den Freistaat Bayern zum 1. Januar 2003 errichtet. Die Stiftung ist Trägerin der KZ-Gedenkstätte Dachau und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, die zu den Gedenkstätten in Deutschland von nationaler und internationaler Bedeutung gehören, sowie weiterer Gedenkstätten im Freistaat. Zweck der Stiftung ist es, die Gedenkstätten als Zeugen für die Verbrechen des Nationalsozialismus, als Orte der Erinnerung an die Leiden der Opfer und als Lernorte für künftige Generationen zu erhalten und zu gestalten, die darauf bezogene geschichtliche Forschung zu unterstützen und dazu beizutragen, dass das Wissen über das historische Geschehen im Bewusstsein der Menschen wachgehalten und weitergetragen wird.

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